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Medikamente und Lebensmittel: Das passt nicht immer

Achtung Wechselwirkung

28.01.21 (ams). Antibiotika mit Milch einnehmen? Schlafmittel und danach noch ein Glas Rotwein? Bloß nicht! Denn einige Nahrungsmittel, Getränke oder Nahrungsergänzungen können die Wirkung von bestimmten Medikamenten deutlich verstärken oder mindern - mit unangenehmen, manchmal auch lebensbedrohlichen Nebenwirkungen. Bei Arzneimitteln sollte man daher immer die Hinweise auf dem Beipackzettel beachten oder bei Unsicherheit lieber in der Apotheke oder Arztpraxis nachfragen - besonders dann, wenn mehrere Medikamente oder freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden.

Niemals: Alkohol und Arznei

Wer Medikamente mit Alkohol einnimmt, geht ein großes Risiko ein, denn: Alkoholkonsum verändert den Stoffwechsel im Körper - mit der Folge, dass die in den Medikamenten enthaltenen Wirkstoffe langsamer abgebaut werden. Wirkungen und Nebenwirkungen können also länger anhalten. "Bei Arzneimitteln, die eine dämpfende Wirkung auf das Nervensystem haben - beispielsweise Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva oder anderen Psychopharmaka - kann das zu einer gegenseitigen Verstärkung führen, im Extremfall sogar zu einem Atem- oder Herzstillstand", sagt Tobias Lindner, Apotheker im AOK-Bundesverband. Bei einem Antibiotikum wie Metronidazol, das häufig bei Infektionen im Magen-Darm-Trakt, HNO- und Mund-Zahn-Kiefer-Bereich angewendet wird, können schon geringe Alkoholmengen zu Übelkeit, rotem Gesicht und Herzrasen führen, da es den Abbau des Alkohols verlangsamt. "Besonders vorsichtig sollte man beim Fiebersenker Paracetamol und Alkohol sein - denn Alkohol verstärkt die leberschädigende Wirkung des Medikaments mit möglicherweise lebensbedrohlichen Folgen", so Lindner weiter. Alkohol senkt auch den Blutzuckerspiegel, was sich auf Diabetesmedikamente negativ auswirken kann. Wichtig für ältere Menschen, die häufig mehrere Medikamente einnehmen: Bei längerfristiger Einnahme von Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Diclofenac und Acetylsalicylsäure (ASS) erhöht Alkohol das Risiko, an Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren zu erkranken.


Radio-O-Töne mit Tobias Lindner, Apotheker im AOK-Bundesverband

Milch und Antibiotika

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Kaffee, Tee und Psychopharmaka

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Kaffee und Tee

Koffein erhöht den Blutdruck. Bestimmte Antibiotika wie Gyrasehemmer, die zum Beispiel gegen Nieren- oder Harnwegsinfektionen genommen werden, verstärken diese Wirkung noch. Als Folge können verstärkt Herzrasen und Schlafstörungen auftreten. "Kaffee, schwarzer und grüner Tee enthalten zudem Gerbstoffe, die die Aufnahme und damit die Wirksamkeit vieler Arzneimittel gegen Depressionen und andere Psychopharmaka deutlich verringern", erklärt Apotheker Lindner. Als Alternative bieten sich hier Hagebutten- oder Kamillentee an. Wer nicht auf seinen Kaffee oder Tee verzichten möchte, sollte mindestens zwei Stunden zwischen der Einnahme des Medikaments und dem Kaffee beziehungsweise Teekonsum verstreichen lassen.

Milchprodukte und kalziumreiches Mineralwasser

Milch, Käse, Joghurt sowie einige Mineralwässer enthalten Kalzium, das für die Knochengesundheit wichtig ist. "Bestimmte Antibiotika können sich im Magen mit dem Kalzium binden, der Körper nimmt die Arzneimittel dadurch schlechter auf und sie wirken schwächer. Das gilt auch für Medikamente gegen Osteoporose. Sie sollten deshalb immer mit zeitlichem Abstand zum Essen eingenommen werden. Näheres dazu findet sich im Beipackzettel", so Lindner.

Grapefruit und Grapefruitsaft

Grapefruit und Pampelmusen enthalten zwar viele Vitamine, zum Beispiel Vitamin C, hemmen aber auch die Wirkung bestimmter Enzyme, die wiederum für die Inaktivierung zahlreicher Wirkstoffe notwendig sind. "Viele Arzneimittel wirken daher deutlich stärker, wenn zuvor eine Grapefruit gegessen oder Grapefruit-Saft getrunken wurde - auch wenn einige Stunden dazwischen liegen", so AOK-Experte Lindner. Wer zum Beispiel Cholesterinsenker, Beruhigungsmittel oder Medikamente zur Behandlung von Potenzstörungen nimmt, sollte auf keinen Fall grapefruithaltige Lebensmittel verzehren. Ungünstig können sich auch Goji-Beeren und Granatapfelsaft auswirken: Patienten, die Blutverdünner nehmen, sollten besser darauf verzichten, da diese die Wirkung der Medikamente deutlich verstärken und das Blutungsrisiko erhöhen können.

Salat und Gemüse

Bestimmte Medikamente - die sogenannten Vitamin-K-Antagonisten - werden eingesetzt, um das Risiko eines Blutgerinnsels zu mindern und einem Schlaganfall vorzubeugen. Lebensmittel, die reich an Vitamin K sind wie Salat, Spinat, Grün- oder Rosenkohl, können jedoch die Wirkung dieser Antagonisten mindern. Sie sollten daher von den Patientinnen und Patienten, die diese Medikamente einnehmen, nur in Maßen verzehrt werden.

Vorsicht ist auch bei fetthaltigen Mahlzeiten angesagt: Sie können die Wirkung von Arzneimitteln ebenfalls unerwünscht beeinflussen.