Weniger kann mehr sein: So fühlen sich die Kleinen wohl

Babyhaut pflegen

25.07.19 (ams). Babyhaut ist bis zu fünfmal dünner und viel empfindlicher als die Haut von Erwachsenen. Reibung, Kälte oder Wärme sowie Zusatzstoffe in Pflegeprodukten können die zarte Haut reizen und damit die Besiedlung von Keimen fördern. Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband, gibt Tipps, was beim Reinigen, Trocknen und Cremen zu beachten ist - damit sich das Baby wohl in seiner Haut fühlt. Wie oft baden? Mit klarem Wasser oder mit Badezusatz? Eincremen oder nicht? Frisch gebackene Eltern sind oft unsicher, wie sie ihr Baby pflegen sollen. "Die Haut des Babys ist noch nicht so weit entwickelt wie die eines Erwachsenen, deshalb muss sie sanft gepflegt werden", betont Ärztin Debrodt. Die Babyhaut ist drei- bis fünfmal dünner als die eines Erwachsenen, Talg- und Schweißdrüsen sind noch nicht vollständig ausgereift. Daher trocknet die Babyhaut schneller aus, ist reizempfindlicher und Krankheitserreger können eher eindringen. Deshalb ist schon mal klar: Duftende Schaumbäder, Seifen, Duschgels und Bodylotionen von Mama und Papa gehören nicht auf die Haut ihres Nachwuchses. "Kosmetikartikel für Erwachsene enthalten Inhaltsstoffe wie Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe, die die empfindliche Babyhaut irritieren und Allergien fördern", betont Debrodt. Auch Seifen sind tabu: "Sie haben einen zu hohen pH-Wert, trocknen die Haut aus und können zu Irritationen, Juckreiz und Rötungen führen."


Sendefertige Radio-O-Töne mit Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband

Darauf kommt es bei der Pflege an

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Worauf man bei Cremes achten sollte

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Wasser reicht aus

Ist ein Zusatz beim Waschen oder Baden bei Babys überhaupt nötig? "Wasser reicht", sagt AOK-Ärztin Debrodt. "Eltern können aber auch milde, auf die Babyhaut abgestimmte Waschgele verwenden." In einer aktuellen Empfehlung führen deutsche und europäische Hautärztinnen und Hautärzte neue Studien an, die belegen, dass solche Zusätze der Babyhaut zumindest nicht schaden. Ob mit oder ohne Zusatz, das steht den Eltern also frei - wobei Wasser ohne Frage die preiswertere und umweltfreundlichere Alternative ist. Schon stolpern Eltern über die nächste Frage: Waschlappen oder Wannenbad? In den aktuellen Empfehlungen, die sich auf Studien berufen und damit evidenzbasiert sind, betonen die internationalen Hautexperten: Baden schadet nicht. Im Gegenteil: Es gibt Hinweise, dass Baden sogar schonender ist als das Waschen mit einem Waschlappen. Möglicherweise deshalb, weil beim Waschen der mechanische Abrieb stärker ist. Oft heißt es, dass ein- bis zweimal die Woche Baden reicht, doch die Empfehlung der Autoren lautet: Mindestens zwei- bis dreimal die Woche das Baby in die Baby-Badewanne setzen. Auch weil das Planschen im Wasser den meisten Säuglingen das größte Vergnügen bereitet und zudem als abendliches Ritual das Einschlafen fördern kann.

Dabei sind allerdings ein paar Regeln zu beachten:

  • Die Wassertemperatur sollte bei 37 Grad liegen, die Raumtemperatur bei 21 bis 24 Grad.
  • Die Badezeit sollte fünf bis zehn Minuten betragen.
  • Das Wasser sollte nur bis zur Hüfte des sitzenden Babys reichen.
  • Das Baby beim Baden nicht allein lassen.
  • Nach dem Baden das Baby sofort mit einem Handtuch bedecken und trockentupfen, danach sofort anziehen. Babys kühlen schneller aus, weil das Fettgewebe in der Unterhaut noch nicht voll entwickelt ist.
  • Gerade bei hohem Härtegrad des Wassers können rückfettende Waschzusätze für Babys verwendet werden.

