Nutzen und Grenzen von Gesundheits-Apps

ams-Serie „Patientenwissen“ (6)

26.06.18 (ams). Sie zählen Schritte, erinnern an die Einnahme von Medikamenten, messen den Blutdruck und vereinbaren sogar Arzttermine. Gesundheits-Apps sind für viele Menschen eine wertvolle Unterstützung, um gesund zu leben oder helfen Patienten, ihre Krankheit besser zu verstehen und mit ihr umzugehen. Laut einer vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Studie werden mehr als 100.000 Gesundheits-Apps für Tablets und Smartphones  angeboten. Da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband, erklärt, worauf es ankommt.

"Gesundheits-Apps dienen der Erhaltung der Fitness und unterstützen einen gesundheitsförderlichen Lebensstil, doch sie ersetzen nicht den Arztbesuch", sagt Ärztin Dr. Eymers. Einen ersten Hinweis, ob eine App qualitativ gut ist, können die Bewertungen anderer Nutzer in den App-Stores geben. Doch nicht immer ist ersichtlich, wer hinter den Bewertungen steht und mit welcher Absicht bewertet wurde. Neue Apps haben zudem oft noch nicht viele Bewertungen. Die gute Qualität einer App können auch eine Zertifizierung und ein Siegel einer anerkannten Verbraucherschutzorganisation oder einer medizinischen Fachgesellschaft belegen. Da Anforderungen an die Siegel-Vergaben sehr unterschiedlich sind, sollten die mit dem Siegel verbundenen Bewertungskriterien verständlich und nachvollziehbar sein. Ob die Informationen, die eine App bietet, veraltet oder falsch sind, können Nutzer in den meisten Fällen ebenfalls nur schwer beurteilen. Seriöse Apps klären daher über die eigenen Grenzen auf und werden zudem in regelmäßigen Abständen aktualisiert. Als Richtwert gelten dabei sechs Monate.

Wer eine App nutzt, sollte immer auch seine persönlichen Daten vor Missbrauch schützen. So besitzt eine gute App eine Datenschutzerklärung, die schnell auffindbar ist. Sie informiert über Art, Zweck und Umfang der erhobenen Daten und gibt an, wo und wie die Daten gespeichert werden. Ebenso geht klar hervor, wie der Datenspeicherung widersprochen werden kann. Die App fordert zudem nur die persönlichen Daten an, die für die Funktionalität wichtig erscheinen und bietet die Möglichkeit, erhobene und gespeicherte Daten wieder zu löschen. Dr. Eymers rät zudem allen Nutzern von Gesundheits-Apps, sich über den Herausgeber zu informieren. Diese Informationen mit der Möglichkeit zur Kontaktaufnahme etwa per Telefon, E-Mail oder Fax sollten im Impressum zu finden sein. Darin lässt sich oft auch schon erkennen, ob kommerzielle Interessen dahinterstehen. So bewerben einige Apps beispielsweise eine bestimmte Leistung oder ein spezielles Medikament. Ob und wie sich eine App finanziert, ist oft jedoch nicht einfach zu erkennen. Der finanzielle Hintergrund wird zum Beispiel dann ersichtlich, wenn die App kostenpflichtig ist und sich dadurch finanziert oder wenn Sponsoren aufgeführt sind.


MEDIZIN,- GESUNDHEITS-, VERSORGUNGS-APPS

Unterschieden wird grundsätzlich zwischen Medizin-, Gesundheits-, und
Versorgungs-Apps:

  • Medizin-Apps werden beispielsweise zum Blutzucker- oder Blutdruckmessen eingesetzt. Der Arzt nutzt diese Daten, um Krankheiten zu erkennen oder zu behandeln. Medizin-Apps unterliegen dem Medizinproduktegesetz und sind nach EU-Normen geprüft.
  • Gesundheits-Apps, die keiner Regulierung unterliegen, geben zum Beispiel Tipps zu Bewegung oder messen die Schrittzahl. Eine Orientierung zur Qualität können Siegel oder Selbstauskünfte von Initiativen oder Verbänden geben.
  • Versorgungs-Apps sind Gesundheits- oder Medizin-Apps, mit denen Nutzer auf Daten aus dem Versorgungssystem zurückgreifen können, beispielsweise aus ihrer elektronischen Gesundheits-Akte, oder selbst erzeugte Daten in das Versorgungssystem einspeisen, etwa Diabetiker ihre Blutzuckerwerte, um diese dann mit Therapeuten zu teilen.