Patienten sollten sich Zeit für die Entscheidung nehmen

Individuelle Gesundheitsleistungen

26.05.15 (ams). Jeder dritte gesetzlich Versicherte hat im vergangenen Jahr mindestens ein Angebot für eine sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) erhalten. Die IGeL-Quote stieg von 29,9 Prozent im Jahr 2012 auf mittlerweile 33,3 Prozent. Im Jahr 2001 waren es noch 8,9 Prozent. Das zeigt die aktuelle Versichertenbefragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). "Wägen Sie bei den angebotenen Leistungen Nutzen, Risiko und Kosten ab", rät Klaus Zok, Autor des WIdOmonitors.

Etwa 20 Millionen gesetzlich Versicherte haben im vergangenen Jahr Erfahrung mit privaten Zusatzleistungen gemacht. Die aktuelle Versichertenbefragung (WIdOmonitor) basiert auf einer bundesweit repräsentativen Erhebung unter gesetzlich Versicherten ab 18 Jahren, die in der Zeit vom 9. Januar bis 18. Februar 2015 telefonisch befragt wurden. "IGeL sind ärztliche Untersuchungs- oder Behandlungsmethoden und Serviceleistungen, die medizinisch nicht notwendig sind und deshalb nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören", erklärt der WIdO-Wissenschaftler Zok. "Die Patienten müssen sie daher selbst bezahlen." Wichtige Ergebnisse der Befragung: IGeL werden Frauen wesentlich häufiger angeboten als Männern. Die Initiative geht in der Mehrzahl der Fälle von den Ärzten aus (72,6 Prozent). Hauptzielgruppe für IGeL-Angebote sind einkommensstarke und gebildete Versicherte.

Zusätzliche Ultraschalluntersuchungen

Am häufigsten bieten niedergelassene Ärzte Ultraschalluntersuchungen (24,8 Prozent), im Wesentlichen zur Krebsfrüherkennung bei Frauen, und Leistungen zur Glaukom-Früherkennung (17,6 Prozent) an. Rund elf Prozent der Angebote entfallen auf Medikamente, Heil- und Hilfsmittel (11,4 Prozent) sowie Blutuntersuchungen und Laborleistungen (11,2 Prozent). In 8,2 Prozent der Fälle werden Frauen weitere ergänzende Krebsfrüherkennungen angeboten.

Spitzenreiter bei den IGeL sind Frauenärzte: Auf sie entfallen rund 30,1 Prozent der privatärztlichen Leistungen. Augenärzte haben einen Anteil von 20,5 Prozent, Praktische Ärzte und Allgemeinmedizin von 19,1 Prozent und Orthopäden von 10,9 Prozent. Danach folgen Hautärzte mit 5,7 Prozent und Urologen mit 4,6 Prozent. "Gemessen an der Größe der einzelnen Arztgruppen zeigt sich, dass Fachärzte deutlich häufiger private Zusatzleistungen anbieten als Praktische Ärzte und Allgemeinmediziner", resümiert Zok. Augenärzte bieten hochgerechnet im Durchschnitt pro Jahr mehr als sieben Mal so häufig IGeL an wie Allgemeinmediziner. Frauenärzte erreichen das Fünffache. Orthopäden, Hautärzte und Urologen liegen beim Drei- bis Vierfachen. Nicht immer halten sich Ärzte beim Umgang mit privaten Zusatzleistungen an rechtliche Vorgaben. Lediglich bei 44,5 Prozent der befragten IGeL-Patienten gab es vor der Behandlung eine schriftliche Vereinbarung zwischen Arzt und Patient, obwohl dies so vorgeschrieben ist. Mehr als jeder zehnte befragte Patient (11,8 Prozent) erhielt keine Rechnung über die erbrachte Leistung.

Tipps zum Umgang mit IGeL

"Private Zusatzleistungen sind nie dringend", betont WIdOmonitor-Autor Zok. Zum Umgang mit IGeL gibt er gesetzlich Versicherten folgende Tipps:

  • Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin ausführlich über den Nutzen und mögliche Risiken der angebotenen Leistung aufklären.
  • Nehmen Sie sich Zeit für die Entscheidung. Beratung und Behandlung sollten nicht am gleichen Tag stattfinden.
  • Informieren Sie sich umfassend. Sie können auch bei Ihrer AOK nachfragen.
  • Ihre Ärztin oder Ihr Arzt darf die Behandlung nur privat in Rechnung stellen, wenn er Sie vorher auf die Pflicht zur Kostenübernahme hingewiesen hat und Sie schriftlich zugestimmt haben. In dem Vertrag sollte jede einzelne Leistung und die voraussichtliche Honorarhöhe genannt werden. 
  • Nach der Behandlung sollten Sie eine Rechnung erhalten, in der die einzelnen Leistungen aufgelistet sind. Pauschale Honorare sind unzulässig, genauso wie Barzahlungen ohne Beleg.


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