Spiel, Spaß und Sicherheit im Wasser: So lernen Kinder schwimmen

Früh übt sich

24.05.16 (ams). Schwimmen macht fit und schont gleichzeitig die Gelenke. Das Wasser trägt den ganzen Körper und gibt uns das Gefühl zu schweben. Bei kaum einer anderen Sportart werden so viele Muskelgruppen beansprucht wie beim Schwimmen. Das kräftigt den Körper gleichmäßig; wichtige motorische und koordinative Fähigkeiten werden trainiert. Schon kleine Kinder lieben es, im Wasser zu plantschen. Damit sie dies auch sicher tun können, sollten sie schwimmen lernen. Doch Daten aus der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 1) des Robert Koch-Instituts belegen, dass jedes siebte Kind im Alter von sieben bis zehn Jahren nicht schwimmen kann. Am besten sollten Kinder zwischen dem vierten und fünften Geburtstag mit dem Schwimmen beginnen. "Daher ist es ratsam, dass Eltern ihren Kindern möglichst frühzeitig die Möglichkeit anbieten, dass sie sich ans Wasser gewöhnen können", sagt Sabine Nikolai, Sportwissenschaftlerin bei der AOK. Als Hilfsmittel könnten Schwimmnudeln verwendet werden. Sie vermitteln ein gewisses Sicherheitsgefühl und schränken die Bewegungsfreiheit nicht ein. "Schwimmflügel eignen sich dagegen weniger zum Schwimmenlernen, denn die Kinder haben keine optimale Wasserlage und können so ihre Arme und Beine nicht richtig bewegen", so die Sportwissenschaftlerin. Als ersten Erfolg für Mut und Ausdauer können sich Kinder an das auf das Schwimmen vorbereitende Abzeichen "Seepferdchen" wagen. Vor der Verleihung dieses Abzeichens steht ein Sprung ins Wasser vom Beckenrand und 25 Meter schwimmen sowie das Heraufholen eines Gegenstandes mit den Händen aus schultertiefem Wasser. Laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) erwerben das Seepferdchen-Abzeichen jährlich fast 50.000 Kinder. Wichtig ist es, dass die Eltern keinen Leistungsdruck aufbauen, denn jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo. Auch wenn Kinder das "Seepferdchen" geschafft haben, sollten sie nicht unbeaufsichtigt schwimmen gehen. Diese Kinder sind noch keine geübten Schwimmer und können ihre Kraft noch nicht richtig einschätzen. Erst mit dem "Jugendschwimmabzeichen Bronze" bewegen sich Mädchen und Jungen sicherer im Wasser: Dieses Bronze-Schwimmabzeichen beinhaltet neben einem Sprung vom Beckenrand mindestens 200 Meter schwimmen in einer Zeit von höchstens 15 Minuten, Herausholen eines Gegenstandes aus circa zwei Meter tiefem Wasser, den Sprung aus einem Meter Höhe sowie die Kenntnis der Baderegeln. Nach der Empfehlung der AOK-Sportwissenschaftlerin sollten Eltern ihre Kinder möglichst nicht selbst im Schwimmen unterrichten, sonst könnten sich Fehler in der Schwimmtechnik einschleichen, die später nur schwer zu korrigieren sind.

Es gibt viele Organisationen und Vereine, die gut ausgebildete Schwimmlehrerinnen und Schwimmlehrer haben. Dort können die Kinder am besten die richtige Schwimmtechnik erlernen. Zwar starten viele Kurse nach wie vor mit Brustschwimmen, doch die Zahl der Trainer, die zunächst Rückenschwimmen oder Kraulstil vermitteln, steigt. Nikolai: "Beide Techniken sind einfach zu lernen und bringen Kinder automatisch in eine gesunde und gute Schwimmlage." Ein guter Schwimmkurs für Kinder hat nicht nur zehn bis zwölf Einheiten, so schnell lernen nämlich die wenigsten Anfänger schwimmen. Ein Vierjähriger benötigt etwa ein Jahr, je nachdem wie wassergewöhnt er ist, bevor er sicher schwimmen kann. Vorzugsweise ist ein Sportlehrer als feste Bezugsperson durchgehend eingesetzt. Gut ist zudem, wenn die Eltern ihren Kindern die Sicherheit geben, dass sie in der Nähe sind, aber nicht direkt am Beckenrand sitzen. Aus pädagogischer Sicht sei es sinnvoller, den Fachkräften das Training zu überlassen und dann das Erlernte in einem gemeinsamen Schwimmbadbesuch zu verfestigen. Nikolai empfiehlt, dass "Kinder möglichst vor dem Eintritt in die Schule schwimmen lernen". In Deutschland beginnt der Schwimmunterricht in den meisten Schulen erst in der dritten Klasse. Das kann zu Badeunfällen mit dramatischen Auswirkungen führen. Je früher Kinder schwimmen lernen, desto früher sind sie nämlich auch vor der Gefahr des Ertrinkens geschützt.

Checkliste für die Wahl des Schwimmkurses

  • Wird der Kurs durchgehend von einer qualifizierten Person geleitet?
  • Ist die Gruppe klein genug, damit alle individuell betreut werden?
  • Schaffen Lob und Ermutigung ein positives Lernumfeld für die Kinder?
  • Verfolgt der Kurs den Erwerb des Frühschwimmerabzeichens, des sogenannten Seepferdchens, auch ohne Leistungsdruck?
  • Lernen die Kinder nicht nur schwimmen, sondern auch die Baderegeln? Sie sollten zum Beispiel wissen, dass man nur ins Wasser springt, wenn es tief genug ist, oder dass man bei Gewitter das Wasser verlässt.

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