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Schwere Herzfehler bei Neugeborenen frühzeitig erkennen

Neue Untersuchung

22.03.17 (ams). Die Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern sind um das sogenannte Pulsoxymetrie-Screening ergänzt worden. "Damit können Ärzte schwere Herzfehler bei Neugeborenen frühzeitig entdecken und behandeln", erläutert Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband.

In Deutschland wird laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) etwa eins von hundert Kindern mit einem Herzfehler geboren, davon hat ungefähr jedes zehnte einen sogenannten kritischen angeborenen Herzfehler. Dabei können Fehlbildungen am Herzen und seinen Gefäßen den Blutkreislauf so stark behindern, dass die Kinder ohne Behandlung kaum eine Überlebenschance haben.

Den betroffenen Neugeborenen kann nun besser geholfen werden. Denn je früher schwere Herzfehler behandelt werden, desto höher sind die Chancen für das Kind, sich normal zu entwickeln. Mit dem Pulsoxymetrie-Screening werden IQWiG-Analysen zufolge bei drei von 10.000 untersuchten Neugeborenen kritische angeborene Herzfehler erkannt, die vorher bei Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft oder bei klinischen Untersuchungen im Rahmen der U1 und U2 nicht aufgefallen sind. Für die Untersuchung muss kein Blut abgenommen werden. Sie ist schmerzfrei und dauert nur wenige Sekunden.

Sauerstoffgehalt im Blut wird gemessen

Bei der Pulsoxymetrie wird ein Lichtsensor am Fuß des Neugeborenen angelegt und damit gemessen, wie viel Sauerstoff das Blut enthält. Zu wenig Sauerstoff im Blut kann auf einen schweren Herzfehler hinweisen. In diesem Fall wird der Sauerstoffgehalt erneut gemessen. Bestätigt sich das Ergebnis, veranlasst der behandelnde Arzt weitere Untersuchungen und leitet bei Bedarf eine Therapie ein. Ein niedriger Sauerstoffgehalt im Blut eines Säuglings kann allerdings auch andere Ursachen haben, zum Beispiel eine Infektion oder eine Lungenerkrankung.


Sendefähiger Radio-O-Ton mit Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband

Verlässlichkeit der Untersuchung

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Untersuchung ist freiwillig

Die Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind untersuchen lassen. Zuvor klären die verantwortlichen Ärzte über das kostenfreie Screening auf. Das Baby sollte möglichst 24 bis 48 Stunden nach der Geburt in der Klinik untersucht werden. In Ausnahmefällen kann die Pulsoxymetrie vorgezogen und frühestens vier Stunden nach der Geburt vorgenommen werden. Kommt das Kind zu Hause zur Welt, können Eltern die Pulsoxymetrie-Untersuchung spätestens während der U2, also zwischen dem dritten und zehnten Lebenstag des Kindes, machen lassen. Die Ergebnisse der Untersuchung werden im sogenannten Gelben Heft festgehalten.


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