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Gut und gesund: Warum das Stillen so im Trend ist

ams-Serie "Frauengesundheit" (6)

25.06.15 (ams). Für viele Frauen ist es selbstverständlich, für andere unvorstellbar: Wie viele Themen diskutieren die meisten werdenden Mütter auch das Thema Stillen schon während  der Schwangerschaft intensiv. "Stillen ist für das Baby äußerst gesund und für die Mutter nach einer Phase des Eingewöhnens sehr praktisch", sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband. Doch auch wenn alles fürs Stillen spricht: Letztlich ist es eine persönliche Entscheidung der Mutter, ob es der richtige Weg ist. Nachdem das Stillen vor Jahrzehnten im Zusammenhang mit Schadstoffbelastungen in Verruf geraten war und die Mütter vorübergehend stillmüde wurden, nahmen sich die Weltgesundheitsorganisation und das UN-Kinderhilfswerk des Themas an. Sie warben intensiv für die natürliche Versorgung Neugeborener mit dem Ergebnis, dass Stillen heute wieder voll im Trend ist. Und das zu Recht, denn es hat viele Vorteile für Mutter und Kind.

Das hat das Kind davon:

  • Es kann die Muttermilch leicht verdauen.
  • Die Muttermilch enthält alle wichtigen Nährstoffe in der richtigen Menge.
  • Die Menge passt sich immer automatisch dem Bedarf an: Braucht das Baby mehr, produziert der Körper der Mutter mehr Milch. 
  • Eine Überernährung ist ausgeschlossen.
  • Gestillte Kinder werden seltener krank: Der Nestschutz, bei dem die Mutter dem Kind vor der Geburt einen Teil ihrer Immunabwehrstoffe überträgt, lässt innerhalb der ersten Monate schon deutlich nach. Über die Milch nimmt es aber immer wieder  Antikörper gegen Erreger auf, die zum Beispiel gegen Infektionen des Magen-Darm-Traktes schützen. Auch vermindert Stillen das Risiko für das Kind, an einer akuten Mittelohrentzündung zu erkranken.
  • Es kann die Milch immer anfordern. Außerdem ist sie keimfrei und hat genau die richtige Temperatur.

Das hat die Mutter unter anderem davon:

  • Stillen spart nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld.
  • Es ist umweltfreundlich.
  • Stillen kann man überall und immer - das macht trotz Baby unabhängig.

Hinzu kommt, dass Mutter und Kind beim Stillen viel Zeit miteinander verbringen. Auch von dieser Nähe profitieren beide: Das Baby spürt, dass die Mutter zuverlässig da ist. Mutter und Kind werden schnell vertraut miteinander, darauf baut sich eine sichere Bindung auf. Bei den meisten Müttern löst das Stillen Glücksgefühle aus. Für viele sind diese gemeinsamen Zeiten der Nähe Ruhezeiten im ansonsten sehr anstrengenden Alltag mit einem Neugeborenen. Sind Mutter und Kind ein gut eingespieltes Team, sollte das Kind anfangs ausschließlich gestillt werden. Bei der Nationalen Stillkommission heißt es im Einklang mit internationalen Empfehlungen, dass ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten für die Mehrheit der gesunden, reif geborenen Säuglinge in Europa die ausreichende Ernährung ist. Etwa in der Mitte des ersten Lebensjahres soll demnach Beikost zugefüttert werden, also etwa zwischen Beginn des fünften und dem Beginn des siebten Monats. Wann der richtige Zeitpunkt ist, merken Eltern in der Regel selbst. Ansonsten sind Kinderärzte, Hebammen oder Stillberaterinnen dafür die richtigen Ansprechpartner.

Der Beginn des Stillens ist von Frau zu Frau, von Baby zu Baby unterschiedlich. Die Schwangerschaft hat zunächst einmal dafür gesorgt, dass der Körper der Mutter aufs Stillen vorbereitet ist. Eigentlich muss man nach der Geburt dann nur loslegen. Das Neugeborene zeigt mit saugenden Mundbewegungen sehr bald an, dass es an die Brust möchte. Bei vielen Müttern klappt der Start problemlos. Oft ist aber am Anfang auch Geduld gefragt: Vielleicht weint das Baby, weil es nicht richtig loslegen kann. Das macht die Mutter schnell unsicher und stresst sie. Jetzt ist es ganz wichtig, nicht sofort aufzugeben. Hebammen sind hier sehr erfahrene Begleiterinnen, die über die Anfangsschwierigkeiten hinweghelfen und viele Tipps geben können. Sie beraten, wie und wie oft das Kind angelegt werden sollte, wie man die Positionen wechselt und was zu tun ist, wenn es mal nicht klappt. Auch bei Themen wie wunden Brustwarzen oder möglichen Brustentzündungen stehen sie den Müttern zur Seite. Sind hier Medikamente nötig, ist auf jeden Fall immer ein Arzt zu Rate zu ziehen Später finden die Mütter dann auch viel Unterstützung in Stillgruppen, die es überall gibt. Damit das Baby tatsächlich vom Stillen profitieren kann, müssen Mütter allerdings auch einige Punkte beachten:

Stillen und Rauchen:

  • Genauso wie in der Schwangerschaft sollte auch in der Stillzeit aufs Rauchen verzichtet werden, denn die schädlichen Stoffe der Zigaretten gehen in die Muttermilch über. So ist Nikotin mehr als eineinhalb Stunden nach der letzten Zigarette noch in der Milch nachzuweisen. Mütter, die stark rauchen, verringern zudem damit ihre Milchproduktion. Auch wurde beobachtet, dass Kinder von stillenden und gleichzeitig rauchenden Müttern weniger saugen können, unruhiger sind, sich erbrechen und ein höheres Risiko haben, Atemwegserkrankungen zu bekommen.

Stillen und Alkohol:

  • In der Stillzeit sollte die Mutter auf den Konsum von Alkohol verzichten, denn schon kleine Mengen Alkohol schaden dem Baby und beeinflussen seinen  Such-, Saug- und Schluckreflex ungünstig. Wenn überhaupt, sollte der Alkohol nur in kleinen Mengen und dann direkt nach dem Stillen getrunken werden. So besteht die Chance, dass er bis zum nächsten Stillen wieder abgebaut ist.

Weder eine Behinderung beim Kind noch ein Kaiserschnitt sind Gründe, um auf das Stillen verzichten zu müssen. Viel zu früh geborenen Kindern fehlt oft noch die Kraft zum Trinken. Aber alle Krankenhäuser  sorgen heute dafür, dass die Mütter ihre Milch für das Baby abpumpen können. Viele Frauen machen sich zudem Gedanken, ob ihre Brüste vielleicht zu klein oder ihre Brustwarzen ungeeignet sind fürs Stillen. Beides ist kein Hindernis.

Eine persönliche Entscheidung

Trotzdem gibt es auch Situationen, in denen das Stillen nicht möglich ist. Vielleicht ist das Baby krank oder die Frau hat sich dagegen entschieden oder kann es mit ihrem Alltag nicht vereinbaren. Familien sollten sich in diesem Fall nicht unter Stillzwang sehen und sich verunsichern lassen. Es ist und bleibt eine persönliche Entscheidung. Entweder kann die Mutter weiterhin die Möglichkeit nutzen, die Milch abzupumpen. Oder das Baby bekommt Ersatznahrung, die mit dem Fläschchen gefüttert werden kann. Oft ergreifen die Väter damit die Chance, sich noch intensiver ums Baby zu kümmern.

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