Familiencoach Depression: Online-Hilfe für Angehörige

ams-Serie „Patientenwissen“ (9)

27.09.18 (ams). Um Angehörige im Umgang mit depressiv erkrankten Familienmitgliedern oder Freunden zu unterstützen, bietet die AOK ein neues Online-Programm: Der "Familiencoach Depression" hilft Angehörigen von Betroffenen, mit häufigen Symptomen wie Freudlosigkeit oder Antriebslosigkeit gut umzugehen. Das Programm basiert auf den Inhalten von Psychoedukationskursen, die die Belastung der Angehörigen nachweislich senken können. "In vier Trainingsbereichen erfährt man, wie man seinen erkrankten Angehörigen, Freund oder Bekannten unterstützen und sich selbst vor Überlastung schützen kann", sagt Prof. Elisabeth Schramm vom Universitätsklinikum Freiburg, die das Programm in Zusammenarbeit mit der AOK entwickelt hat. Das interaktive Online-Programm ist für jeden Interessierten kostenfrei nutzbar.

Eine depressive Erkrankung eines nahestehenden Menschen verursacht oft hohe psychosoziale Belastungen, die die Lebensqualität, aber auch den Gesundheitszustand der Angehörigen beeinträchtigen können, betont Dr. Christiane Roick, stellvertretende Leiterin des Stabs Medizin beim AOK-Bundesverband. "Während Psychoedukationskurse für Patienten bereits zum Standardrepertoire der Versorgung gehören, sind entsprechende Kurse für die Angehörigen aber noch deutlich seltener", so Roick. Nur gut ein Drittel der psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken in Deutschland halte solche nachweislich wirksamen Angebote vor, und nur ein Fünftel der in Frage kommenden Angehörigen nutze sie. Gründe für die geringe Inanspruchnahme sind unter anderem Kurszeiten, die Berufstätigen eine Teilnahme erschweren, oder die Furcht vor einer Stigmatisierung der Angehörigen. Roick: "Diese Hürden können mit unserem Online-Programm, das in seiner Art und seinem Umfang bisher einmalig ist, sehr gut überwunden werden." Es erlaube einen anonymen sowie zeitlich und örtlich flexiblen Zugang zu den Informationen. AOK-Versicherte können ab Herbst 2018 zusätzlich an Experten-Videochats teilnehmen, in denen Prof. Elisabeth Schramm alle zwei Monate Fragen zum Familiencoach beantworten wird.

Wissenslücken und Vorurteile

Im "Deutschland-Barometer Depression" der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und der Deutsche Bahn Stiftung gaben 37 Prozent der Deutschen an, dass bei einem Angehörigen oder Bekannten von ihnen schon einmal die Diagnose Depression gestellt wurde. Die Studie habe zum Teil erhebliche Wissenslücken bei den Angehörigen gezeigt, berichtet Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: "So glaubt jeder dritte Angehörige fälschlicherweise, dass Depression ein Resultat von Charakterschwäche sei, während es bei den Betroffenen 22 Prozent der Befragten sind." Diese Vorurteile und Wissenslücken könnten dazu führen, dass Angehörige die Betroffenen nicht optimal unterstützten, so Hegerl weiter. Deshalb sei es wichtig, dass sie sich gut über die Erkrankung informieren könnten. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe begrüße das neue AOK-Angebot, das die Informationsangebote der Stiftung sinnvoll ergänze. "Wir haben die Konzeption im Projektbeirat begleitet und mit einem Experteninterview zum Umgang mit Suizidversuchen unterstützt", sagt Hegerl. Mit dem "Familiencoach Depression" ergänzt die AOK ihr Angebot von Online-Coaches. So gibt es bereits das Selbsthilfeprogramm "moodgym" zur Prävention und Linderung depressiver Symptome. Mit dem „ADHS-Elterntrainer“ hat die AOK zudem ein Hilfsangebot für Eltern in schwierigen Erziehungssituationen.