Versicherte werden zu wenig über Nutzen und Nachteile aufgeklärt

Untersuchungen zu Krebs-Früherkennung

25.03.19 (ams). Zu selten und oft nicht umfassend genug: Eine aktuelle repräsentative Befragung für den "Versorgungs-Report Früherkennung" des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt, dass viele Versicherte in der Arztpraxis nicht optimal über den Nutzen, aber auch nicht über mögliche Nachteile von Untersuchungen zur Krebs-Früherkennung aufgeklärt werden. Befragt wurden für die Studie des WIdO mehr als 2.000 gesetzlich Versicherte über 18 Jahren. Nur etwa 55 Prozent der befragten Frauen, die an der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs teilgenommen hatten, geben an, über die Vorteile des Screenings informiert worden zu sein. Noch geringer war mit 25 Prozent der Anteil der Frauen, die Informationen über mögliche Nachteile der Untersuchung wie falsch positive Befunde erhielten. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der Darmkrebs-Vorsorge: Die Information über die Nachteile der Darmspiegelung (36 Prozent) erfolgt wesentlich seltener als die Aufklärung über den Nutzen der Untersuchung (75 Prozent). Nur bei der Brustkrebs-Früherkennung war das Verhältnis ausgewogen: Jeweils etwa die Hälfte der teilnehmenden Frauen berichtete, dass sie über Nutzen beziehungsweise Nachteile aufgeklärt worden seien. "Die Befragungsergebnisse zeigen, dass die Voraussetzungen für eine informierte Entscheidung der Versicherten oft fehlen", sagt Professor Norbert Schmacke, Mitherausgeber des Reports. "Ärzte dürfen Fragen oder Bedenken ihrer Patienten, zum Beispiel zu möglichen Fehlalarmen durch falsche Befunde, nicht einfach wegwischen." Die Befragung zeigt, dass sich die Versicherten vor allem per Internet über das Thema Früherkennung informieren. Dies geben 51 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer an. Eine fast ebenso große Rolle spielt der Hausarzt: 40 Prozent der befragten Frauen und 50 Prozent der Männer nennen ihn als Informationsquelle. "Bei der Förderung der informierten Entscheidung sind die Ärztinnen und Ärzte besonders gefragt", sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. "Sie sollten sich noch stärker als bisher mit dem Nutzen, aber auch den möglichen Risiken und Nachteilen der Früherkennung auseinandersetzen und diese ihren Patienten vermitteln."

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Neben Defiziten bei der Aufklärung verdeutlicht der "Versorgungs-Report Früherkennung“ auch, wie viele AOK-Versicherte regelmäßig zu den Früherkennungs-Untersuchungen gehen. So nahmen 78 Prozent der Versicherten über 60 zwischen 2007 und 2016 entweder den Stuhltest, die Darmspiegelung (Koloskopie) oder die Beratung zur Darmkrebs-Früh-
erkennung in Anspruch. "Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass jeder Fünfte ältere Anspruchsberechtigte im Zeitraum von zehn Jahren überhaupt nicht vom Darmkrebs-Screening erreicht wurde", sagt Christian Günster, Leiter des Bereichs Qualitäts- und Versorgungsforschung beim WIdO. An der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs nahmen im gleichen Zeitraum 85 Prozent der anspruchsberechtigten Frauen zwischen 30 und 49 Jahren regelmäßig teil. 15 Prozent ließen die Untersuchung dagegen nur selten (in einem oder zwei der zehn Jahre) oder gar nicht durchführen. Bei der Brustkrebs-Früherkennung per Mammografie wurden die Zeiträume von 2007 bis 2009 und 2014 bis 2016 verglichen, um ein realistisches Bild der Teilnahme im Zeitverlauf zu zeichnen. In diesem Zeitraum stieg der Anteil der Frauen, die eine Mammografie erhielten, um fünf Prozentpunkte auf 61 Prozent an. Gleichzeitig belegt die Auswertung, dass 22 Prozent der anspruchsberechtigten Frauen von 60 bis 69 Jahren zwischen 2007 und 2016 gar nicht an der Mammografie teilnahmen. So gibt jede fünfte Frau, die nach eigenen Angaben nicht zur Mammografie gegangen ist, grundsätzliche Ablehnung als Grund an. Im Falle der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs spielt Ablehnung dagegen nur bei sechs Prozent der Nichtteilnehmerinnen eine Rolle, im Falle der Darmkrebs-Vorsorge nur bei fünf Prozent der Nichtteilnehmer. Bei diesen beiden Untersuchungen nennen die Befragten sehr viel häufiger die Beschwerdefreiheit als Begründung für die Nichtteilnahme (45 Prozent bei Gebärmutterhalskrebs und 44 Prozent bei Darmkrebs), während diese Begründung bei der Mammografie deutlich seltener gegeben wird. AOK-Vorstand Martin Litsch begrüßt in diesem Zusammenhang die Einführung eines organisierten Einladungswesens für die Darmkrebs-Vorsorge ab Juli 2019 und für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs ab 2020.


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