Vor allem im Osten nehmen Eltern Kinderkrankengeld in Anspruch

Wissenschaftliches Institut der AOK

26.04.17 (ams). Immer mehr berufstätige Eltern nutzen die Möglichkeit, während der Pflege ihres kranken Kindes finanzielle Unterstützung von ihrer Krankenkasse zu erhalten. Der Anteil der AOK-Mitglieder mit Kinderkrankengeld ist in den vergangenen fünf Jahren um 47 Prozent gestiegen. Besonders oft wird Kinderkrankengeld im Osten Deutschlands beansprucht. Diese Zahlen stellte jetzt das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) vor. "Mütter in Ostdeutschland kehren nach der Geburt ihrer Kinder früher in den Beruf zurück als in Westdeutschland und sind insgesamt häufiger in Vollzeit erwerbstätig. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, Kinderkrankengeld in Anspruch nehmen zu müssen", sagt Helmut Schröder, stellvertretender WIdO-Geschäftsführer. „Auch die jahrzehntelange Tradition der Müttererwerbstätigkeit in Ostdeutschland dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen.“ An der Spitze des Rankings der 50 einwohnerstärksten Städte Deutschlands, in denen am meisten Kinderkrankengeld in Anspruch genommen wird, stehen acht ostdeutsche Städte: Dresden, Chemnitz, Leipzig, Erfurt, Rostock, Halle, Magdeburg und Potsdam. Erst auf Platz neun folgt das niedersächsische Braunschweig. Auf Platz zehn liegt die Hauptstadt Berlin. In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden haben im Jahr 2016 10,2 Prozent der AOK-Mitglieder Kinderkrankengeld erhalten. Damit führt Dresden die Tabelle an. Den letzten Tabellenplatz hat hierbei Gelsenkirchen mit einem Anteil von einem Prozent, davor liegen Duisburg (1,1 Prozent) und Saarbrücken (1,2 Prozent). Allein acht der zehn Großstädte mit der geringsten Inanspruchnahme von Kinderpflegekrankengeld liegen in Nordrhein-Westfalen.

Von den 12,5 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitgliedern haben nach Berechnungen des WIdO 2016 mehr als 340.000 mindestens einmal Kinderkrankengeld in Anspruch genommen. Nach wie vor sind es zwar vor allem die Mütter, die ihr krankes Kind pflegen. Doch steigt der Anteil der Väter leicht, die zur Betreuung kranker Kinder zu Hause bleiben und die finanzielle Unterstützung in Anspruch nehmen: 2012 waren es 25 Prozent, im Jahr 2016 dann 29 Prozent. Kinderkrankengeldfälle zeichnen sich laut WIdO durch kurze Fehlzeiten aus: Eltern sind durchschnittlich 2,3 Tage je Krankheitsfall abwesend. In knapp 82 Prozent der Fälle werden drei Tage nicht überschritten. Im Vergleich dazu dauert die krankheitsbedingte Fehlzeit eines erwerbstätigen AOK-Mitgliedes im Durchschnitt 11,7 Tage je Fall. Kinderkrankengeld bietet gerade bei den klassischen Kinderkrankheiten eine sinnvolle Unterstützung für berufstätige Eltern und kann helfen, psychische Belastungen zu begrenzen. Offensichtlich beeinflusst aber auch der Ausbildungsabschluss die Inanspruchnahme von Kinderpflegekrankengeld. Nur 1,2 Prozent der AOK-Mitglieder ohne Ausbildungsabschluss haben das Angebot zuletzt in Anspruch genommen. Bei Mitgliedern mit akademischem Abschluss sind es 5,6 Prozent. Mit den Angaben zum Kinderkrankengeld hat das WIdO auch aktuelle Zahlen zum allgemeinen Krankenstand vorgelegt. Mit 5,3 Prozent hat er sich 2016 im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Damit fehlte 2016 im statistischen Mittel jeder Beschäftigte 19,4 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung am Arbeitsplatz. Besonders viele Fehltage verursachten erneut psychische Erkrankungen. Mit 25,7 Tagen fehlten psychisch Erkrankte mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,7 Tagen. Der Analyse liegen die Daten von 12,5 Millionen bei der AOK versicherten Arbeitnehmern zugrunde, die in mehr als 1,5 Millionen Betrieben beschäftigt waren.


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