Wenn "die Tage" den Alltag belasten

Starke Regelblutung

24.05.17 (ams). Etwa neun bis 14 Prozent der Frauen in Deutschland leiden unter einer zu starken Regelblutung, schätzt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). "Davon spricht man, wenn Frauen während ihrer Periode insgesamt mehr als 80 Milliliter Blut verlieren", erläutert Dr. Astrid Maroß, Ärztin im AOK-Bundesverband. Normal ist ein Blutverlust von etwa 60 Millilitern.

Unterleibsschmerzen, Müdigkeit, Schwäche - "die Tage" können für Frauen sehr belastend sein. Eine zu starke oder verlängerte Regelblutung kann neben Unterleibsschmerzen auch Eisenmangel und sogar Blutarmut verursachen. Betroffene Frauen fühlen sich während und kurz nach der Periode schnell schwach, müde und antriebslos. Wenn sie Binden oder Tampons auch nachts wechseln müssen, ist zudem ihr Schlaf gestört. Insgesamt sind Betroffene weniger leistungsfähig als sonst.

Von einer zu starken Regelblutung (Hypermenorrhoe) spricht man, wenn Frauen ihre Binden oder Tampons regelmäßig bereits nach ein bis zwei Stunden wechseln müssen und ihr Menstruationsblut viele dicke Blutklumpen enthält. Bei einer verlängerten Blutung (Menorrhagie) dauert die Menstruation fünf bis sieben Tage.


Sendefähige Radio-O-Töne mit Dr. Astrid Maroß, Ärztin im AOK-Bundesverband

Folgen einer starken Regelblutung

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Ursachen und individuelle Belastung bestimmen eine mögliche Behandlung

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Behandlung hängt von der Ursache ab

Ursache für eine zu starke Regelblutung ist häufig, dass sich die Gebärmutter nicht richtig zusammenziehen kann, um die Blutung zu regulieren beziehungsweise zu beenden. Daran können beispielsweise größere gutartige Geschwulste wie Myome und Schleimhautpolypen Schuld sein, aber auch eine Spirale kann diesen Vorgang stören. Weitere häufige Gründe sind Verwachsungen an der Gebärmutter, Endometriose oder eine Entzündung der Gebärmutter oder der Eileiter. Selten sind bösartige Wucherungen wie Gebärmutter- oder Gebärmutterhalskrebs für die Erkrankung verantwortlich.

Wie und ob starke oder verlängerte Blutungen behandelt werden, hängt von der Ursache ab und davon, ob die Frauen noch Kinder bekommen möchten. Betroffene sollten deshalb mit ihrem behandelnden Frauenarzt sprechen. Organische Ursachen lassen sich mithilfe einer Ultraschalluntersuchung meist schnell feststellen und entsprechend behandeln. Eine Blutuntersuchung kann zeigen, ob die starke Regelblutung bereits zu Blutarmut geführt hat und ob eine hormonelle Ursache vorliegt. In manchen Fällen wird auch eine Gerinnungsstörung abgeklärt. Gibt es keine gravierenden Ursachen, leiden die betroffenen Frauen nicht unter Blutarmut und kommen mit den Beschwerden zurecht, können sie auf weitere medizinische Schritte verzichten.

Medikamente oder Hormone können helfen

Frauen, die sich für eine Behandlung entscheiden, können auf verschiedene Medikamente oder Hormone zurückgreifen, die die Blutungsneigung verringern. Eine andere Möglichkeit ist, mithilfe von hormonellen Verhütungsmitteln wie der Antibabypille oder der Hormonspirale die Regelblutung abzuschwächen. Das eignet sich allerdings nur für Frauen, die in der nächsten Zeit nicht schwanger werden wollen. Eine Hormonspirale wird in die Gebärmutter eingesetzt und kann dort etwa fünf Jahre bleiben. Sie wirkt häufig besser als die Pille auf den Blutverlust und die Beschwerden während der Periode ein. 

Sind Myome oder Polypen für die starken Blutungen verantwortlich, können sie operativ entfernt werden. Nach dem Eingriff ist es normalerweise noch möglich, schwanger zu werden. Besteht kein Kinderwunsch mehr, kann die Schleimhaut der Gebärmutter entfernt (Endometriumresektion) oder verödet (Endometriumablation) werden. Da die Gebärmutterschleimhaut wieder nachwachsen kann, lässt sich allerdings etwa jede fünfte Patientin innerhalb von zwei Jahren erneut operieren. Sind andere Behandlungen erfolglos geblieben, kommt für Frauen ohne Kinderwunsch auch die vollständige Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) in Frage. Dieser Eingriff ist jedoch mit stärkeren Nebenwirkungen als die Entfernung der Gebärmutterschleimhaut verbunden. Da die Regelblutung nach dem Eingriff jedoch vollständig aufhört, leiden die Frauen dann nicht mehr unter den damit verbundenen Beschwerden. Welcher Eingriff am sinnvollsten ist, können nur die betroffenen Frauen mit ihrem Arzt gemeinsam entscheiden.

Tipps für den Alltag

Eine sehr starke oder verlängerte Regelblutung kann im Alltag belastend und störend sein. Hier einige Tipps, was betroffene Frauen selbst tun können, um ihre Periode zu überstehen:

  • Am besten ist es, sich während und kurz nach der Menstruation nicht zu viel vorzunehmen, sondern es etwas ruhiger angehen zu lassen.
  • Entspannungstechniken oder Yoga können dazu beitragen, die Anspannung abzubauen.
  • Manchen Frauen hilft viel Bewegung, die Beschwerden zu lindern.
  • Eisenreiche Nahrungsmittel wie Fleisch, Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen oder Linsen, grünes Blattgemüse wie Spinat und Vollkornbrot beugen einer Blutarmut vor.
  • Auf Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS), der in Aspirin enthalten ist, sollte verzichtet werden. Er wirkt gerinnungshemmend und kann die Blutung verstärken.

 

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