Große Qualitätsunterschiede zwischen den Kliniken

Leistenbruch-OPs und Hüftprothesenwechsel

29.10.19 (ams). Welche Krankenhäuser bei Leistenbruch-OPs im Hinblick auf Komplikationen und Folge-Ereignisse besonders gut abschneiden, macht der AOK-Krankenhausnavigator ab sofort für Patienten und Ärzte transparent. Auf Basis des Verfahrens zur „Qualitätssicherung mit Routinedaten“ (QSR) zeigt das Online-Portal die Qualitätsunterschiede zwischen den rund 980 Kliniken in Deutschland, die diesen Eingriff von 2015 bis 2017 bei knapp 130.000 AOK-Versicherten durchgeführt haben. Es ist das erste Mal, dass in Deutschland klinikbezogene Qualitätsdaten zu Leistenbruch-Operationen veröffentlicht werden, denn dieser häufige bauchchirurgische Eingriff wird in der gesetzlichen Qualitätssicherung bisher nicht berücksichtigt.

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Krankenhäusern: In dem Viertel der Kliniken, die am besten abschneiden, lag die Gesamt-Komplikationsrate bei 5,1 Prozent. In dem Viertel der Kliniken mit der schlechtesten gemessenen Behandlungsqualität hatten die Patienten dagegen eine deutlich höhere Komplikationsrate von 9,1 Prozent. Im Durchschnitt traten bei 3,8 Prozent der Patienten innerhalb von 90 Tagen nach der Leistenbruch-OP chirurgische Komplikationen auf. Bei 3,4 Prozent gab es einen erneuten Leistenbruch oder chronische Schmerzen im ersten Jahr nach dem Eingriff. „Es lohnt sich, vor einer anstehenden Leistenbruch-OP die Ergebnisse der Kliniken in der Umgebung zu vergleichen“, sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. „Das gilt auch für eine Reihe weiterer Behandlungen, zu denen QSR-Bewertungen und Fallzahlen im Krankenhausnavigator abrufbar sind. Wir bieten Betroffenen und Behandlern mit unserem Navigator eine einzigartige Orientierungshilfe, die über die gesetzliche Qualitätssicherung hinausgeht.“  

Hüftprothesenwechsel: Viele Kliniken mit wenigen OPs

Neu sind im Navigator auch Qualitätsdaten zu Hüftprothesenwechseln. Diese Operation ist deutlich komplikationsträchtiger als die Erst-Implantation einer Hüftprothese, denn häufig lässt sich das neue Implantat nach dem Entfernen der alten Prothese nicht gut verankern. In die QSR-Bewertung konnten knapp 9.000 AOK-Fälle aus den Jahren 2015 bis 2017 einbezogen werden, die in 169 Kliniken mit mindestens 30 Wechsel-OPs pro Jahr behandelt wurden. Auch hier zeigten sich deutliche Unterschiede in der Qualität der Behandlung: In dem Viertel der Kliniken mit den besten Ergebnissen lag die Rate von ungeplanten Folge-OPs innerhalb eines Jahres nach dem ersten Eingriff bei 10,3 Prozent, in dem Viertel der schlechtesten Kliniken dagegen bei 18,9 Prozent. Auch bei den Sterblichkeitsraten zeigte sich eine große Spanne zwischen den Kliniken (von 0 bis 3,3 Prozent). Bemerkenswert ist die hohe Zahl von Kliniken, die diese schwierige Operation selten durchführen. Wie für viele andere chirurgische Eingriffe gilt jedoch auch für den Wechsel der Hüftprothese: „Übung macht den Meister“. Da aus statistischen Gründen bei Kliniken mit weniger als 30 OPs bei AOK-Patienten in drei Jahren keine klinikindividuelle Qualitätsbewertung erfolgen kann, wird im Krankenhausnavigator besonders darauf hingewiesen, dass diese Kliniken im Durchschnitt erhöhte Komplikationsraten haben. „Der Hüftprothesenwechsel ist ein gut planbarer Eingriff, für den man in Ruhe eine geeignete Klinik aussuchen kann“, so AOK-Vorstand Martin Litsch. „Die Auswertungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zeigen, dass sich Patienten bei einer solch komplizierten Operation für eine Klinik mit viel Erfahrung und Routine entscheiden sollten.“

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Zum ams-Ratgeber 10/19