Volkskrankheit Rückenschmerzen: Jeder Sechste ist betroffen

Heilmittelbericht 2019

19.12.19 (ams). Mehr als jeder sechste AOK-Versicherte ist wegen chronischer, unspezifischer Rückenschmerzen in ärztlicher Behandlung. Das belegen Zahlen des aktuellen Heilmittelberichts des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Demnach war mehr als ein Viertel von diesen 4,4 Millionen Rückenschmerzpatienten deswegen in den vergangenen fünf Jahren dauerhaft beim Arzt, Frauen häufiger als Männer. "Rückenschmerz wird zu Recht als Volkskrankheit bezeichnet wird. Neben der Behandlung durch Arzt und Physiotherapie können Präventionsmaßnahmen gegen Bewegungsmangel und einseitige Belastungen, aber auch gegen Übergewicht helfen", so Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO.
Chronische, unspezifische Rückenschmerzen betreffen vor allem Frauen: 2017 waren knapp 2,6 Millionen der 4,4 Millionen betroffenen AOK-Patienten weiblich. Insgesamt leiden somit rund 20 Prozent aller AOK-versicherten Frauen und fast 15 Prozent der Männer unter chronischen, unspezifischen Rückenschmerzen. Die Rate steigt mit zunehmendem Lebensalter kontinuierlich an und ist in den letzten Jahren vor dem Renteneintritt bei beiden Geschlechtern am höchsten.

Kaum Unterschiede bei Schmerzmittelverordnung

Während Schmerzmittel beiden Geschlechtern relativ gleich verordnet werden (Frauen 78,3 Prozent, Männer 76,7 Prozent), zeigen sich bei der Inanspruchnahme von physiotherapeutischen Angeboten klare Geschlechterunterschiede: Bei den Frauen nutzt rund ein Drittel der Patientinnen (33,2 Prozent) eine Physiotherapie, bei den Männern nur ein Viertel (24,6 Prozent). "Auch wenn Frauen und Männer Physiotherapie sehr unterschiedlich nutzen, sind chronische, unspezifische Rückenschmerzen bei beiden Geschlechtern der häufigste Grund für Krankengymnastik, Massage und Co.", so Schröder.

Bald noch bedarfsgerechtere Unterstützung

Für Patienten mit chronischen, unspezifischen Rückenschmerzen wurde am 1. Oktober 2019 die Grundlage für sogenannte Disease-Management-Programme (DMP) durch den Gemeinsamen Bundesausschuss verabschiedet. Die darin enthaltenen Anforderungen für die Behandlung basieren auf einer Recherche wissenschaftlicher Leitlinien und Studien und empfehlen verschiedene zur Verfügung stehende Maßnahmen: die Basis bildet die Aktivierung und Lebensstiländerung, die durch individuelle Therapiemaßnahmen wie Krankengymnastik, Entspannungsverfahren, psychotherapeutische und psychosomatische Behandlungen sowie die Schmerztherapie mit Arzneimitteln ergänzt werden. Bei Erfolglosigkeit kann eine teilstationäre oder stationäre multimodale Schmerztherapie eingeleitet werden. „Damit können betroffene Patienten mit chronischen Rückenschmerzen in Zukunft noch bedarfsgerechter unterstützt werden“, so Schröder.

42 Millionen Heilmittelleistungen ausgewertet

Für den Heilmittelbericht 2019 hat das WIdO die insgesamt rund 42 Millionen Heilmittelleistungen ausgewertet, die 2018 zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet wurden, davon 15,4 Millionen für AOK-Versicherte.

Der Heilmittelbericht steht zum kostenfreien Download zur Verfügung.


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