Prosit mit Risiko

Dem Ungeborenen zuliebe: Kein Alkohol in der Schwangerschaft

25.06.19 (ams). Alkohol in der Schwangerschaft: Dass das keine gute Kombination ist, wissen 85 Prozent der Deutschen. Trotzdem hält sich hartnäckig der Glaube, dass ein gelegentliches Gläschen nicht schadet. Fakt aber ist: Jeder Alkoholkonsum werdender Mütter kann das Ungeborene schwer schädigen. Zu den Folgen gehören Wachstumsstörungen, Gesichtsveränderungen und Auffälligkeiten des zentralen Nervensystems. In Deutschland haben jährlich 10.000 Kinder schon bei ihrer Geburt alkoholbedingte Schäden, über 2.000 haben schwere Entwicklungsstörungen. Dennoch trinkt hierzulande jede fünfte Frau auch während der Schwangerschaft Alkohol. Es gibt keine genauen Erkenntnisse, wie viel Alkohol noch unschädlich für das Baby sein könnte und ab wann die Gesundheit und Entwicklung des Kindes gefährdet sind. Das hängt von vielen verschiedenen Faktoren wie dem Alkoholstoffwechsel der Mutter, der Menge des konsumierten Alkohols sowie dem Entwicklungsstadium des Feten zusammen. "Was wir wissen ist, dass auch vermeintlich geringer Alkoholkonsum in der Schwangerschaft dem Ungeborenen schadet. Das Ziel ist daher, gar keinen Alkohol während der Schwangerschaft zu trinken, um die Gesundheit des werdenden Kindes nicht zu gefährden", sagt Dr. Astrid Maroß, Ärztin im AOK-Bundesverband. Während der Schwangerschaft wird das Kind über die Nabelschnur mit allen notwendigen Nährstoffen von der Mutter versorgt. Jeder Tropfen Alkohol, den die werdende Mutter trinkt oder zum Beispiel durch eine alkoholhaltige Speise zu sich nimmt, erreicht binnen weniger Minuten auch den Blutkreislauf des Kindes. "Alkohol ist ein Zellgift. Er hemmt die Zellteilung und Organbildung. Außerdem beeinträchtigt er die Hirnentwicklung und ist eine häufige Ursache für spätere Verhaltens­auffälligkeiten beim Kind", so Ärztin Maroß weiter.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Dr. Astrid Maroß, Ärztin im AOK-Bundesverband

Wie viel Alkohol ist noch unschädlich?

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Folgen von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft

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Die Schädigungen reichen von Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) bis zum Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms (FAS). Kinder mit FASD können in ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung dauerhaft stark beeinträchtigt sein. Das FAS ist die häufigste Ursache einer geistigen Behinderung - noch vor dem Down-Syndrom und der Spina bifida ("offener Rücken"). Die Schäden sind unumkehrbar. Weniger als zehn Prozent der Kinder mit FAS sind später in der Lage, ein selbstständiges Leben zu führen, 20 bis 40 Prozent werden später selbst alkoholabhängig. Um auf Nummer sicher zu gehen, hilft daher nur eins: Kein Tropfen Alkohol während der Schwangerschaft. Das gilt auch in der Stillzeit.

Frauen, die bereits riskant trinken oder alkoholabhängig sind, bevor sie schwanger werden, benötigen eine sensible und nicht-stigmatisierende Hilfe, um ohne Alkohol durch die Schwangerschaft zu kommen. Die moralisierende oder beschämende Aufforderung, nichts zu trinken, hilft in diesen Fällen nicht weiter. Ärzte und Hebammen wissen, wer in der Region professionelle medizinische oder psychologische Hilfe geben kann. Verantwortung für das ungeborene Kind tragen natürlich auch die Väter und das Umfeld - sie können Abstinenz vorleben und unterstützen.

Freundlich ablehnen statt überreden lassen

Was aber, wenn man schwanger ist, noch nichts davon weiß und dann Alkohol trinkt? In der Regel gilt in den ersten zwei Wochen das Alles-oder-Nichts-Prinzip. Eine erfolgreiche Einnistung nach etwa 14 Tagen bedeutet auch, dass die sich teilende Eizelle bis dahin alles gut überstanden hat.  Erst ab dann wird der Embryo über den Blutkreislauf der Mutter mit Nährstoffen versorgt. Nicht immer wollen werdende Mütter ihre Schwangerschaft gleich öffentlich machen. Das kann bei geselligen Anlässen manchmal schwierig werden, wenn einen andere zu einem Gläschen auffordern. "Lassen Sie sich nicht überreden, sondern lehnen freundlich ab", empfiehlt Ärztin Maroß. Beispielsweise mit unverfänglichen Formulierungen wie "Nein danke. Ich möchte morgen fit sein." oder "Ich bin mit dem Auto hier und trinke nichts, wenn ich fahre.". Will das Gegenüber das Nein partout nicht akzeptieren, sollte man die Situation verlassen und weggehen. Alternativ oder wenn man nicht ganz auf den Geschmack von Bier oder Wein verzichten möchte, lässt sich auch auf alkoholfreie Biere, Weine oder Sekt ausweichen. Beim Kauf sollte man dabei immer auf den Hinweis "0,0 Promille" achten. Außerdem gibt es jede Menge Rezepte für leckere alkoholfreie Cocktails.

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