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Beim Umgang mit elektrischen Geräten auf Nummer sicher gehen

Herzschrittmacher

22.02.17 (ams). Technische Geräte wie das Handy, der Herd oder die Waschmaschine können elektromagnetische Wellen aussenden, die die Funktion eines Herzschrittmachers beeinträchtigen können. "Aus diesem Grund sollten Herzschrittmacher-Patienten beim Umgang mit elektrischen Geräten einiges beachten", sagt Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband. Der AOK-Medienservice erläutert, worauf Patienten achten sollten.

Laut Deutschem Herzbericht 2015 wurden im Jahr 2014 in Deutschland mehr als 76.000 Herzschrittmacher neu eingepflanzt, meist unter örtlicher Betäubung. Sie sorgen mit kleinen elektrischen Impulsen dafür, dass das Herz schnell genug schlägt. Dadurch lassen sich zu langsamer Herzschlag und damit verbundene Beschwerden wie Ohnmachtsanfälle und Schwindelattacken behandeln. Ein Herzschrittmacher besteht aus einem Aggregat mit einer Batterie sowie einer oder zwei Leitungen (Sonden), die die elektrischen Impulse vom Aggregat zum Herzen leiten. Moderne Geräte lassen dem natürlichen Herzschlag den Vortritt, außerdem kann der Arzt ihre Einstellung von außen verändern.


Sendefähiger Radio-O-Ton mit Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband

Herzschrittmacher werden regelmäßig kontrolliert

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Vor Verwendung Gebrauchsanweisung lesen

Störungen von außen, etwa starke elektrische Impulse oder Magnetfelder, können bewirken, dass Herzschrittmacher ihre Tätigkeit vorübergehend einstellen. Patienten mit sehr langsamem Herzschlag kann dann schwindelig werden; Stürze und Unfälle können die Folge sein. "Vor der Verwendung eines neuen elektrischen Gerätes sollten Schrittmacher-Patienten daher prüfen, ob in der Gebrauchsanweisung Warnhinweise enthalten sind, und in Zweifelsfällen mit ihrem Arzt sprechen", rät Bleek. Bei bestimmten ärztlichen Untersuchungen ist ebenfalls Vorsicht angesagt. Experten empfehlen folgende Sicherheitsmaßnahmen:

  • Ärztliche Behandlung: Untersuchungen per Magnetresonanztomografie (MRT), auch Kernspintomografie genannt, sind nur mit speziellen Methoden oder besonderen Herzschrittmachern möglich. Diagnostisches Röntgen und Computertomografie sind bei modernen Geräten in der Regel unbedenklich. Sinnvoll ist, vor jeder Untersuchung oder Behandlung den Schrittmacher-Ausweis vorzulegen.
  • Mobiltelefone: Patienten sollten einen Mindestabstand von 15 bis 20 Zentimetern zwischen dem eingeschalteten Handy und dem Herzschrittmacher einhalten. Am besten halten sie das Mobiltelefon an das Ohr, das  dem Schrittmacher-Aggregat gegenüberliegt. Das eingeschaltete Handy sollten sie nicht in der Hemden- oder Jackentasche tragen, die sich in der Nähe des Schrittmachers befindet.
  • Elektrische Geräte im Badezimmer wie elektrische Zahnbürsten, Rasierapparate, Lockenstäbe und der Haarföhn stellen kein Risiko dar.
  • Küchen- und Haushaltsgeräte: Patienten sollten auf einen Mindestabstand von 15 bis 30 Zentimetern achten. Das gilt beispielsweise für den Herd, den Toaster, die Wasch- und Spülmaschine, den Trockner und elektrische Dosenöffner. Bei Induktionsherden sollten Patienten in der Bedienungsanleitung nachlesen, ob der Hersteller zusätzliche Hinweise für Schrittmacher-Patienten hat und ob sie den Herd überhaupt benutzen können.
  • Elektrische Werkzeuge: Ein Mindestabstand von 30 Zentimetern zum Schrittmacher-Aggregat ist wichtig. Das gilt für Bohrmaschinen, elektrische Laub- und Kettensägen, Akkuschrauber und andere akkubetriebene Werkzeuge. Vor allem beim Einsatz von elektrischen Rasenmähern und Heckenscheren ist die Einhaltung des Mindestabstands notwendig, da deren Motoren oft nicht ausreichend abgeschirmt sind.
  • Industrieanlagen: Besondere Vorsicht ist angesagt, wenn sich Schrittmacher-Träger beruflich in der Nähe von Transformatoren, Hochspannungsbetriebsanlagen, Induktionsöfen, Elektrolyseanlagen, bestimmten Schweißvorrichtungen oder Anlagen mit Permanentmagneten aufhalten müssen. In diesem Fall sollten sie mit ihrem Kardiologen sprechen. Dieser kann eine Arbeitsplatzbegehung veranlassen, um eine Gefährdung möglichst genau einzuschätzen.
  • Sicherheitskontrolle am Flughafen: Da das Schrittmacheraggregat einen Alarm auslösen kann, sollten Patienten sich melden und den Schrittmacher-Ausweis vorlegen. In der Regel werden sie dann am Metalldetektor vorbeigeführt. Doch auch bei der per Hand ausgeführten Kontrolle darf der Metalldetektor nicht schnell hintereinander über das Aggregat geführt werden, da dies seine Funktion vorübergehend beeinträchtigen kann.

Patienten können Sport treiben

Auch Schrittmacher-Träger können Sport treiben. Kampfsportarten wie Karate oder Boxen sind allerdings nicht zu empfehlen, denn harte Stöße oder Schläge im Oberkörperbereich können dazu führen, dass die Sonden des Schrittmachers brechen. "Gut geeignet sind Ausdauersportarten wie Joggen, Nordic Walking, Radfahren oder Skilanglauf", sagt AOK-Arzt Bleek. Ballsportarten wie Tennis, Fußball oder Basketball sind kein Problem, solange auf übermäßig harte Gegner- oder Ballkontakte verzichtet wird. Wer den Tauchsport liebt, sollte nicht mehr als fünf Meter in die Tiefe tauchen. Generell sollten Patienten vorab mit ihrem Arzt besprechen, wie stark sie sich beim Sport belasten können.

Schrittmacher gibt den Takt vor

Das Herz ist ein Hohlmuskel, der sich rhythmisch zusammenzieht und wieder erschlafft und auf diese Weise etwa fünf Liter Blut pro Minute durch die Blutgefäße pumpt. Normalerweise bewirkt eine elektrische Stimulation der Muskelzellen das Zusammenziehen des Herzmuskels. Verantwortlich dafür ist das Reizleitungssystem des Herzens. Ist es gestört, setzen Ärzte einen Herzschrittmacher ein, der bei solchen Störungen die elektrische Erregung des Herzens übernehmen soll. Ein solches Gerät kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn Herzrhythmusstörungen wie ein zu langsamer Herzschlag oder Herzpausen zu Ohnmachtsanfällen oder Schwindel führen.

Weitere Informationen gibt es auf den Seiten der Deutschen Herzstiftung.


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