Viel Flüssigkeit und eine Umstellung der Ernährung verringern das Risiko

Wenn sich im Nierenbecken Steine bilden

25.04.16 (ams). Manche haben die Größe eines Stecknadelkopfes, andere füllen das gesamte Nierenbecken aus: Nierensteine sind weit verbreitet. Etwa ein bis zwei Prozent der Menschen in Deutschland sind jedes Jahr davon betroffen, vor allem Männer. "Wer einmal einen Nierenstein hatte, muss damit rechnen, dass sich erneut Steine bilden. Daher ist Vorbeugung wichtig", sagt Dr. Julian Bleek, Facharzt für Innere Medizin im AOK-Bundesverband.

Nierensteine sind Ablagerungen, die sich im Nierenbecken bilden. Sie entstehen durch eine erhöhte Konzentration von Salzen im Urin. Kann der Urin die Salze nicht mehr lösen, bilden sich Kristalle. In der Folge lagern sich immer neue Schichten an die Kristalle an, so dass mit der Zeit Steine entstehen. Etwa 80 Prozent der Steine bestehen aus Kalziumsalzen. Fünf bis zehn Prozent bilden sich aus Harnsäure und rund zehn Prozent aus dem Mineral Struvit, das vor allem Magnesium und Phosphat enthält.

Zu den Risikofaktoren für die Entstehung von Nierensteinen zählen unter anderem:

  • Flüssigkeitsmangel
  • eine salzreiche Ernährung
  • anatomische Besonderheiten der Niere
  • familiäre Veranlagung
  • Erkrankungen der Nebenschilddrüse, die zu einer höheren Ausscheidung von Kalzium über den Urin führen
  • Harnsäuresteine werden durch bestimmte Erkrankungen begünstigt. Dazu gehören Gicht, Diabetes und chronischer Durchfall.

Sendefähige Radio-O-Töne mit Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband:

1. Auswirkungen von Nierensteinen

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2. Mögliche Ursachen und Risikofaktoren

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Kleine Steine bleiben oft unbemerkt

Kleine Steine spüren die Betroffenen meist nicht; der Körper scheidet sie mit dem Urin wieder aus. Größere Steine verursachen hingegen oft heftige Schmerzen. Wandert ein größerer Stein durch eine Engstelle im Harnleiter, kann es zu einer Nierenkolik kommen.

Typisch dafür sind plötzlich einsetzende, krampfartige Schmerzen in der Seite, die in den Unterbauch und die Geschlechtsorgane ausstrahlen können. Manchmal leiden die Patienten zusätzlich unter Übelkeit und Erbrechen. Typischerweise sind die Betroffenen unruhig und versuchen eine Position zu finden, in der die Schmerzen nachlassen. Bei einer Nierenkolik ist eine schnelle Behandlung nötig. Unbehandelt können Nierensteine die Harnleiter verengen oder verstopfen. Wenn sich Harn staut, besteht das Risiko von Infektionen. Nieren und Harnwege können geschädigt werden.

Bei einem Verdacht auf Nierensteine sollten Patienten einen Arzt aufsuchen. Oft lassen sich die Steine mit einer Ultraschalluntersuchung aufspüren. In manchen Fällen ist auch eine Computertomographie erforderlich. So kann der Arzt feststellen, wie viele Nierensteine sich gebildet haben, wie groß sie sind und wo sie liegen. Urin- und Blutuntersuchungen sind ebenfalls sinnvoll, um Ursachen für die Entstehung der Steine zu erkennen.

Bei kleinen Nierensteinen ist meist keine Behandlung notwendig; der Körper scheidet sie oft nach ein bis zwei Wochen von selbst aus. Schmerzen lassen sich mit Schmerzmitteln lindern. Wohltuend können auch eine Wärmflasche oder feucht-warme Umschläge sein. Patienten sollten sich bewegen und viel trinken.

Größere Steine werden zertrümmert oder entfernt

Zertrümmert oder entfernt werden müssen in der Regel Steine, die mehr als zehn Millimeter groß sind und nicht innerhalb von vier Wochen ausgeschieden werden. Das ist auch sinnvoll, wenn starke Koliken auftreten oder wenn es zu Komplikationen kommt.

Je nach Art, Lage und Größe werden die Steine mit Schallwellen zertrümmert, endoskopisch entfernt oder operiert. Bei der extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL) zertrümmert der Arzt den Nierenstein von außen durch Stoßwellen in kleine Teile, die der Körper mit dem Urin ausscheidet. Ob die Behandlung erfolgreich war, wird mit einer Ultraschalluntersuchung oder einer Röntgenaufnahme überprüft. Bei der endoskopischen Behandlung führt der Arzt feine Instrumente mithilfe eines Endoskops über die Harnröhre und Blase hoch in den Harnleiter bis zum Stein. Dort zerkleinert er den Stein so, dass die Trümmer ausgeschieden oder entfernt werden können. Eine offene Operation ist mittlerweile nur selten notwendig.

Etwas gegen die Ursachen tun

Bei etwa 30 bis 50 Prozent der Menschen, die wegen eines Nieren- oder Harnleitersteins behandelt wurden, entwickeln sich innerhalb von fünf Jahren erneut Ablagerungen. Daher ist es wichtig, etwas gegen die zugrunde liegenden Ursachen zu tun. Wer folgende Tipps beherzigt, kann das Risiko für die Entstehung von Nierensteinen senken:

  • Trinken Sie viel. Mindestens zweieinhalb Liter am Tag sollten es sein, bei Hitze oder nach dem Sport auch deutlich mehr.
  • Meiden Sie Softdrinks wie Cola. Diese enthalten Stoffe, die die Entstehung von Nierensteinen begünstigen können.
  • Konsumieren Sie tierisches Eiweiß nur in Maßen, zum Beispiel Milchprodukte wie Käse oder Butter.
  • Verwenden Sie Salz sparsam.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen und ballaststoffreich.
  • Wichtig ist es, die chemische Zusammensetzung der Steine zu kennen. Anschließend kann eine umfassende Ernährungsumstellung der Bildung weiterer Steine vorbeugen.
  • Bei Harnsäuresteinen wird zum Beispiel eine purinarme Ernährung mit wenig Fisch, Fleisch und Meeresfrüchten empfohlen.
  • Bei einem hohen Risiko für weitere Nierensteine kann die Einnahme von Medikamenten sinnvoll sein.



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