Nicht nur die Lunge ist betroffen

Infektionskrankheit Tuberkulose

22.03.17 (ams). Starker Husten, blutiger Auswurf und eine deutliche Gewichtsabnahme - das ist die Vorstellung, die viele Menschen von Tuberkulose (TBC) haben.  Die bakterielle Infektionskrankheit TBC betrifft zwar in den meisten Fällen die Lunge, aber nicht nur: "Kapseln sich die Erreger in der Lunge  ab, können sich die Bakterien anschließend oder auch Jahre später noch ausbreiten und auch alle anderen Organe im Körper befallen", sagt Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband.

"Die Motten haben“

Die Tuberkulose (kurz TBC oder TB, von lateinisch tuberculum "kleiner Knoten", "kleiner Höcker") ist eine meldepflichtige Infektionskrankheit, die durch die Tuberkulose-Bakterien Mycobacterium tuberculosis ausgelöst wird. Früher war die Erkrankung auch als Morbus Koch bekannt, benannt nach dem Entdecker des Tuberkel-Bakteriums Robert Koch. Ein anderer, kaum mehr gebräuchlicher Begriff ist "Schwindsucht", da die Erkrankung zu starkem Gewichtsverlust führen kann. Im Volksmund wurde auch von der "weißen Pest" gesprochen oder davon, "die Motten" zu haben. Grund dafür war, dass die Lunge im fortgeschrittenen Stadium ein Mottenfraß ähnliches Muster aufweist.

TBC gehört international - neben Malaria und Aids - zu den am häufigsten vorkommenden Infektionskrankheiten. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sind im Jahr 2015 weltweit 10,4 Millionen Menschen an Tuberkulose erkrankt, 1,8 Millionen daran gestorben. Das Risiko einer Tuberkuloseerkrankung steigt, je schlechter die Ernährung und die hygienischen Verhältnisse sind. Das gilt besonders für Menschen aus armen Ländern oder Gegenden in Notsituationen. Der beste Schutz vor einer TBC besteht also in ausreichender Ernährung, guten hygienischen Bedingungen und nicht beengten Wohnverhältnissen. In den Industriestaaten haben sich die Lebensumstände zumeist soweit verbessert, dass das Risiko einer Tuberkuloseerkrankung geringer ist. Dennoch sind laut Robert Koch-Institut auch in Deutschland in der jüngeren Vergangenheit die Fallzahlen gestiegen. Dies liegt unter anderem an der zunehmenden, weltweiten Mobilität der Menschen. Verursacht wird TBC durch Tuberkel-Bakterien. Unterschieden wird dabei zwischen einer "offenen" und einer "geschlossenen" Tuberkulose. Die "geschlossene" Erkrankungsform ist nicht ansteckend, während bei der "offenen" die stäbchenförmigen Krankheitserreger durch eine Tröpfcheninfektion übertragen werden - also beispielsweise durch Husten oder Niesen.


Sendefähiger Radio-O-Ton mit Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband

Was ist TBC?

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Die Inkubationszeit liegt bei der sogenannten Primärtuberkulose, bei der sich direkt aus der ersten Infektion eine Tuberkulose entwickelt, in der Regel bei sechs bis acht Wochen. "Allerdings muss nicht jede Infektion auch zu einer Erkrankung führen. Nur in ungefähr fünf bis zehn Prozent der Fälle treten Symptome auf", so Ebel. Oft schaffen es die körpereigenen Abwehrkräfte, die Bakterien unschädlich zu machen.

Allerdings können sie auch noch lange im Körper überleben und zu einer sogenannten postprimären Tuberkulose führen. Dazu kapseln sich die Erreger in der Lunge ab. Von dort können sie gleich nach der Infektion oder Jahre später, wenn das Immunsystem geschwächt ist, über die Blutbahn zu allen anderen Organen im Körper gelangen und sie schädigen. Das kann beispielsweise die Verdauungsorgane, Hirnhaut, Nieren, aber auch das Skelettsystem betreffen. Bricht die Erkrankung hier aus, spricht man ebenfalls von einer offenen Tuberkulose und die Tuberkel-Bakterien können über Urin, Stuhl oder Erbrochenes ausgeschieden werden. Da die Symptome zunächst eher unspezifisch sind, ist oft schwer einzuschätzen, ob es sich um eine Tuberkulose handelt. Anfangs ist zumeist die Lunge betroffen. Zu den Anzeichen gehören chronischer Husten, Nachtschweiß, Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust, leichtes Fieber und plötzlicher Leistungsabfall. Zum Arzt gehen sollte man, wenn die Symptome über einen längeren Zeitraum bestehen und mit einem produktiven Husten mit grün-gelblichem Schleimauswurf einhergehen, der schon zwei bis drei Wochen andauert. "Sind Blutbeimischungen im Auswurf zu sehen, müssen Betroffene sofort einen Arzt aufsuchen. Dabei handelt es sich um die offene Tuberkulose, die hochansteckend ist", erklärt Arzt Ebel. Für die Patienten wird dann in dieser Zeit einer akuten Ansteckungsgefahr fast immer ein Aufenthalt im Krankenhaus nötig, um sie zu isolieren. Besonders gefährdet, an Tuberkulose zu erkranken, sind Menschen, die direkten Kontakt mit Patienten mit einer offenen Tuberkulose haben. Außerdem ist das Risiko einer Infektion und Erkrankung für Menschen mit einer Abwehrschwäche erhöht, beispielsweise für Menschen mit einer HIV-Infektion sowie chronisch Kranke oder Alkoholkranke, aber auch für Drogenabhängige und Obdachlose, die mangelernährt sind und unter schlechten hygienischen Bedingungen leben. Zur Therapie der Erkrankung wird eine Kombination unterschiedlicher Antibiotika eingesetzt. Dafür brauchen die Betroffenen viel Geduld, denn die Behandlung dauert mindestens sechs Monate, manchmal sogar bis zu zwei Jahre. In dieser Zeit müssen die Medikamente konsequent eingenommen werden, um zu verhindern, dass die Bakterien sich auf den Wirkstoff einstellen und sich Resistenzen entwickeln. Die Tuberkel-Bakterien würden dann nämlich nicht mehr auf die Medikamente reagieren und könnten so nicht mehr wirksam bekämpft werden. 


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