Richtig und gesund verhüten: Nutzen und Risiken der Pille

Neue AOK-Faktenbox

26.10.16 (ams). Wie sicher ist die Pille als Verhütungsmittel? Welche gesundheitlichen Risiken bestehen vor allem für junge Frauen bei der Einnahme von kombinierten hormonalen Verhütungsmitteln? Auf diese und weitere Fragen gibt eine neue AOK-Faktenbox Antworten. Frauen, die zur Empfängnisverhütung die Pille einnehmen, gehen in manchen Fällen ein Gesundheitsrisiko ein. Je nach enthaltenem Wirkstoff kann die Gefahr für potenziell lebensbedrohliche Thrombosen deutlich erhöht sein.
Bei einer Thrombose bildet sich in einem Blutgefäß ein Blutgerinnsel (Thrombus) - meist in tiefen Bein- oder Beckenvenen. Dieses Blutgerinnsel verengt oder verstopft das Gefäß, was zu schweren Folgeschäden führen kann. Es können sich zum Beispiel Teile des Blutgerinnsels lösen, in die Lunge gelangen und eine Lungenembolie verursachen. Über diesen möglichen Schaden, aber auch über den Nutzen kombinierter hormonaler Verhütungsmittel informiert eine neue Faktenbox. Sie ist in Zusammenarbeit mit dem Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung entwickelt worden. "Es geht uns darum, dass Frauen über die möglichen Risiken Bescheid wissen und eine informierte Entscheidung treffen können", erklärt Professor Gerd Gigerenzer, Leiter des Harding-Zentrums. Im ersten Teil der Faktenbox wird daher zunächst der Nutzen der Pille dargestellt: Im Vergleich etwa mit der Anwendung von Kondomen führt sie zu einer relativ sicheren Schwangerschaftsverhütung. Dies gilt für neuere, aber auch für ältere Varianten der Pille, die oft auch als "Pille der ersten und zweiten Generation" bezeichnet werden. Im zweiten Teil der Box werden dann aber Unterschiede deutlich: Die Einnahme von Präparaten mit den Gestagen-Varianten Drospirenon, Gestoden oder Desogestrel geht mit einem höheren Risiko für Blutgerinnsel in den Venen einher als die Einnahme von Pillen mit älteren, bewährten Gestagenen. "Es ist deshalb wichtig, in der Packungsbeilage der Pille zu prüfen, welches Gestagen enthalten ist", sagt Dr. med. Kai Kolpatzik, Leiter der Abteilung Prävention im AOK-Bundesverband. Auch Frauenärzte sollten auf das Thromboserisiko achten, wenn sie hormonale Verhütungsmittel verschreiben - besonders bei der Erstverordnung für junge Frauen sollten bewährte Präparate verordnet werden, deren Risiko geringer ist.
Bereits 2015 hatte eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) ergeben, dass etwa zwei Drittel der unter 20-jährigen weiblichen AOK-Versicherten, die die Antibabypille verschrieben bekommen, einem erhöhten Thrombose-Risiko ausgesetzt sind. Sie erhalten nämlich die neueren Pillen mit den problematischen Gestagen-Varianten, obwohl es sichere Alternativen gibt.

Alle Faktenboxen der AOK stehen zum Download bereit.


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