Lippenherpes ist immer lästig, doch meistens harmlos

Küssen verboten!

25.10.17 (ams). Erst kribbelt es an der Lippe, dann spannt es. Schließlich entstehen nässende, juckende Bläschen. Lippenherpes ist weit verbreitet und lästig, für Erwachsene aber normalerweise harmlos. "Auch ohne Behandlung klingt die Infektion nach zehn bis 14 Tagen wieder ab", sagt Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband. Doch: Küssen ist in dieser Zeit verboten, denn die Viren sind hoch ansteckend. Hinter dem Lippenherpes steckt das Herpes-Simplex-Virus vom Typ 1. Schätzungsweise 50 Prozent der Kinder und 80 bis 90 Prozent der Erwachsenen sind mit dem Virus in Kontakt gekommen. Infizieren kann man sich übers Husten und Niesen genauso wie übers Küssen oder das gemeinsame Benutzen von Besteck. "Von einer Erstinfektion bekommen die Meisten gar nichts mit oder nur so, dass sie sich leicht matt und krank fühlen", sagt Debrodt. Doch einmal eingedrungen, verbleiben die Viren ein Leben lang im Körper des Betroffenen. Längst nicht bei jedem brechen sie dann auch als Lippenherpes aus. Nur ein bis zehn Prozent der Infizierten entwickeln überhaupt Krankheitszeichen.
"Ein Ausbruch hängt oft davon ab, ob das Immunsystem geschwächt ist", so Ärztin Debrodt. Eine akute oder chronische Erkrankung kann der Auslöser dafür sein genauso wie Stress oder UV-Strahlung. Manche Betroffene berichten, dass sie regelmäßig dann Herpes bekommen, wenn sie sich stark geekelt haben. Die Folge: Es spannt, juckt, dann treten die oft schmerzhaften, später juckenden Bläschen an der Lippe auf. Nach einigen Tagen verkrusten sie, bis sie dann nach kurzer Zeit wieder abfallen.

Lebenslange Begleiter

Insgesamt gibt es vier verschiedene Herpes-Viren: Herpes simplex, Varizella-Zoster-Virus (verantwortlich für Windpocken und Gürtelrose), Epstein-Barr-Virus (Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers) und Zytomegalie-Virus (eine Infektion bei Schwangeren ist vor allem für das Ungeborene gefährlich). Der Virus Herpes simplex existiert wiederum in verschiedenen Varianten. Allen gemeinsam ist, dass sie nach der Erstinfektion im Körper verbleiben und immer wieder ausbrechen können. Lippenherpes wird durch Herpes simplex vom Typ 1 ausgelöst. Sind die Genitalien befallen, steckt dahinter vor allem der Typ 2.

 Nur bei sehr geschwächtem Immunsystem kann sich der Virus im gesamten Körper ausbreiten, in seltenen Fällen droht dann eine Hirnhautentzündung; auch der Befall der Hornhaut des Auges ist gefürchtet. "Wenn Sie starke Beschwerden haben oder der Herpes auf andere Körperstellen übergreift, sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen“, rät Medizinerin Debrodt. An den betroffenen anderen Körperstellen können sich dann ebenfalls Bläschen bilden. Normalerweise ist das aber nicht der Fall, und es ist nicht einmal nötig, den Herpes überhaupt zu behandeln. Allerdings kann man die Spannungsgefühle ein wenig lindern und die Leidenszeit verkürzen. Das geht beispielsweise mit rezeptfreien Salben - mit dem Wirkstoff Aciclovir - aus der Apotheke, wenn man diesen Wirkstoff sofort beim ersten Ziehen aufträgt.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband

Anzeichen für Lippenherpes

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Risiko zur Ansteckung reduzieren


Viele Betroffene schwören auch auf das Bestreichen der Bläschen mit Zahnpasta, Honig, Teebaumöl, Echinacea oder Zinksalbe. Honig und Zinksalbe sind desinfizierend, die anderen Mittel helfen, die Bläschen auszutrocknen. Außerdem gibt es in der Apotheke Pflaster, die sich überschminken lassen. "Auf keinen Fall sollten Sie die Bläschen aufstechen oder aufkratzen, denn dadurch kann sich der Bereich stark entzünden", sagt Debrodt. Egal, ob die Betroffenen ihre Bläschen behandeln oder nicht, auf jeden Fall sollten Herpes-Patienten sich selbst und ihre Umwelt schützen. Die nässenden Bläschen sind höchst ansteckend. Es besteht die Gefahr, dass man sich selbst noch an anderen Körperstellen infiziert oder Herpes bei anderen auslöst. Küssen ist deshalb genauso tabu wie das Trinken aus einem gemeinsamen Glas. Vor allem sollte man aber auch auf strenge Hygiene achten. Um den Viren den Weg abzuschneiden, ist regelmäßiges Händewaschen noch wichtiger als sonst. Besondere Vorsicht ist beim Umgang mit Säuglingen geboten. Da das Immunsystem Neugeborener noch nicht ausgereift ist, ist eine Ausbreitung der Viren mit dem Blutstrom und ein Befall innerer Organe leichter möglich.

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