Gefährliches Schnarchen in der Nacht

Obstruktive Schlafapnoe

28.11.17 (ams). Sanftes Gurgeln, kräftiges Brummen, hohes Pfeifen - Schnarchen kann sowohl die eigene Nachtruhe  als auch die des Partners oder der Partnerin zwar beeinträchtigen, ist an sich jedoch oft harmlos. Gefährlich wird es, wenn zusätzlich zum Schnarchen der Atem aussetzt.  "Womöglich ist man dann an einer obstruktiven Schlafapnoe erkrankt", sagt Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband. "Solche  Atemaussetzer dauern dann zehn Sekunden oder länger." Weitere Anzeichen sind sehr lautes und unregelmäßiges Schnarchen, weil der Betroffene zwischendurch mühsam nach Luft ringt, eine flache Atmung sowie chronische Müdigkeit und Konzentrationsstörungen am Tag. Die obstruktive Schlafapnoe ist die häufigste Form einer Schlafapnoe. Sie entsteht, wenn die Muskulatur in den oberen Atemwegen erschlafft und die Zunge zurückfällt. "Der Atemweg im Rachen ist dadurch verengt oder ganz blockiert, so dass das Ein- und Ausatmen nur mit lauten Schnarchgeräuschen möglich ist", erklärt Ebel. In manchen Fällen erreicht der Lärmpegel sogar die Lautstärke eines vorbeifahrenden LKW. Das Aussetzen des Atems verursacht Luftnot, der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt. Auch Puls und Blutdruck werden schwächer. Das Gehirn weckt jetzt den Körper auf, damit der Schläfer wieder Luft holen kann. Ein solcher Weckruf kann mehrere Male in der Nacht auftreten. Betroffene selbst merken davon meist nichts. Vielmehr leiden die Angehörigen unter dem lauten Schnarchen und bekommen so die nächtlichen Atemaussetzer mit. "In Extremfällen kommt es zu 50 und mehr Atemaussetzern in der Stunde. Dadurch wird der Tiefschlaf verhindert, und von einem erholsamen Schlaf kann keine Rede sein", so Ebel weiter. 


Sendefertiger Radio-O-Ton mit Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband

Mögliche Ursache und Folgen

Download MP3

Eine Schlafapnoe kann verschiedene Ursachen haben. Ein wichtiger Risikofaktor ist Übergewicht, da Bauchfett und Fettablagerungen im Hals und im Rachen die Atemkanäle verengen. Daneben spielt die Anatomie im Mund- und Rachenraum eine Rolle, wie zum Beispiel übergroße Mandeln, ein zu kleiner oder ein nach hinten fallender Unterkiefer oder eine krumme Nasenscheidewand. Bei einigen Menschen entspannt sich die Atemwegsmuskulatur im Schlaf so sehr, dass sich der Rachen durch den Unterdruck beim Einsaugen der Luft zusammenzieht.
Schätzungen zufolge haben vier Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen im mittleren Alter eine obstruktive Schlafapnoe, die zu Beschwerden führt. Die Folgen einer unbehandelten Schlafapnoe sind gravierend. Wegen des chronischen Schlafmangels sind die Kranken ständig müde, es fällt ihnen schwer sich zu konzentrieren, das Unfallrisiko im Straßenverkehr ist im Vergleich zu gesunden Menschen um ein Vielfaches erhöht. Die Leistungsfähigkeit lässt hingegen stark nach. Zu wenig Schlaf kann auch zu Konzentrations- und Gedächtnisstörungen führen. Wird eine Schlafapnoe nicht behandelt, steigt zudem das Risiko, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder Herzrhythmusstörungen zu erleiden. 

Gewichtsabnahme kann Schlafapnoe lindern

Bei starkem Übergewicht kann bereits eine Gewichtsabnahme die Schlafapnoe lindern. Darüber hinaus gibt es Apparate zur nächtlichen Atmungsunterstützung, Operationen und spezielle Hilfsmittel wie Unterkieferschienen. Gemeinsam mit dem Betroffenen klärt der behandelnde Arzt die genauen Ursachen und stimmt dann individuell die Therapie ab.
Die wirksamste Behandlung einer schweren Schlafapnoe ist die sogenannte CPAP-Therapie  (CPAP = continuous positive airway pressure, kontinuierlicher Atemwegsüberdruck). Bei dieser Behandlung wird nachts mit einem leichten Überdruck Raumluft in die Atemwege gepumpt. Die Betroffenen tragen während des Schlafs eine Atemmaske, die an ein Atemgerät angeschlossen ist.


Zum ams-Ratgeber 11/2017