Bewegung bringt auch das Gehirn auf Trab

ams-Interview mit Prof. Dr. Petra Jansen

25.06.15 (ams). Bewegt euch! Diese Empfehlung lässt sich aus einer aktuellen Studie zum Thema Sport mit ADHS-Kindern ableiten. Prof. Dr. Petra Jansen und Dr. Susanne Ziereis vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Regensburg wiesen darin - in Kooperation mit der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxis Manfred Wurstner (Regensburg) - nach, dass Sport Kindern mit dem Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Syndrom hilft, aufmerksamer zu sein und Informationen besser aufnehmen zu können.

Frau Professor Jansen, wie sah Ihre Untersuchung aus?

Jansen: Wir haben den Einfluss von Sport auf die kognitiven Fähigkeiten bei 43 Kindern im Alter von sieben bis zwölf Jahren untersucht. Wichtig war uns dabei, dass zuvor ein Kinder- und Jugendpsychiater eine zuverlässige Diagnose gestellt hatte. Es handelte sich um 32 Jungen und elf Mädchen, die wir in drei Gruppen aufgeteilt haben. Eine Gruppe durchlief ein Trainingsprogramm mit Bewegungsabläufen rund um Hand- und Ballgeschicklichkeit sowie Balance. Dazu gehörten beispielsweise Akrobatik, Jonglieren und Beachvolleyball. Die zweite Gruppe betrieb Sportarten ohne Bälle wie Schwimmen und Klettern. Die dritte Gruppe machte gar nichts. Die Trainingskinder absolvierten das Programm zehn Wochen lang jeweils eine Stunde.

Was waren Ihre wichtigsten Ergebnisse?

Jansen: Bei beiden Gruppen, die sportlich aktiv waren, stellten wir fest, dass das Arbeitsgedächtnis der Jungen und Mädchen besser geworden war. Sie waren am Ende aufmerksamer und ihre Gedächtnisleistung war besser als bei den Kindern, die in dieser Zeit gar nicht aktiv waren. Uns hat dabei vor allem erstaunt, dass es egal war, welchen Sport die beiden Gruppen betrieben hatten. Mit unserer Studie haben wir nur einen Teil der kognitiven Fähigkeiten untersucht und zum Beispiel die auch sehr wichtige Motorik ganz außen vor gelassen. Die Kinder haben oft noch viele andere Probleme. Doch die kognitiven Fähigkeiten, etwa Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Erinnerung und Lernen, stehen oft im Vordergrund, zum Beispiel in der Schule. Deshalb sind diese Erkenntnisse so wichtig.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus den Ergebnissen im Hinblick auf die Behandlung von Kindern mit ADHS?

Jansen: Man sollte Kindern mit ADHS auf jeden Fall ausreichende Angebote machen, um sich bewegen zu können. Die Eltern unserer Studienkinder hätten es am liebsten gesehen, wenn wir das Trainingsprogramm fortgesetzt hätten. Es gibt hier einen großen Bedarf. Ganz oft haben es Kinder mit ADHS schwer, sich in normale Sportvereine zu integrieren. Deshalb wäre es aus unserer Sicht sinnvoll, ergänzend spezielle Sportgruppen für sie zu etablieren. Bislang gibt es solche Angebote leider nur sehr vereinzelt.


Titel des Original-Aufsatzes:
Ziereis S. , & Jansen P. (2014): Effects of physical activity on executive functions and motor performance in children with ADHS, in: "Research in Developmental Disabilities"

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