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Gehirnerschütterung: Da hilft nur schonen

Kinder häufiger betroffen als Erwachsene

28.04.20 (ams). Die Treppe heruntergefallen, vom Rad gestürzt, beim Sport einen Ball an den Kopf bekommen – eine Gehirnerschütterung kann man sich schnell zuziehen. Sie ist die leichteste Form eines Schädel-Hirn-Traumas und geht typischerweise einher mit kurzer Bewusstlosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Gedächtnislücken. Manchmal machen sich die Symptome erst nach Stunden bemerkbar.

"Schlägt der Kopf mit großer Geschwindigkeit auf einen harten Gegenstand, prallt das in einer Flüssigkeit schwimmende Gehirn auf den Schädelknochen, wodurch es zu einer kurzzeitigen Funktionsstörung des Hirns kommen kann", erklärt Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband. Nach Angaben des Kindernetzwerks Deutschland e. V. erleiden in Deutschland jährlich 200.000 Menschen ein Schädel-Hirn-Trauma, rund ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. In bestimmten Altersstufen ist das Risiko besonders hoch: So kommt es in den ersten beiden Lebensjahren häufiger zu Stürzen, weil das Körpergewicht in diesem Alter noch ungünstig verteilt ist und kleinere Kinder schnell mit dem Kopf aufschlagen. Ein höheres Risiko haben außerdem Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, da sie meist vielen Freizeitaktivitäten und riskanteren Sportarten nachgehen und generell mehr unterwegs sind.

Immer den Arzt rufen

Zu den klassischen Anzeichen einer Gehirnerschütterung wie kurzzeitige Bewusstlosigkeit (einige Sekunden bis zu wenigen Minuten), Erbrechen und Gedächtnislücken können auch weitere kommen, etwa Teilnahmslosigkeit, Kreislaufversagen oder unkontrollierte Bewegungen. "Bei möglichen Symptomen einer Gehirnerschütterung muss sofort ein Arzt aufgesucht oder der Notarzt gerufen werden", so Mediziner Ebel. "Bis der Arzt kommt, sollten Betroffene mit erhöhtem Oberkörper gelagert und nicht allein gelassen werden." Vor allem bei kleinen Kindern können diese Symptome auch erst nach mehr als sechs Stunden auftreten: Kinder sollten daher in den ersten zwölf Stunden nach dem Unfall genau beobachtet werden.

Bettruhe ist angesagt

Nach einer Gehirnerschütterung (in der Fachsprache "Commotio cerebri" genannt) ist es vor allem wichtig, sich zu schonen. Manchmal empfiehlt der Arzt oder die Ärztin auch ein paar Tage Bettruhe. Ratsam ist, auf Sport vorübergehend zu verzichten. Auch Fernsehgucken sollte nicht sein, denn das Flackerlicht kann Kopfschmerzen und, wenn auch sehr selten, Krämpfe hervorrufen. Ungünstig ist auch eine intensive Sonneneinstrahlung. Nach ärztlicher Rücksprache empfiehlt sich die Einnahme von Medikamenten gegen Kopfschmerzen oder Übelkeit. Meist klingt eine Gehirnerschütterung innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen ohne Folgeschäden ab. Manchmal können die Beschwerden aber über einen längeren Zeitraum hinweg anhalten (postkommotionelles Syndrom), sie werden jedoch nur selten chronisch.

Tipps zur Vorbeugung

Damit es gar nicht erst zu einer Gehirnerschütterung kommt, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten vorzubeugen: So ist beim Rad- und Skifahren, Bergsteigen, Klettern, Inline-Skaten, Skateboarden oder Reiten ein gutsitzender Helm unverzichtbar. Kinder sollten im Auto immer einen passenden Kindersitz haben, auch bei kurzen Strecken oder im Mietwagen am Urlaubsort. Ebel: "Wenn kleinere Kinder im Haus sind, sollten Fenster-, Treppen- und Balkonbereich auf mögliche Gefahrenquellen überprüft werden." Das heißt, Fenster möglichst nur kippen, Treppen und Balkone mit Geländern oder Gittern sichern. Säuglinge auf einer Wickelkommode darf man zudem nie unbeobachtet lassen, sondern sie im Zweifel lieber kurz auf den Boden legen.

 

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