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Auf dem Prüfstand: Fünf Mythen zur Ernährung

Was wirklich stimmt

29.10.20 (ams). Ist Margarine wirklich gesünder als Butter und hilft ein Schnaps bei der Verdauung?
Wer sich gesund ernähren will, muss sich mit einigen Regeln und Empfehlungen auseinandersetzen. Doch stimmen die auch immer so?
Karolin Wagner, Ernährungsberaterin bei der AOK, hat für die Ratgeber-Ausgabe des AOK-Medienservice fünf Ernährungsmythen unter die Lupe genommen und dabei die eine oder andere entzaubert.

Spätes Essen macht dick

"Morgens sollst du essen wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann" - der Spruch stammt noch aus Zeiten, in denen die Menschen körperlich hart gearbeitet haben und morgens eine gute Grundlage für den Arbeitstag auf dem Feld brauchten. Untersuchungen zur Auswirkung von spätem Essen geben dagegen keine eindeutige Antwort: Manche sagen, dass es sich ungünstig auf das Gewicht auswirken könnte, andere bestätigen dies nicht. "Um das Gewicht zu halten, ist letztlich die Gesamtkalorienbilanz des Tages wichtig: Wenn man tagsüber nur leichte Mahlzeiten zu sich genommen hat, spricht nichts gegen ein großzügigeres Abendessen", so die AOK-Ernährungsberaterin. Wer abnehmen möchte, könne aber trotzdem ausprobieren, das Abendessen ausfallen zu lassen oder zumindest die Kohlenhydrate wegzulassen und eher auf Gemüse und Eiweiß zu setzen - zum Beispiel auf ein Ofengemüse mit Quarkdip oder einen Salat mit Hülsenfrüchten. Abends auf das Essen zu verzichten, fällt vielen Menschen leichter als morgens.

Schnaps hilft bei der Verdauung

Ein klassischer Mythos. Alkohol regt zwar die Magensäureproduktion an und entspannt die Muskeln - das unangenehme Völlegefühl wird dadurch verringert. Er hilft aber nicht bei der Fettverdauung. "Der Körper ist dann erst einmal mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt, anstatt die Nahrung zu verdauen. Die Verdauung im Magen verzögert sich und der Weitertransport der Nahrung in den Dünndarm wird gehemmt", sagt Wagner. Wer nach üppigem Essen seine Verdauung anregen will, sollte besser eine Tasse Kräutertee oder Kaffee trinken - oder eine Runde spazieren gehen.

Smoothies ersetzen frisches Obst und Gemüse

Nicht ganz: Bei der Herstellung von Smoothies können - zum Beispiel durch das Schälen von Kernobst - wertvolle Inhaltsstoffe verlorengehen. Also besser ist es, beispielsweise den Apfel mit Schale zu essen. Obst und Gemüse bieten außerdem ein "Kauerlebnis": Durch das Kauen dauert der Vorgang des Essens länger als beim raschen Trinken eines Smoothies, das Sättigungsgefühl hält länger an. Durchs Trinken dagegen gelangt der Fruchtzucker zu schnell in den Verdauungstrakt. Eine mögliche Folge: In der Leber können sich so Purine bilden, was wiederum zu einem erhöhten Harnsäurespiegel und Gicht führen kann. Hinzu kommt, dass gekaufte Smoothies meist teurer als Obst und Gemüse sind und - wenig ökologisch - immer eine Verpackung benötigen. Steht aber gerade keine Frischware zur Verfügung, kann ein Smoothie (200 bis 250 Milliliter) ein bis zwei Portionen Obst oder Gemüse ersetzen. Ein Smoothie sollte daher die Ausnahme sein und dann am besten selbstgemacht werden. Empfehlenswert sind als Hauptzutaten Gemüse sowie Kräutern, etwas kaltgepresstes Öl und nur wenig Obst, so Wagner.

Margarine ist gesünder als Butter

Was das Fettsäurespektrum betrifft: ja. Margarine wird überwiegend aus pflanzlichen Ölen wie Raps-, Oliven-, Lein- oder Sonnenblumenöl hergestellt, die reich an mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren sind. Diese können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern. "Vor allem Menschen mit erhöhten Blutfettwerten sollten deshalb statt Butter lieber Margarine mit einem hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren nutzen", empfiehlt Ernährungsberaterin Wagner. Dagegen kommt Butter als tierisches Produkt ohne viele Zusätze aus und liefert natürlicherweise die Vitamine A und E. Wer also Butterfan ist und keine erhöhten Blutfettwerte hat, muss sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. Wagner: "Generell sollte aber darauf geachtet werden, beides in Maßen zu verzehren und immer nur dünn aufs Brot zu streichen. Denn auch auf die Menge des konsumierten Fetts kommt es an."

Spinat macht stark

Ja, aber: Ein Forscherteam der Freien Universität Berlin hat kürzlich herausgefunden, dass ein Extrakt aus Spinat die Leistung von Spitzensportlern steigern kann. So hat die im Spinat enthaltene Substanz Ecdysteron offenbar starke Effekte auf Muskelzellen. Allerdings konsumierten die Testpersonen der Studie mehr als zwei Monate lang täglich mindestens zwei Kapseln mit dem Extrakt. Um den gleichen Effekt mit frischem Spinat zu erzielen, müsste man allerdings zehn Wochen lang jeden Tag bis zu vier Kilogramm Blattspinat essen