Sehstörungen bei Dunkelheit meist eine Frage des Alters

Echte Nachtblindheit ist selten

29.10.19 (ams). Autofahren bei Nacht ist nicht jedermanns Sache: Die Konturen verschwimmen, die Scheinwerfer der entgegenkommenden Fahrzeuge blenden, und wenn es dann noch regnet, fühlt sich mancher komplett überfordert. Dass man im Dunkeln schlechter sieht als bei Licht, ist normal. Mit zunehmendem Alter nimmt die Sehschärfe bei Dämmerung und Nacht allerdings immer mehr ab. Nach Schätzungen des Bundesverbandes der Augenärzte hat etwa jeder fünfte Autofahrer über 60 Jahre Nachtsehstörungen. Mit echter Nachtblindheit hat dies jedoch nichts zu tun. Diese tritt hierzulande nur sehr selten auf.

Bei Tageslicht sieht das Auge mit farbempfindlichen Lichtrezeptoren, den sogenannten Zapfen. Sobald es dämmert, weiten sich die Pupillen, damit möglichst viel Licht auf der Netzhaut ankommt. Dann treten die Stäbchen in Aktion - Zellen, die besonders empfindlich für kurzwelliges Licht sind. Sie nehmen keine Farben wahr, sondern nur unterschiedliche Grautöne. "Beim Autofahren in der Nacht sind die Sehschärfe und das Kontrastsehen auch bei gesunden Augen wesentlich schlechter als bei Tageslicht", sagt Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband. Kommen optische oder medizinische Probleme hinzu, kann dies das Sehen in der Dämmerung und bei Nacht erschweren.


Sendefertige Radio-O-Töne mit Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband

Sehen bei Tag und bei Nacht - die Unterschiede

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Dunkelheit verstärkt Kurzsichtigkeit

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Die Ursachen für eine schlechte Nachtsicht sind vielfältig. So fallen kleine Sehfehler wie beispielsweise eine leichte Kurzsichtigkeit im Hellen kaum auf, in der Dunkelheit aber viel mehr, weil das einfallende Licht bei den dann weiter geöffneten Pupillen stärker bricht und die Kurzsichtigkeit verstärkt. Bei manchen Menschen ist die Sicht im Dunkeln mehr als eine Dioptrie schlechter als im Hellen. Wer das Gefühl hat, beim Autofahren in der Nacht schlechter zu sehen, sollte dies beim Augenarzt oder der Augenärztin überprüfen lassen. Denn das Problem kann meist durch eine zusätzliche Brille für das Autofahren in der Nacht korrigiert werden. Sind die Augen besonders blendempfindlich, hängt dies möglicherweise mit einer Trübung der Augenlinse, dem Grauen Star, zusammen. Der kann operiert werden, wobei die trüb gewordene Linse durch eine künstliche ersetzt wird. Die OP wird meist ambulant gemacht. Wenig ausrichten lässt sich hingegen bei zu engen Pupillen, die oft mit zunehmendem Alter einhergehen. Dadurch gelangt weniger Licht ins Auge, die Sicht wird schlechter.

DIOPTRIE

Dioptrie (dpt) ist die Maßeinheit für die Brechkraft eines optischen Systems, etwa einer Brille. Diese Maßeinheit beschreibt wie stark zum Beispiel ein Brillenglas das Licht brechen muss, damit eine Fehlsichtigkeit korrigiert wird. Positive dpt-Werte stehen für eine Weitsichtigkeit und negative dpt-Werte für Kurzsichtigkeit.

Im Gegensatz zu diesen Sehstörungen in der Dunkelheit ist die echte Nachtblindheit sehr selten. Auch hierfür gibt es verschiedene Ursachen: Die Stäbchenzellen funktionieren nicht richtig, die Betroffenen können nachts daher nur noch wenig oder gar nichts sehen. Die Schädigungen der Stäbchen können zum Beispiel die Folge oder Begleiterscheinung von erheblicher Kurzsichtigkeit oder Grünem Star sein. Nachtblindheit ist in manchen Fällen auch erblich bedingt. Dabei ist die Funktion der Stäbchen schon bei der Geburt beeinträchtigt oder verschlechtert sich mit zunehmendem Alter. Von dieser angeborenen Nachtblindheit (Retinitis pigmentosa) und ihren verschiedenen Formen sind in Deutschland etwa 30.000 bis 40.000 Menschen betroffen, so Pro Retina, eine Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegeneration. Eine Heilung oder Behandlung ist nicht möglich. Auch Vitamin-A-Mangel kann echte Nachtblindheit auslösen. Dies kommt hierzulande allerdings sehr selten vor, da eine normale Ernährung den Körper ausreichend versorgt. Aus pflanzlichen Lebensmitteln gewinnt der Organismus in erster Linie Provitamine wie Beta-Carotin. Provitamine werden im Körper zu Vitamin A umgewandelt. Zu den provitaminreichen pflanzlichen Lebensmitteln gehören Möhren, Grünkohl und Spinat. Vitamin-A-reich sind auch Leber und leberhaltige Lebensmittel. Ansonsten lässt sich ein Mangel nach ärztlicher Rücksprache durch Vitamin-A-Gaben gut ausgleichen.

Stoffwechselkrankheiten erhöhen Risiko für Nachtblindheit

Doch auch Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus erhöhen das Risiko für Nachtblindheit, da ein Diabetes zu Netzhautschäden führen kann. "Wichtig ist daher, dass Menschen mit Diabetes regelmäßig zur augenärztlichen Kontrolle gehen, damit Schäden an der Netzhaut frühzeitig erkannt und behandelt werden, um so die Sehfähigkeit zu erhalten", sagt Mediziner Ebel. Grundsätzlich gilt: Beim Autofahren in der Nacht sollte immer darauf geachtet werden, dass die Windschutzscheibe sauber ist und die Scheinwerfer richtig eingestellt sind. Blenden die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Fahrzeugs, hilft es, zum rechten Straßenrand zu blicken statt mitten ins Licht.
 

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