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Regelmäßige Bewegung hilft, Stürzen vorzubeugen

Achtung Oberschenkelhalsbruch

28.01.21 (ams). Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, zu stürzen und sich dabei schwer zu verletzen. Der Grund: Balance, Muskelkraft, Ausdauer und Beweglichkeit lassen jenseits des 50. Lebensjahrs nach, hinzu kommt häufig Osteoporose. Das heißt, die Knochen werden porös und brechen leichter. Eine häufige Folge von Stürzen im hohen Alter ist der Oberschenkelhalsbruch. Die größte Angst der meist hochbetagten Verunglückten ist es, nach dem Unfall nicht wieder auf die Beine zu kommen und pflegebedürftig zu werden. Denn bis zu 20 Prozent der Betroffenen verlieren nach einem Oberschenkelhalsbruch ihre Selbstständigkeit und zehn Prozent überleben den ersten Monat nach dem Unfall nicht, so die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Jeder Dritte über 65 Jahre stürzt mindestens einmal pro Jahr, bei den über 80-Jährigen ist es sogar fast jeder Zweite. Einen Oberschenkelhalsbruch - auch  Schenkelhalsfraktur genannt - erleiden in Deutschland rund 160.000 Menschen jährlich. Das Durchschnittsalter dieser Patienten liegt bei über 82 Jahren. In jüngerem Alter ist ein Oberschenkelhalsbruch seltener, da hierfür ein größeres Trauma wie beispielsweise nach einem Verkehrsunfall Voraussetzung ist. Die größte Sturzgefahr lauert im eigenen Zuhause. Denn: Die meisten älteren Menschen fallen in den eigenen vier Wänden oder in der nahen Umgebung, zum Beispiel im Garten - und das oft aus banalen Gründen. Oft genügt schon eine hochstehende Teppichkante oder eine lose Gehwegplatte. Doch die Chancen, auch nach einem schweren Sturz selbstständig zu bleiben, stehen auch für ältere Menschen nicht schlecht: Spezielle Operationsverfahren, die eine frühzeitige Mobilisation erlauben, und eine intensive Rehabilitation machen es möglich.


Radio-O-Töne mit Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband

Stolperfallen beseitigen

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Nach der OP frühzeitig mobilisieren

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Betroffenes Bein kann Last des Körpers nicht mehr tragen

Bei einem Oberschenkelhalsbruch bricht der Knochen genau im Übergang vom Hüftkopf zum Knochenschaft, das betroffene Bein kann die Last des Körpers nicht mehr tragen. "Die klassischen Symptome sind starke Schmerzen im Hüftbereich und eine eingeschränkte Bewegungsfähigkeit des Beins", sagt Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband. Oft zeigen sich bereits im Liegen eine Verkürzung und Außenrotation des Beines, das heißt die Zehenspitzen zeigen nach außen. Die Betroffenen können das verletzte Bein nicht mehr gestreckt anheben. Auch Blutergüsse und Schwellungen im Hüftbereich können auf einen Bruch hinweisen.

Bei älteren Patienten hilft meist neues Gelenk

In den meisten Fällen muss ein Oberschenkelhalsbruch operiert werden. Dabei gibt es zwei Verfahren: Der Bruch wird wieder eingerenkt und die richtige Stellung der Knochen durch Schrauben und Platten fixiert - das sogenannte Osteosyntheseverfahren. Das setzt allerdings voraus, dass der Hüftkopf noch ausreichend durchblutet ist, um eine Knochenheilung zu gewährleisten - gerade bei älteren Patienten ist das häufig jedoch nicht mehr der Fall. "Hier würde die Stabilisierung durch Schrauben nicht halten, deshalb muss bei älteren Menschen  das Gelenk häufig durch eine Hüftendoprothese ersetzt werden", so Dr. Bleek.

Nach OP: Sofortige Mobilisierung wichtig

Nach der Operation ist es wichtig, die Patientinnen und Patienten so schnell wie möglich wieder zu mobilisieren. Zur Mobilisierung gehören Bewegungsübungen, um die Muskeln wieder aufzubauen und Koordinationstraining sowie eine Gangschulung. Damit sollte möglichst früh begonnen werden, auch um Komplikationen durch lange Bettlägerigkeit, wie Thrombosen oder Embolien, zu vermeiden.

So lassen sich Stürze vermeiden

Wieder zu Hause, sollten Seniorinnen und Senioren Stürze konsequent vorbeugen. Ganz wichtig ist, typische Stolperfallen in der Wohnung und näheren Umgebung wie lose Kabel oder hohe Teppichkanten zu beseitigen und die eigenen vier Wände möglichst barrierefrei zu gestalten. Auch eine gute Beleuchtung gehört dazu, da bei Älteren häufig auch die Sehkraft eingeschränkt ist und herumliegende Gegenstände zu spät gesehen werden.

Training dem Gesundheitszustand anpassen

Um es gar nicht erst zu einem Sturz kommen zu lassen, ist Bewegung das beste Mittel: "Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Koordination und die Trittsicherheit", so Bleek. Den Knochenaufbau kann man mit Aktivitäten fördern, bei denen man sein eigenes Gewicht tragen muss. Dazu gehören Treppensteigen und Krafttraining. Eine der einfachsten Bewegungs- und Trainingsarten mit einem relativ geringen Verletzungsrisiko ist flottes Gehen (Walking). Viele Übungen lassen sich auch ganz leicht zu Hause durchführen: So können Kraft und Balance zum Beispiel mit Kniebeugen, Einbeinstand oder Rückwärtsgehen trainiert werden. Da körperliche Aktivität immer mit einem Verletzungsrisiko einhergeht, ist es wichtig, das Training an den eigenen Gesundheitszustand anzupassen.

Ernährung wichtig für Knochengesundheit

Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle für die Knochengesundheit. "Hier eignet sich eine ausgewogene, kalziumreiche Ernährung, um die Knochen zu stärken", rät Mediziner Bleek. Medizinische Fachgesellschaften empfehlen zur Osteoporose-Vorbeugung eine Kalziumaufnahme von 700 bis 1200 Milligramm täglich. Gute Kalziumlieferanten sind zum Beispiel Milch, Joghurt, Käse, Mandeln, Grünkohl sowie bestimmte Mineralwasser.

Daneben ist eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung wichtig, denn diese hilft den Knochen dabei, Kalzium aufzunehmen. Der größte Teil des Vitamin D wird durch direkte Sonneneinstrahlung im Körper selbst produziert. Neben körperlicher Aktivität und einer ausreichenden Versorgung mit Kalzium und Vitamin D, kann ein Rauchverzicht das Risiko für einen Knochenbruch verringern, der wiederum weitere Vorteile für die Gesundheit mit sich bringt.