Wenn Äpfel, Birnen & Co. Bauchschmerzen machen

Fruktose-Unverträglichkeit

30.08.18 (ams). Bauchkrämpfe nach dem Genuss von Weintrauben, Blähungen nach dem Verzehr von Äpfeln oder Birnen? Nicht für jeden ist Obst gut und bekömmlich. Schätzungen - wie die der Verbraucherzentrale Hamburg - gehen davon aus, dass gut 20 Prozent der Bevölkerung hierzulande an einer sogenannten Fruktose-Malabsorption, einer Fruktose-Unverträglichkeit, leiden.

Eine solche Unverträglichkeit kann sich in jedem Alter entwickeln. Der Körper dieser Menschen baut Fruchtzucker nicht richtig ab. "Betroffene mit einer Fruktose-Intoleranz müssen meist jedoch nicht komplett auf Obst, Obstsäfte oder Süßigkeiten verzichten", sagt Kristin Pelz, Gesundheits- und Ernährungswissenschaftlerin im AOK-Bundesverband. "Vielmehr geht es darum, Lebensmittel so zu kombinieren, dass der Zucker keine Beschwerden verursacht."

Fruchtzucker (Fruktose) kommt in unterschiedlicher Konzentration in den meisten Obst- und einigen Gemüsesorten vor. Viel Fruchtzucker enthalten Weintrauben, Äpfel, Pflaumen oder getrocknete Feigen. Verträglicher sind da für viele Betroffene zum Beispiel Bananen oder generell Gemüse. Fruktose versteckt sich aber auch in Produkten ohne Fruchtanteil wie Softdrinks oder Fitnessriegeln, zum Beispiel in Form von Haushaltszucker, der zu 50 Prozent aus Fruchtzucker besteht. Da Fruktose ein billiger Rohstoff ist, findet man ihn immer häufiger auf der Zutatenliste von Lebensmitteln.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Kristin Pelz, Gesundheits- und Ernährungswissenschaftlerin im AOK-Bundesverband

Ernährungsumstellung, ohne Verzicht

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Wann vollständiger Verzicht nötig ist

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Bei gesunden Menschen wird der Zucker von den Dünndarmzellen vollständig aufgenommen und in den Körper weitergeleitet. Ist die Aufnahme aus dem Darm in die Blutbahn gestört (Malabsorption), funktioniert dieser Abbau nicht mehr. "Ursache ist die Fehlfunktion eines bestimmten Proteins, das für den Transport von Fruktose zuständig ist", erklärt Pelz. Die Folge: Der Fruchtzucker wird nur noch begrenzt oder gar nicht mehr von den Zellen der Dünndarmschleimhaut aufgenommen. Er wandert weiter in den Dickdarm und verursacht dort Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Druck- oder Völlegefühl, Blähungen und Durchfall. Auch Müdigkeit und Konzentrationsstörungen sind möglich.

Bei einer Fruchtzucker-Malabsorption wird auch Sorbit nicht vertragen. Grund dafür ist, dass Sorbit denselben Transportweg wie Fruchtzucker nimmt. Dadurch wird die Fruchtzuckeraufnahme in den Körper gehemmt und die Beschwerden werden verstärkt. Der Zuckeraustauschstoff Sorbit (E 420) wird zum Beispiel zuckerfreien Kaugummis zugesetzt oder kommt natürlich in Pflaumen und Birnen vor. Ob es sich um eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit handelt, kann der Arzt mit dem Wasserstoff-Atemtest feststellen: Dabei trinkt der Patient ein Gemisch aus Wasser und Fruktose. Danach wird über einige Stunden hinweg gemessen, wie hoch der Wasserstoffgehalt der Atemluft ist. Steigt die Konzentration des Wasserstoffs in der Atemluft über einen bestimmten Grenzwert an, liegt eine Fruktose-Malabsorption vor. Versicherte sollten mit ihrer Krankenkasse klären, ob diese die Kosten für einen solchen Test im Einzelfall trägt. "Bestätigt sich der Verdacht auf eine Fruktose-Unverträglichkeit, muss die Ernährung umgestellt werden. Das heißt aber nicht, dass künftig ganz auf Obst verzichtet werden muss. Nicht nur die absolute Fruktose- und Sorbitaufnahme spielen eine Rolle, wichtig ist auch die Zusammensetzung der Mahlzeit und wann gegessen wird", so Ernährungswissenschaftlerin Pelz. "Betroffene sollten sich unterstützend und begleitend an eine Ernährungsberatung wenden." Viele Krankenkassen bieten entsprechende Beratungen vor Ort an.

Die Ernährungsumstellung erfolgt stufenweise. Zunächst sollten Betroffene ein bis zwei Wochen komplett auf Speisen und Getränke mit Fruktose und auf Sorbit verzichten, damit der Darm zur Ruhe kommt. Danach können nach und nach wieder fruktosearme Lebensmittel gegessen werden, und zwar am besten in kleinen Portionen, um die individuelle Toleranzgrenze festzustellen. Nach zwei bis drei Monaten sollte der Speiseplan möglichst wieder ausgewogen und abwechslungsreich sein. Auch Obst kann wieder gegessen werden. Neben Bananen enthalten auch Papayas oder Mandarinen relativ wenig Fruchtzucker. „Wenn fruchtzuckerhaltige Lebensmittel mit Eiweiß wie Joghurt oder Quark oder Fett kombiniert werden, ist die Fruktose zudem bekömmlicher“, so AOK-Expertin Pelz. Geeignet sind auch Lebensmittel, die neben Fruktose Traubenzucker (Glukose) enthalten: Denn die Glukose kurbelt den Transport von Fruktose im Darm an. Sind beide im passenden Verhältnis enthalten (zum Beispiel in Bananen und Brokkoli), werden die Lebensmittel häufig besser vertragen. Weniger bekömmlich sind fruktosehaltige Lebensmittel jedoch, wenn sie auf nüchternen Magen verzehrt werden. Grundsätzlich gilt: Es ist erlaubt, was bekommt.

Doch nicht in jedem Fall reicht eine Einschränkung des Fruchtzucker-Konsums: Bei der eher selten auftretenden hereditären Fruktose-Intoleranz (HFI) - einer erblichen Störung des Fruktosestoffwechsels - sind fruchtzuckerhaltige Lebensmittel und Sorbit absolut tabu. Die HFI wird durch einen angeborenen Enzymdefekt ausgelöst und tritt bereits im Säuglingsalter auf, meist beim Übergang auf Beikost (Obst, Gemüse oder Honig).

Weitere Informationen gibt es beim Deutschen Allergie- und Asthmabund.


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