Wenn Schulter und Handgelenke Ruhe brauchen

Sehnenscheidenentzündung

25.06.19 (ams). Wenn das Handgelenk stark schmerzt, und sich rötet, kann dahinter eine Sehnenscheidenentzündung stecken. Ursache ist meist eine Überlastung der betroffenen Regionen an Armen und Handgelenken: langes Arbeiten am PC, intensives Klavier- beziehungsweise Geigenspiel oder monotone handwerkliche Tätigkeiten können Sehnen und Sehnenscheiden so stark belasten, dass sie sich entzünden. In der Regel lässt sich das Problem mit Schonung, Schmerzmitteln und Krankengymnastik in den Griff bekommen. Sehnen verbinden Knochen und Muskeln miteinander. An besonders stark beanspruchten Stellen, wie Handgelenk, Schulter, Sprunggelenk oder Achillessehne, werden sie von einer Schutzhülle, der sogenannten Sehnenscheide, umgeben. Diese ist mit Flüssigkeit gefüllt, um die hin und her gleitenden Sehnen vor Reibung zu schützen. Wird die Sehne zu stark beansprucht, kann sie sich entzünden, schwillt an und reibt dann ständig an der Schutzhülle. Dadurch wird sie weiter beansprucht – ein Teufelskreis beginnt. Dauern die Beschwerden länger an, sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden, da die Schmerzen sonst chronisch werden können. "Typische Auslöser einer Sehnenscheidenentzündung sind neben häufigem Arbeiten mit PC und Maus auch Sportarten wie Klettern, Tennis und Golf oder Bewegungen, die der Körper nicht gewohnt ist", sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband. Auch häufiges Tippen auf dem Smartphone oder ausgedehntes Üben auf einem Musikinstrument kann die Sehnen in den Gelenken von Hand und Fingern belasten. Am Anfang schmerzt es meist nur bei Bewegung, später dann oft auch in Ruhephasen, zum Beispiel nachts.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband

Wer besonders betroffen ist

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Mögliche Anzeichen

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Belastungsspitzen meiden - Bewegunsabläufe verändern

Damit sich die Entzündung nicht verschlimmert, müssen die betroffenen Stellen daher geschont und entsprechende Bewegungen möglichst vermieden werden. Ist der schmerzende Bereich angeschwollen, gerötet und warm, sollte er gekühlt werden - dabei die Kühlkompressen immer nur kurz und nie direkt aus dem Eisfach auf die Haut legen, sondern mit einem Tuch umwickeln, damit die Haut nicht geschädigt wird. Spezielle Schienen helfen dabei, das Hand- oder Fußgelenk ruhig zu halten, oft werden auch entzündungshemmende Schmerzmittel gegeben. Um Handgelenk und Finger zu entlasten, eignen sich Massagen und gezielte Krankengymnastik. Meist heilt eine Sehnenscheidenentzündung (lat. Tendovaginitis) binnen weniger Wochen ab, wenn die entsprechende Stelle geschont wird. Eine Operation ist nur in den seltensten Fällen notwendig. Um zu vermeiden, dass das Problem wieder auftaucht, sollte man Belastungsspitzen meiden und seine Bewegungsabläufe verändern. Bei häufigem Arbeiten am PC helfen zum Beispiel eine möglichst flache Tastatur und spezielle Polster, die das Handgelenk entlasten. Statt der Maus können zwischendurch auch mal die Tastenkombinationen auf der Tastatur benutzt werden, um den Zeigefinger zu entlasten. Sinnvoll ist auch, auf eine ergonomisch geformte Maus umzusteigen. Um die Monotonie der Bewegung zu unterbrechen, helfen Dehnungsübungen für die Handgelenke oder Fingerübungen. Vorbeugend sollte eine Stützbandage nur bei Belastungsspitzen und nicht dauerhaft getragen werden. Es gibt auch nicht-mechanische Ursachen für eine Sehnenscheidenentzündung - zum Beispiel Rheuma oder Änderungen im Hormonhaushalt. So kann bei Schwangeren die erhöhte Flüssigkeitseinlagerung die Sehnenscheidengänge vorübergehend verengen, was dann möglicherweise zu Beschwerden führt. Einige Zeit nach der Entbindung verschwinden diese Symptome dann meistens wieder. Bei rheumatisch bedingten Beschwerden kommen Medikamente zum Einsatz.


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