Das hilft, wenn Divertikel Beschwerden machen

Ausstülpungen im Darm

22.11.18 (ams). Sie sind klein, ballonförmig und wölben sich durch Schwachstellen in der Darmwand nach außen: die Divertikel. In den meisten Fällen sind sie harmlos, können aber zu Darmbeschwerden und Schmerzen führen. Die gute Nachricht ist: "Divertikel, die keine Beschwerden machen, müssen nicht behandelt werden. Und manchmal kann schon eine Ernährungsumstellung Verdauungsprobleme lindern," sagt Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband.

Schmerzen im linken Unterbauch, eventuell leichtes Fieber, Verstopfung, Durchfall, Blähungen, Übelkeit, manchmal auch Krämpfe: Diese Symptome können auf Probleme durch Divertikel, eine Divertikelkrankheit, hinweisen. Die Beschwerden verschwinden oft vorübergehend, können aber auch von Dauer sein. Häufig sind sie nach dem Essen stärker, nach dem Stuhlgang dagegen schwächer.
Dass Divertikel zu Verdauungsproblemen und manchmal auch ernsten Komplikationen führen können, ist wenig bekannt, obwohl nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) etwa die Hälfte der Menschen über 70 Jahre solche Ausstülpungen hat. Bei den unter 50-Jährigen ist es nur jeder Zehnte.

Je nach Symptomatik lassen sich solche Ausstülpungen des Darms nochmal unterscheiden  in Divertikulose, Divertikelkrankheit und Diverkulitis. Bei der Divertikulose wölbt sich die Darminnenwand an mehreren Stellen nach außen. Die Ausstülpungen bereiten jedoch keine Beschwerden. Wenn die Divertikel Beschwerden machen oder zu Komplikationen führen, handelt es sich um die Divertikelkrankheit. Entzünden sich die Ausstülpungen, spricht man von Divertikulitis.

Schwache Darmmuskulatur

Divertikel entstehen an Stellen, wo die Darmmuskulatur schwächer ist. Meist bilden sie sich im Sigma, einem etwa 40 bis 45 Zentimeter langen Abschnitt des Dickdarms. In diesem s-förmigen Bereich vor dem Mastdarm ist der Druck des Stuhls auf die Darmwand am höchsten. Manche Menschen sind erblich bedingt anfälliger für solche Ausstülpungen. Ein schwaches Bindegewebe und gestörte Darmbewegungen sind weitere Risikofaktoren. Auch ältere sowie stark übergewichtige Menschen haben häufiger eine Divertikulose. Neben der genetischen Veranlagung können auch der Lebensstil und die Ernährung eine Rolle spielen. So kann eine ballaststoffarme Ernährung zu Verstopfung und festem Stuhl führen, was den Druck auf die Darmwände erhöht. Auch der Verzehr von viel rotem Fleisch wie Rind oder Schwein sowie Rauchen und zu wenig Bewegung kommen in Frage. Um auszuschließen, dass es sich um eine andere Erkrankung mit ähnlichen Symptomen handelt, erkundigt sich der Arzt unter anderem nach Vorerkrankungen und der Einnahme von Medikamenten und nimmt eine körperliche Untersuchung vor. Außerdem werden Blut und Urin überprüft, häufig wird eine Ultraschalluntersuchung gemacht. Bei unklarer Lage kann auch eine Computertomografie oder eine Darmspiegelung erfolgen.

Bei einer leichten, unkomplizierten Divertikelkrankheit helfen oft schon eine Ernährungsumstellung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr, um die Verdauungsbeschwerden zu lindern. Dabei wird vor allem auf ballaststoffreiche Kost wie Obst, Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchte gesetzt. Sie macht den Stuhl weicher, voluminöser und regt die Verdauung an. Dadurch gelangt er schneller durch den Darm und der Druck auf die Darmwand nimmt ab. Auch körperliche Bewegung regt die Verdauung an; ob sie Beschwerden vorbeugen kann, ist bislang aber unklar. Haben sich die Divertikel entzündet, sind regelmäßige ärztliche Kontrollen ratsam, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Bei einem unkomplizierten Verlauf kann dann auf eine Antibiotikatherapie verzichtet werden.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband

Divertikel und mögliche Folgen

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Mögliche Ursachen der Ausstülpungen

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Durchbruch des Darms ist selten

Wenn bereits Eiteransammlungen (Abszesse) bestehen oder sich die Entzündung weiter ausbreitet, sind Antibiotika notwendig. Können die Antibiotika die Entzündung nicht eingrenzen, kann eine Operation notwendig sein, um schwere Komplikationen wie einen Darmdurchbruch (Perforation) oder eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) zu vermeiden. In seltenen Fällen kommt es zu einem Durchbruch des Darms, dann muss sofort operiert werden. Bei manchen Menschen entzünden sich die Divertikel immer wieder. Rund jeder fünfte Betroffene erkrankt in den Jahren nach der Behandlung noch mindestens einmal neu daran.

Das Risiko für Komplikationen ist bei der ersten Divertikulitis jedoch am höchsten. Bei wiederkehrenden Entzündungen sinkt das Risiko deutlich. Ihre Folgen sind vor allem chronische Beschwerden wie Stuhlunregelmäßigkeiten, Blähungen und Bauchschmerzen. Aus Divertikeln entwickelt sich jedoch kein Darmkrebs. Dieser entsteht aus Darmpolypen. Das sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, die sich zu einem bösartigen Tumor entwickeln können. Früher vermutete man, dass Rückstände von bestimmten Nahrungsmitteln wie Nüssen, Körnern, Mais oder Popcorn in den Divertikeln stecken bleiben und die Entzündungen begünstigen. Das ließ sich in Untersuchungen jedoch nicht nachweisen.


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