Hallux valgus: Großer Zeh auf Abwegen

Fußfehlstellung Nummer eins

24.09.19 (ams). Frauen haben ihn häufiger als Männer, Ältere öfter als Junge: Der Hallux valgus (lat. abgeknickte Großzehe) ist die am meisten verbreitete Fehlstellung des Fußes. Seine Form ist charakteristisch: Der große Zeh knickt nach innen in Richtung der anderen Zehen und der Ballen wölbt sich vor. Daher wird er auch Ballenzeh genannt. Haben Betroffene keine Beschwerden, ist auch keine Behandlung erforderlich. Gelegentliche Schmerzen lassen sich mit konservativen Methoden wie Einlagen oder Schienen lindern. Wird es schlimmer, hilft in der Regel nur eine Operation.

Nach Angaben des unabhängigen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat schätzungsweise jeder dritte Mensch über 65 Jahre in Deutschland einen mehr oder weniger ausgeprägten Ballenzeh, der jedoch nicht immer Beschwerden verursacht. Bei dieser Fehlstellung verschiebt sich der erste Mittelfußknochen langsam in Richtung des anderen Fußes. Der vordere Teil des betroffenen Fußes wird in der Folge immer breiter und der Ballen wölbt sich vor. Der große Zeh biegt sich zu den anderen Zehen, die sich dadurch ebenfalls verformen können und häufig weh tun. In späteren Stadien kann der Großzeh dann so deformiert sein, dass er sich über oder unter den zweiten Zeh schiebt. Ein Hallux valgus kann Arthrose im Gelenk des großen Zehs begünstigen und zu chronischen Schmerzen führen. Die Ursachen für die Entstehung des Ballenzehs sind vielfältig: Manche Menschen sind erblich bedingt anfälliger. Weitere Faktoren, die einen Hallux valgus begünstigen können, sind ein schwaches Bindegewebe oder Erkrankungen der Gelenke, zum Beispiel Arthritis. Manchmal entwickelt sich ein Ballenzeh auch aus einem Spreizfuß oder einem Knick-Senk-Fuß.

Tipps für gesunde Füße

Fußgymnastik kann dabei helfen, Fehlstellungen der Füße zu vermeiden. Hier einige Tipps:

  • so oft es geht, barfuß laufen - möglichst auf Bodenflächen mit unterschiedlichen Belägen und Neigungen
  • abwechselnd seitwärts, rückwärts und vorwärts laufen
  • kleine Dinge, die zu Boden gefallen sind, mit den Zehen aufheben
  • im Sitzen einen kleinen Ball (Tennis- oder Igelball) unter den nackten Fuß legen und diesen ein bis zwei Minuten unter jedem Fuß hin und herrollen
  • langsam auf die Zehenspitzen stellen, halten und dann langsam wieder abrollen, mehrmals wiederholen.

 

Zehen brauchen Platz im Schuh

Zu enge Schuhe mit hohen Absätzen sind - entgegen landläufiger Meinung - nicht Auslöser für die Entstehung. Es gibt Menschen, die regelmäßig enge Schuhe tragen, ohne einen Hallux valgus zu bekommen. Umgekehrt kann es auch solche treffen, die überwiegend bequeme, flache Schuhe tragen. "High Heels oder spitze Pumps können die Entwicklung aber begünstigen und verstärken. Denn von Natur aus brauchen die Zehen so viel Platz im Schuh, dass sie sich strahlenförmig ausdehnen können. In den meisten Schuhen ist aber nur Platz für eine gerade Zehenhaltung", sagt Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband.

Schmerzen können an den Zehen, am Ballen und an der Unterseite des Mittelfußes auftreten. Vor allem der Ballen ist betroffen, da er häufig am Schuhwerk reibt.  Er kann dann anschwellen und sich entzünden. Um die Beschwerden zu lindern, eignen sich Einlagen in die Schuhe, Schaumstoffpolster, Schienen oder Bandagen. Auch Fuß- und Zehengymnastik helfen: Dadurch werden die Fußmuskeln gekräftigt und das Bindegewebe gestrafft. Das eigentliche Übel lässt sich dadurch allerdings nicht beseitigen. Fehlstellungen an sich können nur durch eine Operation korrigiert werden. Die Art der Operation richtet sich danach, wie ausgeprägt die Beschwerden sind: Bei fast allen Operationen werden Sehnen und Gelenkkapsel korrigiert, um die Fehlstellung des großen Zehs zu verringern. Der erste Mittelfußknochen und oft auch das Grundglied der Großzehe werden durchtrennt und so verschoben, dass der Zeh wieder geradesteht. Manchmal muss das erste Mittelfußgelenk auch versteift werden.

Stabilisiert wird der Fuß in der Regel mit Metallplatten, Schrauben oder Drähten. In den ersten Wochen nach der Operation muss der Fuß stabil gehalten werden. Das geschieht meist durch Verbände oder eine Schiene. Um den Fuß zu entlasten, wird ein so genannter Vorfußentlastungsschuh getragen. "Ist die Wunde ausreichend verheilt, beginnen langsam die Zehenübungen. Nach vier bis sechs Wochen sind die Knochen in der Regel wieder so stabil, dass der Fuß voll belastet werden kann", so Mediziner Ebel. Eine Operation bedeutet jedoch nicht immer Schmerzfreiheit: Es kann auch danach noch zu Beschwerden kommen und ein Hallux valgus später wiederkehren. Um dem vorzubeugen, sollten Betroffene darauf verzichten, enge Schuhe zu tragen, die drücken. Wer optimal sitzende Schuhe sucht, sollte am Abend ins Schuhgeschäft. Denn tagsüber schwellen die Füße oft an und sind dann abends dicker und größer.


Weitere Informationen:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


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