Stark fehlsichtige Menschen erhalten mehr Unterstützung

Neue Leistung der Krankenkassen

26.04.17 (ams). Mehr Menschen, die stark fehlsichtig sind, profitieren jetzt von den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.  "Die Kassen beteiligen sich künftig auch an den Brillengläsern für Patienten, die bei mehr als sechs Dioptrien kurz- oder weitsichtig sind, sowie für Patienten mit einer Hornhautverkrümmung mit mehr als vier Dioptrien", erklärt Bernd Faehrmann, Leiter des Referats Heil- und Hilfsmittel im AOK-Bundesverband. So sieht es das neue Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG) vor. Von der Neuerung profitieren 1,4 Millionen Menschen in Deutschland, so die Angaben des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen. Bisher wurden die Kosten für Brillengläser und Kontaktlinsen nur für Kinder und Jugendliche übernommen. Für volljährige Versicherte war eine Kassenleistung nur möglich, wenn sie auf beiden Augen eine erhebliche Sehbeeinträchtigung hatten und mit einer Brille maximal 30 Prozent Sehvermögen erreicht haben. "Wie hoch die Beteiligung der Kasse an den Brillengläsern ist, hängt von dem Festbetrag ab, den der GKV-Spitzenverband festgelegt hat", erläutert der AOK-Experte Faehrmann. Derzeit (Stand: April 2017) liegen die Festbeträge etwa zwischen zehn und 120 Euro - sie richten sich nach der Dioptrienhöhe und der Art des Brillenglases, das benötigt wird.  Die Kosten für Kontaktlinsen erstatten die gesetzlichen Krankenkassen nur in medizinisch zwingend erforderlichen Ausnahmefällen.


Sendefähiger Radio-O-Ton mit Bernd Faehrmann, Leiter des Referats Heil- und Hilfsmittel im AOK-Bundesverband

Was sind Heil- und was sind Hilfsmittel?

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"Dioptrie" ist die Stärke, mit der ein Brillenglas das Licht bricht und so die Fehlsichtigkeit korrigiert. Damit ist "Dioptrie" die Maßeinheit, mit der bemessen wird, wie stark die Fehlsichtigkeit eines Auges ist. Damit sich die Krankenkasse an den Kosten beteiligt, sollten Patienten sich bei ihrem Augenarzt eine entsprechende Verordnung ausstellen lassen. Diese geben sie dem Augenoptiker, der sich um die Versorgung kümmert. Er berät den Versicherten, welche Brillengläser er ohne Zuzahlung in Anspruch nehmen kann, und rechnet die Versorgung mit der Krankenkasse ab.

Für medizinisch nicht notwendige Leistungen wie das Brillengestell oder die Veredelungen der Brillengläser - wie Entspiegelung oder Härtung - übernimmt die Kasse keine Kosten. Diese tragen die Patienten selbst. Mit dem Gesetz zur Hilfsmittelversorgung werden auch die Rechte der Patienten auf Beratung und Information verbessert. Künftig sollen die gesetzlichen Krankenkassen ihre Versicherten besser über Leistungsansprüche und Versorgungsmöglichkeiten informieren. "Auch die Anbieter müssen die Versicherten darüber beraten, welche Hilfsmittel und weiteren Leistungen individuell für sie geeignet und zuzahlungsfrei zu haben sind", erklärt Faehrmann. Die -Versicherten bestätigen die Beratung mit ihrer Unterschrift, denn Anbieter müssen dokumentieren, dass sie die gesetzlich festgelegte Beratungspflicht über die Versorgungsmöglichkeiten zum Nulltarif erfüllt haben. So sollen Versicherte davor geschützt werden, mögliche Mehrkosten zu tragen, die nicht nötig sind. Außerdem soll transparenter werden, wie verbreitet und wie hoch die Zuzahlungen sind. 

Unterschied: Heil- und Hilfsmittel

Heilmittel sind medizinische Behandlungen, die von den Ärzten verordnet werden müssen und von Therapeuten erbracht werden. Dazu gehören die Bereiche Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und medizinische Fußpflege (Podologie). Bei den Hilfsmitteln geht es um Produkte, die Erkrankte und Pflegebedürftige im Alltag unterstützen von Brillen über Prothesen, Rollstühle und Inkontinenzhilfen bis zu Sauerstoffkonzentratoren.


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