Mit dem Pedelec unterwegs: Elektrisch über alle Berge

Aktiv entspannen

24.05.18. (ams). Außer Atem auf dem Drahtesel mühsam die Anhöhe erklimmen: Für wen das nichts ist, für den gibt es zum Glück Alternativen: Mit Elektro-Rädern haben auch weniger trainierte Radler oder sogar Sportmuffel Spaß am Fahrradfahren. E-Bike-Anfänger und Menschen, die schon auf einem herkömmlichen Fahrrad unsicher sind, sollten das Elektro-Radfahren üben. Die gesundheitsfördernden Effekte des Fahrradfahrens sind längst kein Geheimnis mehr: "Radfahren stärkt Herz und Kreislauf, schont die Gelenke und verbrennt Fett", sagt Sabine Nikolai-Reetz, Diplom-Sportwissenschaftlerin bei der AOK. "Die gleichmäßigen Bewegungen, auch beim Elektro-Fahrradfahren, entspannen und bauen Stress ab. Tageslicht und frische Luft wirken zudem positiv auf die Psyche und verbessern die Stimmung." Welche gesundheitlichen Effekte das Fahren mit Elektrorädern hat, wird derzeit in einer groß angelegten Studie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in Zusammenarbeit mit der Leibniz Universität Hannover und der Zweirad-Einkaufsgenossenschaft (ZEG) untersucht. Dabei soll festgestellt werden, wie stark die körperliche Beanspruchung bei der Nutzung von E-Rädern im Vergleich zum herkömmlichen Fahrrad ist und welche Schlussfolgerungen daraus für die Gesundheit gezogen werden können. Im Alltagssprachgebrauch heißt zwar alles "E-Bike". Unterschieden wird jedoch zwischen Elektrorädern mit hybridem Antrieb und solchen, die ganz ohne Treten losdüsen. Diese Unterscheidung ist auch in verkehrs- und versicherungstechnischer Hinsicht wichtig. Die gängigen Pedelecs ("Pedal Electric Cycle") sind Fahrräder mit hybridem Antrieb: Bei einem Hybrid wird der Antrieb durch Muskelkraft mit einem Antrieb durch einen Elektromotor kombiniert. Der Radfahrer wird beim Treten also von einem Elektromotor mit maximal 250 Watt Leistung unterstützt, bei 25 km/h ist Schluss. Das Pedelec gilt juristisch als Fahrrad, das heißt: Radwege sind erlaubt und bei entsprechender Beschilderung Pflicht. Ein Fahrradhelm und eine Privathaftpflichtversicherung sind nicht gesetzlich vorgeschrieben, werden aber empfohlen. Ein Führerschein ist nicht notwendig.

MIT DEM RAD ZUR ARBEIT UND UNI

Noch bis Ende August 2018 läuft "Mit dem Rad zur Arbeit", eine Initiative von AOK und ADFC. Die Aufgabe besteht darin, an mindestens 20 Tagen mit dem Rad zum Arbeitsplatz zu fahren. Es spielt keine Rolle, wie lang die Strecke ist und ob die Teilnehmenden ein E-Bike oder ein herkömmliches Fahrrad nutzen. Auch Pendler können teilnehmen. Für Studierende gibt es zudem bis Ende Juli 2018 die Mitmachaktion "Mit dem Rad zur Uni".

Rund 720.000 E-Bikes wurden laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV ) 2017 in Deutschland verkauft und damit 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwa 99 Prozent aller verkauften E-Räder seien sogenannte E-Bikes 25, also Fahrzeuge mit einer Maximalgeschwindigkeit bis zu 25 km/h und einer Nenndauerleistung des Motors bis maximal 250 Watt. Kaum gefragt sind derzeit E-Bikes 45, also schnelle Pedelecs, deren Motor bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h unterstützt. Sie gelten nach dem Straßenverkehrsgesetz als Kleinkrafträder, sind versicherungspflichtig und erfordern eine entsprechende Fahrerlaubnis. Wer sie fährt, muss einen Helm tragen. Wer mit E-Antrieb schnell unterwegs ist, muss auch sehr gut aufpassen: Laut Unfallforschung der Versicherer  (UDV) gibt es bei den Unfällen von Pedelecs mit Personenschaden jährliche Steigerungsraten von rund 33 Prozent, was auch auf die höhere Anzahl an Pedelecs zurückzuführen ist, die auf den Straßen unterwegs ist. Betroffen sind überwiegend Ältere, die derzeit (noch) die Hauptnutzergruppe von E-Bikes sind. Viele Senioren haben anscheinend Schwierigkeiten mit dem Handling und der ungewohnten Geschwindigkeit, so die Vermutung. Ältere Pedelec-Fahrer sollten daher beim Fahren grundsätzlich einen Helm tragen und idealerweise vorher einen Trainingskurs absolvieren. Das gilt auch für Menschen, die schon auf einem normalen Rad unsicher sind. Vor allem nach längeren Phasen ohne eigenes Rad sollte zunächst langsam und vorsichtig gefahren werden. Der Elektromotor verführt zudem einige Fahrer dazu, schneller unterwegs zu sein als dies in einigen Situationen angemessen ist. Zur Eingewöhnung wird am besten die niedrigste Unterstützungsstufe des Elektromotors gewählt, um sich danach langsam weiter vorzutasten. Pedelec-Anfänger müssen sich auch mit den Bremsen des neuen Gefährts vertraut machen sowie mit dem Gewicht durch Motor und Akku. Das kann sich nämlich beim Fahren und beim Auf- und Absteigen sowie beim Halt an der Ampel bemerkbar machen kann. Der Allgemeine Deutschen Fahrradclub (ADFC) bietet bundesweit Radfahrschulen für Erwachsene an.

"Körperlich beeinträchtigte Menschen oder weniger Sportliche profitieren besonders vom elektronischen Rückenwind, denn sie haben mehr Erfolgserlebnisse und können nun locker mithalten. Aber auch für Berufstätige, deren tägliche Strecke zur Arbeit für ein normales Rad zu lang oder zu bergig ist, eignet sich ein Pedelec. Und es schont im Gegensatz zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor die Umwelt," so Nikolai-Reetz. "Wegen ihres höheren Gewichts sind Pedelecs jedoch nicht für größere Trageaktionen, zum Beispiel in den Keller oder obere Stockwerke, geeignet. Sie sollten einen ebenerdigen Abstellplatz haben." Ein weiteres Problem ist die begrenzte Reichweite: Bei einer Untersuchung von "Stiftung Warentest" aus 2016  waren die Akkus der 15 geprüften Modelle meist schon nach rund 60 Kilometern leer. Lediglich ein Elektro-Rad schaffte 100 Kilometer.