Das hilft Kindern bei nächtlichen Missgeschicken

Bettnässen

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26.07.18 (ams). Wenn Kinder nachts ins Bett machen, ist die Scham oft groß. Doch die Ursachen sind meist harmlos. Von Blasen-Protokoll bis Klingelhose: Was Kindern zu trockenen Nächten verhilft, erläutert Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband. Sie gehen schon zur Schule und machen noch ins Bett - für die betroffenen Kinder ist das meist extrem unangenehm. Oft trauen sie sich nicht mehr, bei Freunden zu übernachten oder mit auf Klassenfahrten zu kommen. Begleitet wird das sehr häufig mit Gefühlen von Schuld und Minderwertigkeit. Auch die Eltern sind beunruhigt oder schämen sich womöglich dafür. Für Eltern und Kinder ist es daher wichtig zu wissen, dass nächtliches Bettnässen gar nicht so selten vorkommt.

Nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) machen 16 Prozent der Fünfjährigen noch ins Bett. Bei den Siebenjährigen sind es noch zehn Prozent und selbst bei den Zehnjährigen sind fünf Prozent betroffen. Tröstlich ist es auch zu wissen: Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich das Problem irgendwann von selbst erledigen. "Der Grund dafür ist meistens, dass die Blasenkontrolle noch nicht vollständig ausgereift ist", so Ebel.

Nasse Nächte mehr als drei Monate lang

Von Bettnässen, im Fachjargon Enuresis genannt, sprechen die Ärzte, wenn ein Kind, das älter als fünf Jahre alt ist, mehr als einmal die Woche über mindestens drei Monate nasse Nächte erlebt. Bei den betroffenen Kindern entwickelt sich die Blasenkontrolle – ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Körperfunktionen - langsamer als bei anderen. "Das Gehirn hat noch nicht gelernt, die Nervensignale aus der Blase richtig zu verarbeiten, um eine Weckreaktion auszulösen, wenn die Blase voll ist", erklärt Ebel. Eventuell mangelt es auch an dem antidiuretischen Hormon ADH. Dieses Hormon, auch Vasopressin genannt, sorgt dafür, dass die Nieren nachts weniger Urin produzieren. Womöglich ist auch die Blase noch nicht ausreichend groß oder das Kind schläft zu tief.


Sendefertiger Radio-O-Ton mit Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband

Tipps für Eltern

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Oft liegt es in der Familie

Das Einnässen liegt oft in der Familie und wird "weitervererbt". Hat ein Elternteil als Kind eingenässt, machen die Kinder mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent ebenfalls nachts ins Bett. Waren beide Elternteile betroffen, steigt das Risiko auf 75 Prozent, so Angaben vom Informationsportal der "Neurologen und Psychiater im Netz“. Arzt Ebel: "Für die Kinder ist es entlastend zu wissen, dass die Eltern dasselbe Problem hatten, als sie klein waren." Psychische Probleme als Ursache wurden lange überschätzt. "Kummer, Schuldgefühle, mangelndes Selbstbewusstsein, das sind eher Folgen als Ursachen für das Bettnässen", so Ebel. Seelische Nöte spielen vor allem dann eine Rolle, wenn das Bettnässen nach einer längeren trockenen Phase wieder beginnt. Die Geburt eines Geschwisterkindes, die Trennung der Eltern, ein Umzug in eine andere Stadt oder Ärger in der Schule können das Kind so aus der Bahn werfen, dass es wieder einnässt. Fachleute sprechen von einer sekundären Enuresis. Dann braucht es womöglich psychologische Hilfe. In jedem Fall sollten die Eltern einen Kinderarzt aufsuchen, der abklären kann, ob womöglich urologische, neurologische oder psychiatrische Krankheiten hinter dem Bettnässen stecken, was allerdings selten vorkommt. Nässt die Tochter oder der Sohn auch tagsüber ein oder muss oft Wasser lassen bzw. verspürt einen starken Harndrang, deutet das auf körperliche Ursachen hin. Ein "Blasen-Protokoll" gibt Aufschluss über die Trink- und Toilettengewohnheiten des Kindes: Wie oft muss das Kind zur Toilette und wie viel trinkt es wann? So kann man ungünstigen Trinkgewohnheiten auf die Spur kommen. "Trinkt das Kind tagsüber wenig und abends viel, ist es kein Wunder, wenn die Blase überlastet ist", sagt Ebel.

