Schmerzender Hautausschlag, der sich wie ein Gürtel ausbreitet

Gürtelrose

26.09.17 (ams). Vor allem ältere Menschen können an einer Gürtelrose erkranken, einem häufig sehr schmerzhaften Hautausschlag. "Auslöser einer Gürtelrose sind Varizella-Zoster-Viren aus der Familie der Herpes-Viren, die auch Windpocken verursachen", erläutert Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband. In Deutschland erkranken daran etwa 400.000 Menschen jährlich, schätzt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
Viele Menschen stecken sich bereits in frühester Kindheit mit Varizella-Zoster-Viren an und erkranken daraufhin an Windpocken (Varizellen). Wenn die Erkrankung überstanden ist, nisten sich die Viren in den Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks oder in den Hirnnerven ein. Sie ruhen dort lange Zeit, ohne Beschwerden zu bereiten. Bestimmte Auslöser können sie "wecken", zum Beispiel ein geschwächtes Immunsystem infolge einer Erkrankung, bei höherem Lebensalter oder großem Stress. Dann vermehren sie sich erneut und wandern am betroffenen Nerv entlang in die Haut. Durch die Vermehrung der Viren in den Hautzellen entstehen eine Entzündung und der typische Hautausschlag. "Eine Gürtelrose können auch Menschen bekommen, die gegen Windpocken geimpft sind", sagt AOK-Arzt Bleek. Das IQWiG schätzt allerdings, dass sie seltener von einer Gürtelrose betroffen sind als nicht geimpfte Menschen, die die Windpocken durchgemacht haben. Seit 2004 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, Kinder zwischen dem elften und 14. Lebensmonat und im Alter von 15 bis 23 Monaten gegen Varizellen immunisieren zu lassen. Menschen, die an einer Gürtelrose erkranken, fühlen sich anfangs meist abgeschlagen und müde, eventuell tritt leichtes Fieber auf. Nach zwei bis drei Tagen leiden sie unter brennenden oder stechenden Schmerzen im betroffenen Bereich, gefolgt von leichten Hautrötungen mit kleinen Knötchen. Aus den Knötchen entwickeln sich innerhalb weniger Stunden kleine Bläschen, die jucken können. Nach einigen Tagen trocknen die Bläschen  aus und verkrusten.  Am häufigsten tritt der schmerzende Hautausschlag am Rumpf oder Brustkorb auf. Eine Gürtelrose, auch Herpes zoster genannt, kann sich aber überall auf dem Körper entwickeln, zum Beispiel auf den Armen, am Kopf oder im Gesicht. Typischerweise tritt der Ausschlag nur auf einer Körperhälfte auf. „Bei einem normalen Verlauf ohne Komplikationen heilt eine Gürtelrose bei Erwachsenen innerhalb von zwei bis vier Wochen folgenlos ab“, informiert Bleek. Wenn die Viren das Auge befallen, können sie dort eine Entzündung der Hornhaut verursachen. Sind Hör- und Gesichtsnerven betroffen, können Hörprobleme, Schwindel und eine Gesichtslähmung auftreten. Bei Menschen mit ausgeprägter Immunschwäche kann sich eine Gürtelrose auch auf die gesamte Haut und auf die inneren Organe ausbreiten und schwere Komplikationen verursachen.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband

Symptome der Erkrankung

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Linderung der Beschwerden und Behandlung

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Etwa zehn bis 20 von hundert Menschen leiden infolge der Nervenentzündung auch dann noch monatelang unter starken Schmerzen, wenn der Ausschlag bereits abgeheilt ist. Vor allem ältere Patienten sind gefährdet, eine solche sogenannte Post-Zoster-Neuralgie zu entwickeln. "Gehen Sie bei Anzeichen für die Erkrankung zum Arzt“, empfiehlt Bleek. Eine frühzeitige Behandlung ist ratsam, besonders bei einer Gürtelrose im Gesicht. Der Allgemeinmediziner oder Hautarzt kann eine Gürtelrose an den typischen Symptomen meist gut erkennen. Der Juckreiz lässt sich mit Lotionen, Gelen oder Puder lindern, die Schmerzen mit Medikamenten. Bei älteren Menschen oder Patienten mit einem geschwächten Immunsystem, einer Gürtelrose im Kopf-Hals-Bereich, schweren Verläufen oder einem hohen Risiko für Komplikationen können Medikamente gegen die Viren zum Einsatz kommen. Eine solche antivirale Therapie sollte innerhalb von 72 Stunden nach dem Auftreten der Hautveränderungen beginnen. "Das kann dazu beitragen, dass die Gürtelrose schneller abheilt und die Schmerzen früher abklingen“, sagt AOK-Mediziner Bleek. Seit 2013 gibt es für Menschen ab 50 Jahren einen Impfstoff gegen Gürtelrose. Diese Impfung wird derzeit nicht von der STIKO empfohlen und ist daher keine gesetzliche Leistung der Krankenkassen. Laut IQWiG belegt eine große Studie, dass durch die Impfung bei gesunden Menschen das Risiko, an Gürtelrose zu erkranken, um etwa die Hälfte verringert ist. Für Menschen mit herabgesetzter Immunabwehr ist die Impfung nicht geeignet.

Bläschen nicht aufkratzen

Wer an einer Gürtelrose erkrankt ist, sollte die mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen nicht aufkratzen, da sich die Haut sonst entzünden kann und Narben zurückbleiben können. Außerdem ist eine Gürtelrose so lange ansteckend, bis alle Bläschen ausgetrocknet sind und die letzte Kruste abgefallen ist. Bis dahin sollten Erkrankte den direkten körperlichen Kontakt mit Menschen meiden, die noch keine Windpocken hatten, da sich diese sonst anstecken können. Wer sich ansteckt, erkrankt zunächst an Windpocken, nicht an einer Gürtelrose.

Post-Zoster-Neuralgie: Schmerzen lindern

Einen besonderen Leidensdruck haben Patienten, bei denen sich nach dem Abheilen des Hautausschlags eine Post-Zoster-Neuralgie entwickelt. Um die anhaltenden Nervenschmerzen zu lindern, kommen Schmerzmittel mit unterschiedlicher Wirkungsweise zum Einsatz. Manchmal werden zusätzlich Medikamente verordnet, die eigentlich nicht zur Gruppe der Schmerzmittel gehören, wie Mittel gegen Depressionen (Antidepressiva) oder gegen epileptische Anfälle (Antiepileptika). Auch Pflaster oder Salben mit dem Wirkstoff Lidocain oder Capsaicin (aus Chilischoten gewonnen) können die Beschwerden lindern. Viele Verfahren wie Akupunktur oder TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) sind noch nicht ausreichend untersucht, um ihren Nutzen sicher beurteilen zu können. Bei lang anhaltenden Schmerzen ist es sinnvoll, sich an einen speziell ausgebildeten Schmerztherapeuten, ein Schmerzzentrum oder eine Schmerzklinik zu wenden.

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