Im Anschluss an das Baden stellt sich schon die nächste Frage: Soll ich mein Baby nach dem Baden oder Waschen eincremen? Babycremes oder -lotionen können die Barrierefunktion der Haut stärken, heißt es in den Expertenempfehlungen. In Studien haben sich positive Effekte von Hautpflegemitteln sowohl bei Babys mit gesunder Haut als auch bei Babys mit Hautproblemen gezeigt. Deshalb lautet die Empfehlung der internationalen Hautexperten: mindestens zweimal die Woche cremen. "Damit die Haut nicht zu sehr abgedichtet wird, sollte man die Creme oder Lotion nur dünn auftragen und auch in den Hautfalten gut verteilen", so der Rat der AOK-Expertin Debrodt. Zudem gilt es, die Hautpflege an die Jahreszeit anzupassen: "Während im Winter das Gesichtchen mit einer Fettcreme gegen Wind und Kälte geschützt werden sollte, muss im Sommer die Creme nicht so reichhaltig sein." Anstelle einer Creme oder Lotion kann auch Babyöl die zarte Haut des Säuglings vor Austrocknung schützen. Allerdings raten die Autoren der Empfehlung ausdrücklich davon ab, zu pflanzlichen Ölen aus der Küche zu greifen. Sie sind heterogen zusammengesetzt und verändern sich chemisch mit der Zeit, deshalb sollten Eltern pharmazeutische Öle benutzen, die eine gleichbleibende Qualität garantieren. Ein bisschen Babyöl eignet sich übrigens auch gut für das Badewasser oder für eine Babymassage.

PFLEGEPRODUKTE FÜR BABYS

Wenn Eltern Cremes, Badezusätze und Feuchttücher bevorzugen, sollten folgende Punkte beachtet werden:

Die Produkte sollten ...
... speziell für die Babyhaut entwickelt sein.
... keine Farb-, Duft- oder Zusatzstoffe enthalten.
... dermatologisch getestet sein.
... möglichst pH-neutral sein, der pH-Wert der Haut liegt bei 5,5.

BABYS UND SONNENSCHUTZ

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt:
In den ersten zwölf Lebensmonaten das Kind möglichst gar nicht der direkten Sonne aussetzen.
Immer einen Schattenplatz auswählen.
Auch Sonnenschutz wie Schirm oder Verdeck in der prallen Sonne meiden, damit das Kind sich nicht überhitzt.
Im ersten Lebensjahr möglichst kein Sonnenschutzmittel verwenden.

Der Po des Babys ist besonders empfindlich

"Eine Massage ist nicht nur gut für die Entwicklung der Haut, sondern entspannt das Baby und lässt es zur Ruhe kommen", so Medizinerin Debrodt. Der Po ist eine besonders sensible Region, denn das feuchtwarme Klima unter der Windel lässt die Haut aufquellen und macht sie empfindlicher gegen Reibung. Hautschädigende Stoffe aus Urin und Stuhl laugen die Haut zusätzlich aus, Säureschutzmantel und Barrierefunktion der Haut werden angegriffen, so dass Krankheitserreger leichtes Spiel haben. Deshalb entwickeln viele Babys eine Windel-Dermatitis, die sich mit kleinen roten Bläschen und Papeln bemerkbar macht, die stark jucken und brennen. Das Wichtigste ist deshalb, die Windelregion schonend zu reinigen und zu trocknen, damit sich Pilze und Bakterien nicht so leicht ausbreiten können. Die Windeln sollten häufig gewechselt werden, eine Faustregel kann sein: Immer nach jeder Mahlzeit, sofern das Kind nicht zu müde ist, sonst vor jeder Mahlzeit. Po mit Wasser und Waschlappen oder Baumwollwatte reinigen. Gerade unterwegs oder auf Reisen können Feuchttücher praktisch sein. Solange sie frei sind von Alkohol, Seife, Parfümstoffen oder scharfen Reinigungsstoffen, spricht auch nichts dagegen - abgesehen von finanziellen und ökologischen Aspekten. Nach dem Reinigen das Baby am besten noch ein bisschen nackt strampeln lassen, damit Luft an die Haut kommt. Dann mit einem Handtuch sanft trockentupfen, denn Reiben kann die Haut schädigen. Wenn der Po gerötet ist, hilft eine Wundschutzsalbe.


Weitere Informationen:

Versichertenportal der AOK
Recommendations from a European Roundtable Meeting on Best Practice Healthy Infant Skin Care


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