Lesedauer: 4 Minuten

Advent, Advent: So lässt sich das Risiko für Brandverletzungen verringern

Vorsicht heiß!

26.11.20 (ams). Kerzenlicht, heißer Tee und Plätzchenbacken - das gehört zur Advents- und Winterzeit einfach dazu. Doch mit offenem Feuer und heißen Getränken steigt auch die Gefahr, sich zu verbrennen oder zu verbrühen. Vor allem kleine Kinder sind gefährdet, da sie das Risiko noch nicht einschätzen können. Mit geeigneten Vorsichtsmaßnahmen lassen sich jedoch viele Unfälle vermeiden.

Pro Jahr werden rund 30.000 Kinder in Deutschland unter 15 Jahren mit Verbrennungen und Verbrühungen ärztlich versorgt, etwa jedes Vierte davon verletzt sich so schwer, dass es stationär behandelt werden muss - so die Initiative für brandverletzte Kinder, Paulinchen e.V. "Verbrennungen und besonders Verbrühungen gehören zu den häufigsten Unfällen im Kindesalter. Besonders gefährdet sind Mädchen und Jungen im Vorschulalter. Die meisten Unfälle geschehen im zweiten Lebensjahr, wenn das Kind laufen gelernt hat und Gegenstände zu sich herunterziehen kann", sagt Dr. Julian Bleek, Arzt in AOK-Bundesverband.

Meist passiert es in der Küche

Unfallort ist dabei meist die Küche. Herd, Backofen, heiße Töpfe oder Plätzchenbleche, all das sind Gegenstände, an denen sich die Kinder verbrennen können. Gefährlich sind auch elektrische Geräte mit herunterhängenden Kabeln wie Wasserkocher, Bügeleisen oder die Decke auf dem Tisch, die von den Kleinen unabsichtlich heruntergezogen wird. Kerzenlicht oder offene Flammen im Kamin sind oft besonders faszinierend. Vor allem kleine Kinder sollten daher nie mit brennenden Kerzen, Lagerfeuer oder Feuerschalen alleine gelassen werden.


Radio-O-Töne von Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband

Küche ist häufigster Unfallort

Download MP3

Worauf man gerade in der Weihnachtszeit achten sollte

Download MP3

Erste Hilfe bei Verbrennung und Verbrühung

Was ist zu tun, wenn es doch passiert und das Kind sich verbrennt oder mit heißen Flüssigkeiten verbrüht? Dann gilt es insbesondere, durch Kühlung ein Fortdauern der Hitzewirkung im Gewebe - das sogenannte "Nachbrennen" - zu verhindern, so Mediziner Bleek:

  • Zuerst sollte in Brand geratene Kleidung mit Wasser gelöscht oder die Flammen mit einer Decke erstickt werden.
  • Bei Verbrühungen muss die mit heißer Flüssigkeit durchtränkte Kleidung rasch, aber vorsichtig ausgezogen werden.
  • Kleinflächige Verbrennungen, zum Beispiel am Finger, werden am besten mit handwarmem Wasser (mindestens 15 Grad Celsius) für zehn bis 15 Minuten behandelt.
  • Bei großflächigen Verbrennungen, auch bei Kleinkindern und Säuglingen, wird nicht gekühlt, da das zu einer gefährlichen Unterkühlung führen kann. Besser ist es, betroffene Körperteile mit einem keimfreien Verbandtuch aus dem Verbandkasten abzudecken und rasch den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 zu alarmieren.

Verbrennungsgrade

  • Bei Verbrennungen 1. Grades ist die Haut gerötet, heiß und geschwollen. Betroffene verspüren einen brennenden, ziehenden Schmerz.
  • Bilden sich zusätzlich Blasen auf der Haut, liegt eine Verbrennung 2. Grades vor.
  • Bei einer Verbrennung 3. Grades sind Oberhaut und tiefere Gewebsschichten zerstört. Weil die Nervenenden dabei geschädigt werden, fühlen Betroffene kaum noch Schmerzen.
  • Lebensgefahr besteht bei Erwachsenen, wenn 15 Prozent der Körperoberfläche verbrannt sind, bei Kleinkindern schon ab acht Prozent. Als Faustregel für die Beurteilung der verbrannten Körperoberfläche gilt die Handflächenregel: Die Handfläche des Betroffenen entspricht einem Prozent seiner Körperoberfläche.

Bloß nicht!

Doch gerade bei höhergradigen Verbrennungen ist manch althergebrachter Tipp nicht empfehlenswert, denn er verschlechtert die Situation des Verletzten eher. Dr. Bleek rät daher ab von:

  • "Hausmitteln" wie Mehl, Puder oder Öl: Sie dürfen auf keinen Fall auf die verletzten Stellen aufgetragen werden, da sie die ärztliche Beurteilung erschweren und zur Verunreinigung der Wunde beitragen können.
  • Brandsalben oder Brandbinden: Sie lassen keine Luft an die verbrannte Haut und halten die Hitze im Gewebe. So verschlimmern sie die Verletzung nur.
  • Eis oder Eiswasser: Es lindert zwar erst einmal den Schmerz, kann aber das Gewebe zusätzlich schädigen. Außerdem besteht die Gefahr der Unterkühlung.

Was vorbeugend getan werden kann

Die meisten Unfälle mit kleinen Kindern können verhindert werden, wenn bestimmte Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Dazu gehört:

  • Streichhölzer und Feuerzeuge immer konsequent wegzuschließen
  • statt echter Kerzen in der Adventszeit besser LED-Kerzen zu verwenden. Wer echte Kerzen auf dem Weihnachtsbaum nutzt, sollte zur Sicherheit einen Eimer mit Wasser in die Nähe stellen.
  • Adventskränze immer auf einer feuerfesten Unterlage zu stellen und brennende Kerzen nie unbeaufsichtigt zu lassen
  • weder Tischdecken noch baumelnde Kabel von Wasserkochern oder Bügeleisen herunterhängen zu lassen.
  • Tassen oder Kannen mit heißen Getränken immer weit entfernt vom Tischrand zu stellen
  • auf dem Herd Topf- und Pfannengriffe immer nach hinten zu drehen

Weitere Informationen:

 

Zum ams-Ratgeber 11/20