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Vorsätze für 2021: Was lehrt die Corona-Krise?

In Zeiten der Pandemie

16.12.20 (ams). Mehr Zeit, mehr Sport, weniger Stress und gesünder leben - das sind die üblichen Vorsätze für das neue Jahr. Oft bleibt es bei gut gemeinten Wünschen. Doch Corona hilft uns auf die Sprünge und macht Mut - Mut, etwas zu verändern. Welche Veränderungen hat Corona in dem denkwürdigen Jahr 2020 angestoßen, die wir vielleicht in 2021 ausbauen wollen? Birgit Lesch, Diplom-Psychologin bei der AOK, hat drei Vorschläge für mögliche Vorsätze.

Die Corona-Krise befreit von einer Illusion: Nämlich der Vorstellung, dass alles immer so weitergeht. Das schreibt der bekannte Zukunftsforscher Matthias Horx. Das neue Virus hat einen beschleunigten Lebensstil gestoppt: Immer weiter, schneller, billiger - das funktioniert zurzeit nicht mehr gut. "Die Menschen sind nun wieder mehr auf sich selbst zurückgeworfen", sagt Diplom-Psychologin Lesch. "Und haben mehr Ruhe und Zeit - um darüber nachzudenken, was ihnen wichtig ist und wie sie leben wollen."


Radio-Töne mit Birgit Lesch, Diplom-Psychologin bei der AOK

Positive Nebeneffekte der Krise

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Fazit 2020 für 2021

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Vorsatz eins: Bewusster leben

In Zeiten von Lockdown und Kontaktbeschränkungen sind Menschen unfreiwillig aus dem Hamsterrad des Alltags hinauskatapultiert worden. Statt von Termin zu Termin zu hetzen, hocken sie oft zu Hause und können sich ganz in Ruhe fragen: Was vermisse ich? Was brauche ich? Worauf kann ich verzichten? Was hat mich schon immer gestresst? Was wollte ich schon lange mal ändern? Bewusster leben - so könnte ein Vorsatz für 2021 lauten. "Mit weniger Ablenkungen von außen kann es leichter fallen, sich auf Wesentliches zu besinnen und die kleinen Freuden des Alltags mehr zu genießen", sagt AOK-Expertin Lesch.

Die Nächsten erfreuen mehr Menschen als sonst: Auf einmal werden die Partner, Kolleginnen, Familie, Nachbarn oder Freundinnen wieder wichtiger – während man vorher aus Zeitgründen vielem aus dem Weg gegangen ist. Zusammen einen Kaffee vor dem Laptop trinken wird nun sehr wertvoll Auch alte, vergessen geglaubte Freundschaften können wieder aufleben und das eigene Leben runder werden lassen.

Was vorher langweilig erschien oder stressbedingt nicht möglich war, kann nun zum Highlight des Tages werden. Zum Beispiel zu Hause kochen, neue Rezepte ausprobieren und genüsslich verspeisen. So geben im Ernährungsreport 2020 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft knapp ein Drittel der Befragten an, dass sie durch Corona öfter selber Essen zubereiten und dabei frische Zutaten verwenden.

Corona bedeutet auch Stress und Angst

Keine Frage: Die Corona-Zeit bedeutet auch Stress. Viele Menschen haben Angst, sich oder nahestehende Menschen anzustecken. Sorgen, ihren Job zu verlieren, bis hin zu nackter Existenzangst. Homeoffice und Homeschooling müssen unter einen Hut gebracht werden, Termine, Vorträge, Hobbys, Treffen mit Freundinnen und Freunden, Geburtstagsfeiern, Kino- oder Theaterbesuche fallen weg. Stress-, Angst- und depressive Symptome haben durch das neue Virus und die Corona-Maßnahmen zugenommen, so das Ergebnis zum Beispiel der NAKO-Gesundheitsstudie. "Doch Krisen können auch Chancen bieten. Man muss gewohnte Routinen aufgeben und Neues ausprobieren, das kann Energien freisetzen", sagt Psychologin Lesch.

Vorsatz zwei: Nachhaltiger leben

Corona wirkt wie eine Lupe, die uns unsere Lebensweise sowie soziale und ökologische Missstände vor Augen führt. So zeigt sich in der Krise auch, wie sehr Menschen mit der Natur zusammen- und von ihr abhängen. Corona kann deshalb perspektivisch zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit anhalten. Auf Flüge, Fern- und Dienstreisen verzichten? Was vor Corona vielleicht als Zumutung empfunden wurde, muss nun gelernt oder zumindest als zeitweilige Einschränkung akzeptiert werden. Einiges davon kann - wenn gewollt - in das neue Jahr hinübergerettet werden. Es hat sich ja gezeigt: Es geht! Und kann sogar guttun -  nicht nur uns selbst, sondern auch der Umwelt. Warum also nicht das Auto stehen lassen und dafür auf den Drahtesel steigen? In Zeiten von Corona ist ein regelrechter Fahrradboom ausgebrochen. Viele Menschen haben das kleine oder große Glück entdeckt, mit dem Rad durch die Stadt zu flitzen statt im Stau zu stehen oder sich in die U-Bahn zu drängeln. Und die neue Freude am eigenen Garten oder an der Natur zeugt davon, dass man nicht immer in die Ferne reisen muss, um Erholung zu finden. Warum schon wieder neue Klamotten kaufen, wenn beispielsweise die Lieblingshose eigentlich nur zum Schneider muss? Und statt sich im vollen Supermarkt der Gefahr einer Ansteckung auszusetzen, kann der kleine Laden um die Ecke oder die gelieferte Kochbox vom Biohof eine gute Alternative sein. "Das Konsumverhalten zu überdenken, schont Ressourcen, den Geldbeutel und fördert eine gesunde Lebensweise", resümiert Psychologin Lesch.

Vorsatz drei: Solidarischer leben

Corona schweißt zusammen. Plötzlich sitzen alle in einem Boot. Und zwar nicht nur alle Menschen in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Das kann ein Gefühl von Zusammenhalt erzeugen. Corona schafft es, dass viele Menschen sich rücksichtsvoller verhalten. Die Maßnahmen gegen Corona sind im Kern ein solidarischer Akt: mit Abstand, Hygiene und Maske schützen man nicht nur uns selbst, sondern auch die anderen. Das Bewusstsein für die Lebens- und Arbeitsumstände anderer Menschen ist gestiegen: Künstler, Musikerinnen, Journalisten, Café- und Restaurantbesitzerinnen erhalten finanzielle Hilfen, die alle über Steuern schultern müssen. Vielleicht möchte mancher und manche auch in 2021 mehr die Augen offen halten für ihre Mitmenschen? Man kann auch im nächsten Jahr für die ältere Nachbarin einkaufen gehen oder Kindern Nachhilfe geben. "Andere Menschen zu unterstützen, das kann befriedigender sein, als einen vollgestopften Terminkalender abzuarbeiten", betont Psychologin Lesch.

Schon für das Jahr 2020 haben sich bestimmt viele Menschen vorgenommen, Stress zu vermeiden, mehr Zeit für die Familie und sich selbst zu haben, gesünder und klimafreundlicher zu leben. "Corona hat uns dazu gezwungen, diese Vorsätze umsetzen", sagt Lesch und fügt hinzu: "In 2021 könnten wir es auch freiwillig tun."

Weitere Informationen der AOK: Fragen und Antworten zu Corona

 

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