Wenn die Speiseröhre brennt, kann ein gesünderer Lebensstil helfen

Sodbrennen

24.01.18 (ams). Zu fett gegessen und zu viel? Und plötzlich so ein unangenehmes Brennen, das sich vom Magen bis in die Speiseröhre hochzieht, manchmal begleitet von saurem Aufstoßen? Das ist das untrügliche Zeichen für Sodbrennen: Es entsteht, wenn sich der Mageneingang nicht mehr richtig schließt und Mageninhalt wieder nach oben in die Speiseröhre gelangt. Der aufsteigende Magensaft reizt die Schleimhaut der Speiseröhre und es brennt. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts hat schätzungsweise etwa jeder vierte Erwachsene in Deutschland gelegentlich Sodbrennen. Manchmal helfen schon ein Verdauungsspaziergang und der Verzicht auf üppige Mahlzeiten zu später Stunde. Tritt Sodbrennen häufiger auf, kann dies auch ein Anzeichen für eine Rückflusserkrankung (Reflux) sein. Die genaue Ursache für die sogenannte gastroösophageale Refluxkrankheit (Gastro = Magen; Ösophagus = Speiseröhre) bleibt oft unklar. Bestimmte Lebensgewohnheiten wie zu fettes Essen, Rauchen, zu viel Alkohol, Kaffee oder Stress können den Rückfluss von Mageninhalt in die  Speiseröhre begünstigen. Auch bestimmte Medikamente, unter anderem verordnet bei Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit, Asthma oder Parkinson, können Sodbrennen auslösen. Häufig betroffen sind auch Schwangere: Gerade im letzten Schwangerschaftsdrittel kann die Gebärmutter gegen den Magen drücken, wodurch die Magensäure stärker aufsteigt. Hinter einem Reflux kann zudem eine Störung der Speiseröhre oder ein Zwerchfellbruch stecken.

Bei Verdacht auf Reflux wird Probebehandlung gemacht

Die Beschwerden äußern sich unterschiedlich: "Typische Beschwerden sind häufiges Aufstoßen und ein unangenehmes Brennen, das sich vom Magen bis in die Speiseröhre hochzieht, vor allem im Liegen und nach den Mahlzeiten", so Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband. Weitere Symptome sind ein Völlegefühl, Schluckbeschwerden, Brennen im Rachen, Halsschmerzen, Reizhusten und teilweise auch Übelkeit und Brechreiz. Bei sehr häufigem oder starkem Sodbrennen sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. "Bei einem Verdacht auf Reflux wird zunächst meist eine Probebehandlung gemacht. Dazu nimmt der Patient für ein bis zwei Wochen ein Medikament ein, das die Produktion von Magensäure hemmt. Fühlt er sich danach besser, handelt es sich sehr wahrscheinlich tatsächlich um eine Refluxkrankheit", erklärt Bleek. Wenn sich die Beschwerden nicht lindern lassen, kann eine Endoskopie sinnvoll sein. Dabei wird ein flexibler Schlauch mit einer Kamera und einer Lichtquelle über den Mund bis in den Magen vorgeschoben. Der Arzt kann so die Schleimhaut von Speiseröhre und Magen beurteilen und zum Beispiel klären, ob die Speiseröhre entzündet ist oder ob dort Verengungen vorliegen. Manchmal kann eine Refluxkrankheit im Laufe der Jahre dazu führen, dass sich am unteren Ende der Speiseröhre die Schleimhaut verändert. Dann ist das Risiko für Speiseröhrenkrebs etwas erhöht. Bei starkem Sodbrennen kann es helfen, zum Beispiel mit dem Rauchen aufzuhören oder weniger Alkohol zu trinken. Darüber hinaus ist es einen Versuch wert, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten, wie Kaffee, Schokolade, besonders fettige oder stark gewürzte Speisen, Zitrusfrüchte oder kohlensäurehaltige Getränke.


Sendefertiger O-Ton mit Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband

Tipps was man selbst gegen Sodbrennen tun kann

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Zusätzlich kann es sinnvoll sein, keine beengende Kleidung zu tragen, bei Übergewicht abzunehmen, da zu viele Kilos das Verdauungssystem belasten können und auf Speiseröhre und Magen drücken, mehrmals täglich eine kleine Mahlzeit zu essen statt dreimal eine große sowie auf späte Mahlzeiten zu verzichten oder sich nicht früher als drei Stunden nach dem Essen hinzulegen, beim Schlafen eine erhöhte Schlafposition zu wählen, etwa durch ein zusätzliches Kopfkissen, und außerdem eher auf der linken Seite zu schlafen, da der Magenverschluss dann oben liegt. Auf der rechten Seite liegend, kann der Mageninhalt leichter in die Speiseröhre zurückfließen. Reicht eine Änderung des Lebensstils nicht aus, kommen zusätzlich Medikamente zum Einsatz: Diese unterdrücken die Bildung von Magensaft oder binden die Magensäure. Ist auch die medikamentöse Therapie nicht erfolgreich, bleibt als weitere Möglichkeit eine Anti-Reflux-Operation. Über die Vor- und Nachteile einer Operation sollten Betroffene sich ausführlich mit dem behandelnden Arzt beraten und gegebenenfalls eine zweite ärztliche Meinung einholen.