Trocken durch die Nacht

  • Flüssigkeitszufuhr abends begrenzen. Tagsüber an das Trinken erinnern, zum Beispiel mittels Alarmuhren. Oder Vereinbarungen treffen, wie zum Beispiel in jeder Schulpause aus der Trinkflasche zu trinken.
  • Vorbeugende Toilettengänge in der Nacht können helfen, wenn das Kind in einer bestimmten Nacht trocken bleiben soll. 
  • Matratze (oder auch Kissen und Decken) mit abwaschbarem Bezug schützen, eventuell Windel benutzen. Es gibt Spezial-Windeln, die nicht wie Windeln aussehen, sondern wie normale Unterwäsche.
  • Frischen Schlafanzug und frische Bettwäsche bereitlegen. Das Kind sollte dabei helfen, das Bett frisch zu beziehen. Nicht, um es zu bestrafen, sondern damit es Kontrolle in einer unkontrollierbaren Situation zurückgewinnen kann.
  • Uringeruch vermeiden. Bei der Wäsche Soda (Natron) oder Eukalyptusöl verwenden, ausgiebig Lüften, Duft-öle und -sprays einsetzen.

Mit einem Sonnen-Wolken-Kalender können Kinder ihre Erfolge bildlich darstellen: Immer, wenn sie eine Nacht trocken geblieben sind, malen sie eine Sonne in den Kalender. Hilft alles nichts und ist das Kind dennoch motiviert, trocken zu werden, kann die Familie ein elektronisches Wecksystem ausprobieren: Bei der sogenannten Klingelhose wird ein kleiner Sensor in der Unterhose oder Windel angebracht und ein kleines Weckgerät am Schlafanzug in der Nähe des Ohres befestigt. Bei der sogenannten Klingelmatte liegt der Feuchtigkeitsfühler im Bett, die Klingel steht neben dem Bett. Bei den ersten Tropfen schlagen die Geräte Alarm, das Kind sollte dann zur Toilette gehen und die Blase vollständig entleeren.

Mehr als 60 Prozent der betroffenen Kinder werden mit dieser Methode nach einigen Wochen trocken. Die Eltern sollten allerdings gut mitarbeiten und das Kind wecken, wenn es durch das Läuten nicht wach wird. Überhaupt müssen sich die Eltern auf eine anstrengende Zeit einstellen, weil ihnen die nächtlichen Unterbrechungen meistens mehr zu schaffen machen als den Kindern, die meistens sofort wieder einschlafen. Bringen Klingelhose oder -matte auch nach längerer Zeit keinen Erfolg, ist nach Rücksprache mit dem Kinderarzt der Einsatz von Medikamenten zu erwägen. Medikamente helfen allerdings nur kurzfristig, das Bettnässen kehrt nach dem Absetzen bei vielen Kindern zurück. Möglicherweise ist es aber sinnvoll, nach einer Pause einen zweiten Versuch mit den Klingelgeräten zu starten. Die Eltern sollten versuchen, geduldig zu bleiben und ihrem Sprössling Zuversicht zu vermitteln. Wichtig ist, dass das Kind Selbstvertrauen zurückgewinnt und versteht, dass es nicht generell zu den "Nachzüglern" oder "Spätzündern" gehört. In anderen Dingen ist es sicherlich genauso gut oder sogar besser als andere Kinder.

Weitere Informationen:
Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V.


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