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Bei einer Blutvergiftung ist schnelle Hilfe lebensrettend

Sepsis

25.07.17 (ams). In Deutschland erkranken jährlich etwa 280.000 Menschen neu an einer Sepsis, auch Blutvergiftung genannt, informiert das "Center for Sepsis Control and Care" am Universitätsklinikum Jena. Fast ein Viertel der Patienten stirbt daran; damit ist Sepsis die häufigste Todesursache infolge einer Infektion. "Die Erkrankung ist ein medizinischer Notfall. Je früher sie erkannt wird, desto besser sind die Überlebenschancen", sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband.

Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, bei der die Reaktion des Körpers auf eine Infektion außer Kontrolle gerät. Dabei ist das Immunsystem nicht in der Lage, die Infektion mithilfe einer Entzündungsreaktion an der betroffenen Stelle ausreichend zu bekämpfen. Die Erreger oder ihre Giftstoffe gelangen von der Infektionsstelle – zum Beispiel einer Wunde – in die Blutbahn. Das Blut verschleppt die Keime in andere Organe, wo sie sich ansiedeln und neue Krankheitsherde bilden. Das kann zum Versagen lebenswichtiger Organe wie Leber, Herz, Niere und Lunge und letztlich zum Tod führen.

Meist entsteht eine Sepsis infolge einer Infektion mit Bakterien, zunehmend aber auch mit Pilzen. Ursache sind häufig Infektionskrankheiten, zum Beispiel Lungenentzündungen, Harnwegsinfektionen oder Bauchfellentzündungen. Eine Blutvergiftung kann sich aber auch infolge einer Wundinfektion oder einer Infektion durch einen Katheter entwickeln.

Erkrankung wird oft erst spät erkannt

Da die Anzeichen einer Blutvergiftung unspezifisch sind und auch bei anderen Krankheiten auftreten, wird eine Sepsis oft erst spät erkannt. Eine bereits bestehende Infektionsquelle verbunden mit folgenden Symptomen kann auf eine Blutvergiftung hindeuten: Fieber oder eine sehr niedrige Körpertemperatur (weniger als 36 Grad Celsius), Schüttelfrost, Verwirrtheit, Kurzatmigkeit, Blässe oder grau-fahles Aussehen.

Entgegen der verbreiteten Annahme weist ein roter Strich, der in Richtung Herz wandert, nicht auf eine Blutvergiftung hin. Dies ist vielmehr ein Anzeichen für eine Lymphgefäßentzündung (Lymphangitis). Beim Verdacht auf eine schwere Infektion sollten Betroffene oder Angehörige sofort unter der Nummer 112 einen Rettungswagen rufen. Bei einer Sepsis ist eine schnelle Behandlung nötig, denn schon innerhalb der ersten Stunden kann sich ein lebensbedrohlicher Zustand entwickeln. Sind Bakterien Auslöser der Blutvergiftung, kommen Antibiotika zum Einsatz, deren Wirksamkeit täglich überprüft wird. Bei einer durch Pilze verursachten Erkrankung werden Mittel gegen Pilzerkrankungen (Antimykotika) eingesetzt. Wichtig ist, dass es gelingt, die für die Blutvergiftung verantwortliche Infektionsquelle zu finden und zu heilen. Ist die Sepsis bereits weit fortgeschritten, wird vor Beginn der ursächlichen Therapie durch Flüssigkeitszufuhr und Medikamente dafür gesorgt, dass die Patienten ausreichend mit Sauerstoff versorgt sind und dass sich ihr Blutdruck stabilisiert. Auch ein Nierenersatzverfahren, künstliche Beatmung sowie Blutinfusionen können notwendig sein.

Infektionen rechtzeitig behandeln lassen

Einer Blutvergiftung kann man nicht direkt vorbeugen. Ratsam ist, Infektionen rechtzeitig behandeln zu lassen, damit sie sich nicht auf den restlichen Körper ausbreiten können. Wichtig ist auch, auf einen vollständigen Impfschutz zu achten. Eltern sollten ihre Kinder gegen alle Infektionskrankheiten impfen lassen, die in der Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses aufgeführt sind. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen dafür die Kosten. Insbesondere für immungeschwächte und für ältere Menschen ist ein vollständiger Impfschutz sehr wichtig. Ab dem Alter von 60 Jahren ist es sinnvoll, sich einmalig gegen Pneumokokken, die wichtigsten Erreger der bakteriellen Lungenentzündung, immunisieren zu lassen. Dies wird in der Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses empfohlen, denn Lungenentzündungen sind die häufigste Ursache für die Entstehung einer Sepsis.

Während des Welt-Sepsistages am 13. September 2017 erfahren Interessierte mehr über Ursachen, Behandlung und Präventionsmöglichkeiten.


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