Kinder und Medikamente: Auf die Dosierung kommt es an

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

22.11.18 (ams). Ihr Kind ist krank und braucht Medikamente? Dann sollten Eltern nicht einfach eigene Tabletten halbiert oder geviertelt verabreichen oder Tropfen mal eben geringer dosieren. "Der Stoffwechsel und das Immunsystem arbeiten bei Kindern anders als bei Erwachsenen. Die Gefahr einer Über- oder Unterdosierung ist daher sehr groß, wenn Arzneimittel für Erwachsene ohne Angabe einer speziellen Kinderdosierung verordnet werden", sagt Tobias Lindner, Apotheker im AOK-Bundesverband. Eltern sollten deshalb immer ihren Arzt oder Apotheker fragen, bevor sie ihren Kindern Arzneimittel geben. Kinder unter 18 Jahren sind übrigens von allen Arzneimittelzuzahlungen befreit.

Um die Sicherheit der Medikamente für Kinder zu verbessern, gibt es seit 2007 eine EU-Verordnung für Kinderarzneimittel. Danach muss die Eignung eines neuen Medikaments auch für Kinder und Jugendliche durch Studien nachgewiesen werden. Spezielle Arzneimittel für Kinder gibt es beispielsweise im Bereich der Erkältungsmittel, zur Prophylaxe gegen Karies und gegen Rachitis. Diese Arzneimittel sind zum Teil extra gekennzeichnet, etwa durch einen großen Aufdruck: "Für Säuglinge“ oder "Für Schulkinder“.

Doch ein grundsätzliches Problem bleibt, so Lindner: "Die meisten Arzneimittel sind für Erwachsene konzipiert und nicht speziell für Kinder geprüft und zugelassen. Diese werden also oft mit Medikamenten behandelt, die gar nicht ausreichend für sie getestet sind." Bei der Verordnung von Medikamenten bleibt den Ärzten daher oft nur der Griff zur Medizin für Erwachsene. Das gilt vor allem im Bereich der Schmerzmittel und bei der Behandlung von Krebserkrankungen. Kinder- und Jugendärzte passen die Dosierung von bereits auf dem Markt befindlichen Medikamenten meist auf der Grundlage von Erfahrungswerten an. Zudem erkennt der Arzt oder Apotheker an der Konzentration des Wirkstoffs, ob sie für Kleinkinder oder Heranwachsende geeignet sind.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Tobias Lindner, Apotheker im AOK-Bundesverband

Arzneimittel für Kinder

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Dosierung der Medikamente

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Doch nicht immer halten sich die Eltern an die vom Arzt verschriebene Menge: Eine gemeinsame Studie der Uniklinik Erlangen und des Robert Koch-Instituts hat ergeben, dass mehr als jedes zehnte Kind zu Hause falsch behandelt wird. In zehn bis 15 Prozent der Fälle gaben Eltern das Medikament in einer zu niedrigen Dosierung - vermutlich im Glauben, ihr Kind damit weniger zu schädigen. Das ist jedoch gefährlich, weil durch die geringere Dosis die Wirkung des Medikaments ausbleiben kann. Neben der richtigen Dosierung kommt es auch auf Häufigkeit, Zeitpunkt und Dauer der Einnahme an. Manche Medikamente müssen vor den Mahlzeiten genommen werden, um ihre Wirkung optimal zu entfalten, andere während oder nach dem Essen - am besten mit viel Wasser.

Bei Dosierungsangaben mit Löffeln ist darauf achten, ob Tee- oder Esslöffel gemeint sind. Das Standardmaß für Teelöffel ist normalerweise 5 ml, für Esslöffel 15 ml. Bei Antibiotika ist es sehr wichtig, den vorgeschriebenen Zeitraum der Einnahme genau einzuhalten und nicht vorher abzubrechen, weil es dem Kind wieder besser geht. Denn werden Antibiotika zu häufig und zu niedrig dosiert gegeben, können sich Resistenzen bilden. Vorsicht geboten ist auch bei ätherischen Stoffen wie Menthol, Pfefferminz- oder Eukalyptusöl in Salben oder Balsam: Sie können bei Babys oder älteren Kindern mit Asthma gefährliche Atemnot auslösen. Einem Kind Medikamente zu verabreichen, ist nicht immer einfach. Vor allem kleine Kinder sind oft wenig einsichtig, machen den Mund nicht auf oder spucken die Arznei wieder aus. Da kann es helfen, das Medikament in Saft oder Tee zu geben oder unter ein Stück zerdrückte Banane zu mischen. "Damit Kindern die Medikamente besser verabreicht werden können, gibt es diese meist auch als Saft, Tropfen, Pulver oder Zäpfchen. Müssen es Tabletten oder Kapseln sein, sollten Eltern darauf achten, ob diese zerkleinert werden dürfen. Auch das Vermischen mit Lebensmitteln kann problematisch sein. Wer dazu Fragen hat, kann sich in der Apotheke beraten lassen", empfiehlt Lindner.

Ohren- und Nasentropfen oder Zäpfchen sollten in der Hand erst kurz vorgewärmt werden, dann empfindet das Kind sie als weniger unangenehm. Oft kann man die Kleinen auch gut ablenken: Zäpfchen lassen sich besser verabreichen, wenn das Kind ein spannendes Spielzeug in der Hand hat oder die Lieblingspuppe die gleiche Behandlung bekommt. Auch eine kleine Belohnung kann helfen. Haben Sie Ihrem Kind aus Versehen eine zu hohe Dosis gegeben, fragen Sie am besten beim Arzt oder in der Apotheke nach, was zu tun ist, rät Lindner Eltern. Haben Sie eine Dosis vergessen oder Ihr Kind hat das Medikament teilweise wieder ausgespuckt, geben Sie beim nächsten Mal auf keinen Fall die doppelte Menge. Stattdessen einfach das Medikament weiter nach Plan verabreichen und gegebenenfalls mit dem Arzt darüber sprechen. Generell ist es so, dass Kinder häufiger krank werden als Erwachsene, weil sich die Organe und das Immunsystem von Kindern noch entwickeln müssen. Ob immer Medikamente nötig sind, sollten Eltern im Einzelfall mit dem Arzt besprechen. Gerade Husten, Schnupfen, leichtes Fieber oder milder Durchfall können oft mit einfachen Hausmitteln behandelt werden. Meist klingen viele Krankheiten auch nach einer Weile von selbst ab. Medikamente sollten bei Kleinkindern jedenfalls immer nur auf ärztlichen Rat gegeben werden.

 

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