vorlesen

Trotz Glutenunverträglichkeit lecker und gesund essen

Zöliakie

26.09.17 (ams). Etwa einer von 200 Menschen in Deutschland ist von einer Zöliakie betroffen, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). "Die chronische Darmerkrankung beruht auf einer Unverträglichkeit gegenüber dem Getreideeiweiß Gluten", sagt AOK-Ernährungswissenschaftlerin Anita Zilliken. Gluten steckt in Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer, Gerste und Grünkern sowie in den alten Weizensorten Einkorn, Emmer und Kamut. Bei einer Zöliakie, die in jedem Alter auftreten kann, reagiert die Schleimhaut des Dünndarms mit Entzündungen auf das Klebereiweiß Gluten. Infolge der Entzündung verkümmern mit der Zeit die winzigen, fingerförmigen Darmzotten. "In der Folge nimmt der Körper nicht mehr genügend Nährstoffe aus dem Darm auf, es besteht die Gefahr einer Mangelernährung", erläutert Zilliken. Aus diesem Grund kann die Erkrankung bei Kindern, wenn sie unerkannt bleibt, zu schweren Wachstumsstörungen führen. Die Anzeichen für Zöliakie sind vielfältig: Bei Säuglingen und Kleinkindern kann ein aufgeblähter Bauch, der im Kontrast zu einem mageren Körper steht, auf die Erkrankung hinweisen. Weitere Symptome sind Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfälle und mangelndes Interesse am Spielen. Ältere Kinder klagen häufig über Bauchschmerzen, Durchfälle oder Verstopfung. Kleinwuchs oder eine verzögerte Pubertät können ebenfalls Anzeichen der Erkrankung sein. Im Erwachsenenalter haben viele Betroffene keine oder unspezifische Symptome wie Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder fettige Stühle. Bei anderen führt die gestörte Nährstoffaufnahme zu einem Vitamin- und Mineralstoffmangel sowie zu Gewichtsverlust. Osteoporose (Knochenschwund) oder Unfruchtbarkeit können ebenfalls auf die Erkrankung hinweisen.

"Gehen Sie beim Verdacht auf eine Zöliakie zum Arzt", rät Zilliken. Um die Diagnose zu stellen, werden Antikörper aus dem Blut bestimmt. Zudem werden während einer Magenspiegelung Gewebeproben aus der Dünndarmschleimhaut entnommen, um eine Schädigung des Dünndarms festzustellen. Eine aussagekräftige Diagnose lässt sich nur stellen, wenn sich die Patienten glutenhaltig ernähren. Die einzige Möglichkeit, eine Zöliakie zu behandeln, ist hingegen eine glutenfreie Ernährung. Wenn Betroffene selbst kleinste Mengen an Gluten meiden, haben sie in der Regel keine Beschwerden. "Auch wer an Zöliakie leidet, kann sich lecker und ausgewogen ernähren", sagt AOK-Ernährungsexpertin Zilliken. Um die Umstellung der Ernährung besser zu bewältigen, ist eine Ernährungsberatung sinnvoll. Unproblematisch sind glutenfreie Getreidesorten wie Reis, Mais, Hirse und Buchweizen sowie als Alternative Kartoffeln. Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Salate, Milchprodukte, Naturkäse, Fleisch, Fisch, Nüsse, Eier und Honig sind von Natur aus glutenfrei. Essen können Zöliakiekranke außerdem Tofu, Sojamilch und Mozzarella. "Mittlerweile gibt es ein umfangreiches Angebot an glutenfreien Lebensmitteln, so dass Betroffene auf Brot, Nudeln und Kuchen nicht verzichten müssen", sagt Zilliken. Welche verarbeiteten Lebensmittel unbedenklich sind, erkennt man an der Aufschrift "glutenfrei". Hilfreich kann sein, beim Einkaufen eine Liste der Deutschen Zöliakie Gesellschaft dabei zu haben, in der sämtliche unbedenkliche Lebensmittel aufgeführt sind. Vorsicht geboten ist zum Beispiel bei Wurstwaren, Joghurt, Eiscreme, Pudding, Schokolade oder Fertiggerichten, in denen glutenhaltiges Mehl als Bindemittel steckt. Bier und Malzbier enthalten ebenfalls Gluten. Auch in Pommes Frites, Kroketten, Kartoffelpuffer, Frischkäsezubereitungen mit Kräutern, Nuss-Nougat-Cremes, Ketchup, Senf und Chips kann Gluten enthalten sein. "Lesen Sie die Zutatenliste von industriell gefertigten Lebensmitteln sorgfältig durch, um sicherzugehen, dass sie glutenfrei sind", rät Zilliken. Da auch Arzneimittel das Getreideeiweiß enthalten können, empfiehlt sich, die Inhaltsstoffe von Medikamenten ebenfalls zu prüfen. Sinnvoll ist zudem, das Kochgeschirr von dem der "normal" essenden Familienmitglieder zu trennen und Restaurants zu bevorzugen, die sich mit der Zubereitung glutenfreier Speisen auskennen.

Glutenfreie Ernährung nur bei ärztlich gesicherter Diagnose

Zunehmend steigen auch Menschen ohne Glutenunverträglichkeit auf glutenfreie Lebensmittel um; sei es, weil sie bei sich eine Unverträglichkeit vermuten oder weil sie hoffen, auf diese Weise abzunehmen. "Die Umstellung auf glutenfreie Nahrungsmittel ist aber nur bei einer ärztlich gesicherten Diagnose sinnvoll", betont AOK-Ernährungswissenschaftlerin Anita Zilliken. Da vor allem Getreide eine Vielzahl an Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen enthält, kann der Verzicht darauf zu einer Unterversorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen führen. Außerdem besteht der Verdacht, dass die Umstellung auf glutenfreie Kost die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes fördern kann. Dass der Verzicht auf Gluten beim Abnehmen hilft, ist nicht erwiesen.

Zum ams-Ratgeber 09/17