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AOK-Studie zeigt: Kindercerealien enthalten zu viel Zucker

Süß, süßer, Frühstück

28.04.20 (ams). Müslis, Cornflakes und Co. in Deutschland sind vor allem eines: überzuckert. 73 Prozent der gekauften Menge an Frühstückscerealien überschreiten beim Zuckergehalt die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Bei den speziell an Kinder gerichteten Cerealien liegen sogar 99 Prozent der gekauften Produkte über diesem Richtwert. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die der AOK-Bundesverband in Auftrag gegeben hat. Die Forscher nahmen hierfür das Kaufverhalten von rund 30.000 Haushalten in Deutschland unter die Lupe und werteten den Zuckergehalt von über 1.400 Produkten aus.

Die Studie zeigt auch, dass überzuckerte Kindercerealien 39 Prozent der insgesamt von Familien gekauften Frühstückscerealien ausmachen - diese Menge ist damit doppelt so hoch wie bei Haushalten ohne Kinder. "Der Zuckergehalt in Frühstückscerealien ist erschreckend hoch, speziell in Kinderprodukten", sagt Dr. Sarah Pomp, Gesundheitspsychologin im AOK-Bundesverband. Vor diesem Hintergrund erschienen die mit der Lebensmittelindustrie im Rahmen der Nationalen Reduktionsstrategie vereinbarten Ziele geradezu skandalös. "Was wir brauchen, sind wirksamere und vor allem verpflichtende Reduktionsziele, die nicht erst in fünf Jahren umgesetzt sind", so Pomp weiter. Aktuell sehen beispielsweise die mit dem Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) getroffenen Vereinbarungen eine Reduzierung des Zuckergehalts um lediglich bis zu 20 Prozent bis 2025 vor und das auch nur bei speziell für Kinder beworbenen Produkten. Die AOK spricht sich dagegen für eine verpflichtende schrittweise Reduzierung auf 15 Gramm Zucker pro 100 Gramm aus, entsprechend der WHO-Empfehlung. Das solle zudem nicht nur für Kindercerealien gelten, sondern für das gesamte Segment.


Radio-O-Ton mit Dr. Sarah Pomp, Gesundheitspsychologin im AOK-Bundesverband

Tipps gegen zu viel Zucker

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Rascher Handlungsbedarf

Auch Dr. Sigrid Peter, Vizepräsidentin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), sieht angesichts dieser Ergebnisse raschen Handlungsbedarf: "Wir müssen den Zuckergehalt in Fertigprodukten, Softdrinks und Frühstückscerealien dringend reduzieren, um die jüngere Generation vor Adipositas und anderen ernährungsbedingten Krankheiten zu schützen. Unser Ziel sollte es sein, dass die Geschmackspräferenz 'süß' sich nicht an Zucker oder Zuckerersatzstoffen festmacht. Wenn wir den Zuckergehalt nach und nach verringern, wird sich auch das Geschmacksempfinden auf 'weniger süß' umstellen."

Der GfK-Untersuchung zufolge stehen auch Einkommen und Bildung im Zusammenhang mit dem  Kaufverhalten. Je niedriger die soziale Schicht, desto häufiger kaufen die jeweiligen Haushalte süße Cerealien-Varianten. Kinderärztin Peter warnt vor den Folgen eines hohen Zuckerkonsums wie die Zunahme von Übergewicht und Adipositas, insbesondere in der Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die in bildungsferneren und finanzschwächeren Familien aufwachsen. Die direkten und indirekten Folgekosten von Adipositas belaufen sich in Deutschland laut Berechnungen der Universität Hamburg jährlich auf rund 63 Milliarden Euro. Darin sind beispielsweise Ausgaben für die medizinische Behandlung, aber auch Leistungen wie Krankengeld oder Frührenten berücksichtigt. Daneben ist Zahnkaries eine häufige Folge des übermäßigen Zuckerkonsums. Die Krankheitskosten für Karies in Deutschland belaufen sich über alle Altersgruppen auf weitere rund 8,4 Milliarden Euro jährlich.

Forderung nach Verbot von Kindermarketing

Neben einer verbindlichen Reduktionsstrategie müsse es auch ein konkretes Verbot von Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel geben, damit Familien ungesunden Produkten künftig widerstehen können und sich nicht von Comicfiguren oder anderen Goodies in den Verpackungen sowie im TV und Internet zum Kauf verleiten lassen, so AOK-Expertin Pomp.

 

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