Sprach- und Bewegungstherapien bei Schulanfängern leicht rückläufig

Heilmittelbericht 2018

20.12.18 (ams). Bei Kindern zwischen fünf und sieben Jahren hat die Zahl der diagnostizierten Entwicklungsstörungen in den vergangenen zehn Jahren zugenommen (plus 26,5 Prozent). Der Anteil der Kinder mit einer Logo- oder Ergotherapie nahm im gleichen Zeitraum allerdings nur um 8,2 Prozent zu und ist seit 2015 sogar leicht rückläufig. Das sind Ergebnisse des Heilmittelberichts 2018 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Der Heilmittelbericht zeigt darüber hinaus, dass Jungen und Mädchen unterschiedlich häufig Therapien verordnet bekommen: So wurden 2017 10,7 Prozent der fünf- bis siebenjährigen Mädchen mit einer diagnostizierten Entwicklungsstörung therapeutisch begleitet, bei den Jungen waren es hingegen 17,8 Prozent.

"Es ist unklar, ob die gestiegene Rate an dokumentierten Entwicklungsstörungen tatsächlich auf einen sich verschlechternden Entwicklungsstand der Kinder zurückzuführen ist. Denn gleichzeitig wandeln sich die Anforderungen von Schule und Elternhaus an die Kinder sowie das ärztliche Diagnoseverhalten und die Therapiemöglichkeiten", so Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO.

2,47 Millionen Behandlungssitzungen

Die rund 100.600 AOK-versicherten Kinder im Alter von fünf bis sieben Jahren durchliefen 2017 zusammen rund 2,47 Millionen Behandlungssitzungen: Im Durchschnitt also 24,6 Behandlungen pro jungem Patient. Dieser Wert liegt sogar über dem Durchschnitt von 21,3 Behandlungen pro AOK-versichertem Patient. Deshalb sollte immer auch im Blick behalten werden, dass junge Kinder, die den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule meistern müssen, zeitlich nicht zu stark belastet werden. "Obwohl Sprach- und Ergotherapien Kindern helfen können, Defizite in der kindlichen Umwelt zu bewältigen, sollten die Möglichkeiten von Elternhaus, Kindergärten und Schulen beim Vorbeugen von Entwicklungsstörungen nicht unterschätzt werden", sagt Schröder.

37,2 Millionen Heilmittelrezepte analysiert

Für den Heilmittelbericht 2018 hat das WIdO die über 37,2 Millionen Heilmittelrezepte analysiert, die im Jahr 2017 für die rund 71,4 Millionen gesetzlich Krankenversicherten ausgestellt wurden. Heilmittel umfassen ergotherapeutische, sprachtherapeutische, podologische und physiotherapeutische Leistungen, die im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung mit den Krankenkassen abgerechnet werden.

 

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