Hämorrhoiden: Beschwerden nicht einfach „aussitzen“

Durch Ernährung und Bewegung vorbeugen

29.01.19 (ams). Niemand redet gerne über sie, aber jeder hat welche: Hämorrhoiden sind gut durchblutete Gefäßpolster im Enddarm, die zusammen mit dem Schließmuskel dafür sorgen, dass sich der Darm nicht unkontrolliert entleert. Sie haben also eine wichtige Funktion und bleiben in der Regel im Verborgenen. Unangenehm wird es, wenn sie sich vergrößern: Typische Symptome sind starker Juckreiz, Brennen und Nässen am After, manchmal kommt es auch zu Blutungen. Ein Problem, das hierzulande weit verbreitet ist.
Laut Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) leidet etwa die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland unter Beschwerden an den Hämorrhoiden. Doch den meisten ist das Thema peinlich. Deshalb versuchen sie oft, ihre Beschwerden in Eigenregie zu kurieren. Dabei ist ein Arztbesuch weitaus wirkungsvoller und außerdem wichtig, um andere, schwerere Krankheiten auszuschließen. "Beschwerden mit den Hämorrhoiden werden in vier Schweregrade unterteilt. Bei der leichtesten Variante sind die Hämorrhoiden nur leicht vergrößert und von außen nicht sichtbar. Bei Grad 2 treten sie beim Stuhlgang aus dem After heraus, gleiten dann aber wieder von selbst zurück. Bei Grad 3 bleiben die Hämorrhoiden außerhalb, können aber manuell zurückgeschoben werden, bei Grad 4 sind sie dauerhaft ausgetreten", erklärt Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband. Je größer die Hämorrhoiden, desto stärker sind meist die Beschwerden. Dabei können sie ein Druck- oder Fremdkörpergefühl im Analbereich verursachen und das Sitzen sehr unangenehm machen.

 


Sendefertige Radio-O-Töne mit Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband

Tipps, um vorzubeugen

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Mögliche Ursachen

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Bei Blut im Stuhl immer zum Arzt

Ausgelöst wird die Vergrößerung durch einen erhöhten Druck auf das letzte Stück des Enddarms. Begünstigend wirken dabei starkes Pressen beim Stuhlgang, Abführmittelmissbrauch, chronischer Durchfall, eine angeborene Bindegewebsschwäche sowie Schwangerschaft und Entbindung. Auch das Heben schwerer Lasten, Übergewicht und der normale Alterungsprozess gelten als Risikofaktoren. "Wer Beschwerden hat, sollte die Symptome ärztlich untersuchen lassen. Blut im Stuhl sollte jedoch grundsätzlich von einem Arzt abgeklärt werden", rät Ärztin Debrodt. Dabei schaut sich der Arzt den After und die umliegende Haut an und versucht, die Hämorrhoiden mit dem Finger zu ertasten. Bei einem Verdacht auf vergrößerte Hämorrhoiden folgt meist noch eine Enddarmspiegelung (Proktoskopie), bei der die Schleimhaut des Enddarms untersucht wird. Diese Untersuchung dauert nur wenige Minuten und tut nicht weh. Die Behandlung hängt davon ab, wie groß die Hämorrhoiden und wie stark die jeweiligen Beschwerden sind. "Im Anfangsstadium reicht es oft aus, sich anders zu ernähren. Ballastreiche Kost mit viel Obst und Gemüse sorgt für einen weicheren Stuhlgang. Dazu täglich ein bis zwei Liter trinken", empfiehlt Debrodt. Wichtig ist auch, auf die eigenen Körpersignale zu achten und den Gang auf die Toilette nicht zu lange aufzuschieben. Beim Stuhlgang sollte man auf keinen Fall stark pressen. Eine große Rolle spielt auch die Hygiene: Der After muss nach dem Toilettengang sorgfältig gereinigt und anschließend abgetrocknet werden. Waschlotionen oder Feuchttücher sind nicht geeignet, da sie oft Stoffe enthalten, die die Haut reizen. Erleichterung verschaffen auch Sitzbäder, am besten mit klarem Wasser. Daneben helfen entzündungshemmende Salben und Pasten mit Zink oder pflanzlichen Wirkstoffen wie Hamamelis oder Aloe vera. Bei stärkeren Beschwerden werden auch schon mal Salben verschrieben, die die Haut örtlich betäuben oder kortisonhaltig sind. Diese sollten aber nur für einen begrenzten Zeitraum angewendet werden.

Viel Bewegung in den Alltag integrieren

Ganz wichtig ist ausreichend Bewegung: Täglich 30 Minuten spazieren gehen hält den Darm auf Trab. Wer dafür keine Zeit hat, sollte möglichst viel Bewegung in seinen Alltag bringen und häufiger die Treppe als den Fahrstuhl benutzen. Sinnvoll ist außerdem Beckenbodentraining. Sind die Beschwerden stärker, kommen andere Therapien zum Einsatz: Bei Hämorrhoiden 1. und 2. Grades kommt eine Verödungstherapie in Frage. Bei Grad 2 und 3 kann eine Gummibandligatur helfen. Dabei werden die Hämorrhoiden abgebunden, sodass sie nach einiger Zeit abfallen. Bei fortgeschrittenen Hämorrhoiden (Grad 3 und 4) kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Abhängig vom Beschwerdebild stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Bei diesen Verfahren werden die Hämorrhoiden vollständig entfernt (Hämorrhoidektomie) und heilen entweder offen oder werden vernäht. Beim Verfahren nach Stapler werden die Hämorrhoiden oberhalb des Schwellpolsters entfernt und  in ihre anatomische Lage zurückgedrängt. Danach erfolgt eine Raffung der Schleimhaut. Alle Operationen sind mit Bedacht zu erwägen, da sie vielfältige Nebenwirkungen mit sich bringen können (Nachblutungen, Wundheilungsstörungen, Stuhlinkontinenz, Analstenose). Auch Rezidive können auftreten, wenn auch seltener als bei den kleineren ambulanten Eingriffen. Welches Verfahren in Frage kommt, sollte gemeinsam mit dem Arzt entschieden werden. Eine operative Therapie, so die AWMF, ist aber nur in etwa fünf Prozent der Fälle nötig.

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