Wenn Winde wehtun: Tipps gegen Blähungen

Lästig und oft peinlich

25.07.19 (ams). Jeder hat sie, aber niemand spricht darüber. Dabei sind sie zunächst einmal nur ein Zeichen dafür, dass der Darm arbeitet. Die Ursachen für vermehrte Blähungsbeschwerden sind vielfältig. Meist stecken dahinter keine ernsthaften Erkrankungen. Oft lässt sich das lästige Bauchkneifen schon über kleine Umstellungen der Ernährungsgewohnheiten gut in den Griff bekommen.

Blähungen entstehen durch Luftansammlungen im Darm. Ein Teil des Gases im Darm stammt aus der Luft, die man beim Essen und Trinken verschluckt. Daneben spielt die Verdauung eine wichtige Rolle: "Es ist ein normaler Vorgang, dass beim Abbau von Nahrungsbestandteilen Darmgase gebildet werden" erklärt Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband. "Beschwerden durch Blähungen treten vor allem dann auf, wenn Lebensmittel verzehrt werden, die eine verstärkte Gasproduktion bewirken". Klassischerweise gelten vor allem Vollkornprodukte und ballaststoffreiche Gemüsesorten wie Hülsenfrüchte, Zwiebeln und Kohl als blähende Kost. Aber auch süße und fette Speisen, Konserven und Fertiglebensmittel, die Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Fruchtzucker enthalten, können die Entstehung der ungeliebten Darmwinde begünstigen.


Sendefertiger Radio-O-Ton mit Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband

Mögliche Ursachen für Blähungen

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Meist hilft Umstellung der Ernährungsgewohnheiten

"Um Blähungen zu reduzieren, reichen oft schon ein paar Veränderungen der Ernährungsgewohnheiten. Sinnvoll ist es zum Beispiel mehrere kleine, leicht verdauliche Portionen am Tag zu essen und sich beim Essen Zeit zu nehmen", rät Dr. Bleek. Wer den Anteil gesunder Lebensmittel wie Vollkornprodukte steigern möchte, sollte dem Darm Zeit geben, sich an die andere Zusammensetzung der Nahrung zu gewöhnen. Außerdem ist es dann wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen: Mindestens 1,5 bis zwei Liter am Tag sollten es sein, am besten in Form von Wasser, verdünnten Fruchtsäften oder ungesüßten Tees. Um kohlensäurehaltige Getränke, Milchshakes, Konserven, Fertigmahlzeiten oder Diät- und Light-Produkte mit dem Zuckeraustauschstoff Sorbit oder Fruktosezusatz sollte man bei vermehrten Blähungsbeschwerden besser einen Bogen machen. Wer unter akuten Blähungen leidet, kann es erst einmal mit Hausmitteln versuchen, die beruhigend wirken: zum Beispiel mit Teeaufgüssen aus Kümmel, Pfefferminze, Fenchel, Anis oder Ingwer. Auch sanfte kreisende Bauchmassagen im Uhrzeigersinn können helfen und natürlich die klassische Wärmflasche auf dem Bauch. Lassen Blähungsbeschwerden durch eine einfache Umstellung der Essgewohnheiten nicht nach, kann auch mal eine spezifische Ursache dahinter stecken: zum Beispiel Unverträglichkeiten von Fruchtzucker (Fruktose-Intoleranz), von Milchzucker (Laktose-Intoleranz) oder von Gluten (Zöliakie). Dabei können bestimmte Nahrungsbestandteile im Dünndarm nicht mehr richtig aufgenommen werden. Sie werden dann erst von Bakterien im Dickdarm unter Gasbildung vergoren.

Blähungen in der Schwangerschaft sind häufig

Auch in der Schwangerschaft sind Blähungsbeschwerden häufig, da der Darm durch den Einfluss von Hormonen träger wird. Gelegentlich führen auch bestimmte Medikamente, zum Beispiel Antidiabetika wie Acarbose, zu vermehrten Blähungen. Andere Arzneimittel wie Abführmittel oder Antibiotika können sich negativ auf die natürliche Darmflora auswirken, die bei der Verdauung hilft. Häufig geht das sogenannte Reizdarmsyndrom mit Blähungsbeschwerden einher. Als mögliche Ursache wird unter anderem eine gestörte Beweglichkeit des Darms und eine Überempfindlichkeit der Darmnerven vermutet, so dass bereits ein normaler Luftgehalt im Darm als schmerzhaft empfunden wird. Wenn sich keine Ursache finden lässt und die Lebensqualität durch die Beschwerden stark beeinträchtigt ist, sollte man einen Arzt aufsuchen. Meistens stecken hinter Blähungen jedoch keine ernsthaften Erkrankungen. Um festzustellen, was die Blähungen auslöst, kann ein Ernährungstagebuch helfen, empfiehlt Mediziner Bleek: "Darin notiert man über einige Wochen hinweg, was man im Laufe des Tages gegessen hat, ob und welche Beschwerden an dem Tag auftraten und ob andere Faktoren hinzukamen, die die Beschwerden erklären könnten. Eventuell lassen sich dann bestimmte Muster erkennen, die helfen, der Ursache der Beschwerden auf den Grund zu gehen."


Weitere Informationen:

Versichertenportal der AOK
Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V.


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