Für mehr Miteinander im Krankenhaus

Berliner Gesundheitspreis 2015 verliehen

Logo: Berliner Gesundheitspreis 2015

25.06.15 (ams). Wenn die unterschiedlichen Berufsgruppen im Krankenhaus gut zusammenarbeiten, profitieren alle - das zeigten die Gewinner des Berliner Gesundheitspreises 2015. An dem mit insgesamt 50.000 Euro dotierten bundesweiten Innovationswettbewerb von AOK-Bundesverband, Ärztekammer Berlin und AOK Nordost nahmen 53 Einrichtungen teil. Thema des aktuellen Wettbewerbs, der seit 1995 alle zwei Jahre stattfindet: "Zusammenspiel als Chance - Interprofessionelle Teams im Krankenhaus".

"Weddinger Modell"

Behandlungsteams, in denen Therapeuten und Ärzte auf Augenhöhe zusammenarbeiten, transparente Behandlungswege und Patienten, die über die Therapie mitentscheiden: Mit diesem Ansatz hat die Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin mit dem sogenannten "Weddinger Modell" den ersten Platz belegt. Dieses Projekt sei ein Musterbeispiel für multiprofessionelle Zusammenarbeit, die den Patienten verantwortlich in die Behandlung einbinde, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bei der Preisverleihung im Foyer des AOK-Bundesverbandes in Berlin: "Zudem hat sich das Modell in der Praxis bewährt und kann auf somatische Abteilungen übertragen werden."

Netzwerk zur Diabetikerversorgung

Den zweiten Platz belegte das Netzwerk zur Diabetikerversorgung im Krankenhaus Märkisch-Oderland in Strausberg, das ein interprofessionelles Team zur nachhaltigen Behandlung von Patienten mit Diabetes als Begleiterkrankung etablierte. Prof. Dr. Axel Ekkernkamp, Ärztlicher Direktor des Unfallkrankenhauses Berlin, hob in seiner Laudatio den hohen persönlichen Einsatz der Mitarbeiter hervor: "Das Projekt geht wesentlich über die Forderungen der Deutschen Diabetes-Gesellschaft hinaus, es berücksichtigt in besonderer Weise die Perspektive der Patienten und sucht die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten."

Angstfreies Krankenhaus

Dass jeder fünfte Patient unter starken Ängsten leidet, wenn er sich einer Operation unterziehen muss, war der Antrieb, das Projekt "Angstfreies Krankenhaus" zu starten. Das Krankenhaus Waldfriede aus Berlin-Zehlendorf nahm dies zum Anlass, ein Konzept zur besseren Vorbereitung auf eine Operation zu etablieren. Um die psychosoziale Verfassung der Patienten im Vorfeld der Operation zu stärken, gründete ein Oberarzt mit der leitenden Anästhesistin, der OP-Koordinatorin und zwei Seelsorgern eine Arbeitsgruppe. Informationen, Anteilnahme und Einsicht in die OP-Abläufe spielen dabei eine Schlüsselrolle, Ängste werden bereits im Vorgespräch mit dem Chirurgen und der Anästhesistin angesprochen. Für ihr Projekt bekam die Zehlendorfer Klinik den Sonderpreis. "Die Jury gewichtete vor allem die nachhaltige Wirkung des Projekts und seinen Vorbildcharakter", sagte Hedwig-François Kettner, Vorsitzende des Aktionsbündnis Patientensicherheit und langjährige Pflegedirektorin der Berliner Charité, in ihrer Laudatio.

Strukturiertes Vorgehen beim Kinderschutz

Eine lobende Erwähnung gilt darüber hinaus der Kinderschutzgruppe der Charité - Universitätsmedizin Berlin, die bei Verdacht auf Misshandlungen oder Vernachlässigung gezielte Diagnosen stellt, um Kindern und auch ihren Eltern zu helfen. Etwa 900 Fälle von Verdacht auf Kindesmisshandlung registrierte die Berliner Charité im Jahr 2013; in 500 Fällen wurde die Ahnung zur Gewissheit. In Sachen Kinderschutz geht die Charité sehr strukturiert vor. Dafür arbeiten die Ärzte mit Kinder- und Jugendpsychiatern, Psychologen und dem Sozialdienst des Kinderschutzteams zusammen. Laudator Dr. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin: "Gemeinsam mit allen Berliner Ärztinnen und Ärzten stehen wir in der Verantwortung, uns aktiv gegen jede Form von häuslicher Gewalt und Kindeswohlgefährdung einzusetzen. Das Projekt der Charité zeigt sehr schön, wie wichtig es ist, auf der Basis der vorhandenen Krankenhausstrukturen und örtlichen Rahmenbedingungen Netzwerke zu etablieren, die bei Verdachtsfällen schnell aktiviert werden können."

Weitere Infos sowie Festschrift und Film zum 20-jährigen Bestehen des Berliner Gesundheitspreises


Zum ams-Ratgeber 06/15