AOK-Umfrage: Zeitmangel belastet Eltern sehr

ams-Serie: Gesund und aktiv (8)

24.08.15 (ams). Was belastet junge Eltern heute besonders und wie verschaffen sie sich die nötige Entlastung? Das wollte der AOK-Bundesverband wissen und hat dazu bundesweit eine repräsentative Erhebung durchführen lassen. Ergebnis: Knapp die Hälfte (47 Prozent) der 1.000 Befragten gab an, dass es ihnen im Alltag schlichtweg an Zeit mangele.

"Zeitstress ist mit Abstand die größte Belastung für Eltern", sagt Dr. Sarah Pomp, Gesundheitspsychologin im AOK-Bundesverband. "Die neuen Zahlen bestätigen noch einmal das Hauptergebnis der AOK-Familienstudie 2014. Der Zeitstress liegt diesmal sogar um einen Prozentpunkt höher als vor zwei Jahren." Belastungsfaktoren wie Finanzknappheit oder psychische Anstrengungen rangieren mit jeweils 28 Prozent weit dahinter. Pomp: "Besonders stark ist die Belastung bei den Alleinerziehenden. Wer überwiegend alleinverantwortlich für einen Familienhaushalt ist, hat eindeutig die größeren zeitlichen, finanziellen und psychischen Belastungen als Eltern in Paarhaushalten.“

Entlastung durch Sport und Hobbys

Foto: Joggen

Doch die Umfrage zeigt auch, wie unterschiedlich Eltern mit den Stressfaktoren umgehen, welche Möglichkeiten sie nutzen, um die Belastung zu bewältigen. Durchschnittlich könnten die Befragten drei Strategien nennen: 41 Prozent gaben Sport als wichtigsten Ausgleich an, ebenfalls 41 Prozent der Befragten gehen Hobbys nach wie Lesen oder Freunde treffen. Nur 18 Prozent setzen auf bewusste Auszeiten für sich selbst, nur jeder Zehnte greift auf Kurzurlaube zurück. Entspannungsübungen wie Yoga und autogenes Training machen gerade einmal fünf Prozent der befragten Mütter und Väter. Auffallend sei auch, so Pomp weiter, dass „Ansätzen der strukturellen Stressbewältigung, etwa einer verbesserten Organisation des Haushalts oder der Hilfe durch Familienmitglieder, nur ein geringer Stellenwert eingeräumt wird.“ So erbitten nur sieben Prozent die Hilfe von Familienmitgliedern.

Ein weiteres, wichtiges Ergebnis der Umfrage: Der größte Anteil von Müttern und Vätern ist heute erwerbstätig, und alle beruflich aktiven Eltern (ob Paarfamilien oder Alleinerziehende) betrachten die Erwerbstätigkeit als einen wichtigen Bestandteil ihres Lebens, obwohl sie starke zeitliche Belastungen bringt. "Es zeigt sich also", so Pomp, "wie positiv Eltern ihrer Berufstätigkeit trotz hoher Belastungen gegenüberstehen." Dass eine ständige und starke zeitliche Belastung der Eltern gesundheitliche Probleme für deren Kinder mit sich bringen kann, belegen bereits Zahlen der AOK-Familienstudie 2014. Verbesserte Angebote zur Kinderbetreuung und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf könnten Eltern deutlich entlasten und ihre Ressourcen stärken.


Zum ams-Ratgeber 08/16