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Campylobacter: Durch gute Hygiene Durchfallerkrankungen vermeiden

ams-Serie "Achtung ansteckend!" (2)

25.02.21 (ams). Sie sind die häufigsten bakteriellen Erreger von Durchfall-Erkrankungen: Campylobacter. Im Jahr 2019 erkrankten nach Angaben des Robert Koch-Instituts 61.526 Menschen in Deutschland daran vor allem in der warmen Jahreszeit. Kinder unter fünf Jahren und junge Erwachsene zwischen 20 und 29 Jahren sind in Deutschland besonders häufig betroffen. Meist werden die Erreger über Geflügelfleisch oder Rohmilchprodukte übertragen. Eine gute Hände- und Küchenhygiene ist daher sehr wichtig, um eine Übertragung zu vermeiden.

Die Campylobacter-Bakterien leben vor allem im Verdauungstrakt von Tieren, die selbst aber nicht unbedingt daran erkranken müssen. "Menschen können sich zum Beispiel aber über den Kot ihres Haustiers anstecken", sagt Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband. In den meisten Fällen wird der Erreger über Lebensmittel tierischer Herkunft übertragen. Geflügelfleisch zum Beispiel kann während des Schlachtprozesses über den Darminhalt der Tiere kontaminiert werden. Weitere mögliche Infektionsquellen sind nicht aufbereitetes Trinkwasser oder auch kontaminiertes Wasser in Badeseen.


Radio-O-Töne von Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband

Dauer der Erkrankung

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Hygiene-Tipps für die Küche

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Tipps bei der Lebensmittelzubereitung

  • Rohes Fleisch - vor allem Geflügelfleisch - nicht abwaschen, sondern abtupfen. Nicht mit bloßen Händen anfassen und immer vollständig durchgaren.
  • Auftauwasser von gefrorenem Geflügel und anderen Fleischsorten direkt entsorgen.
  • Getrennte Küchenutensilien für rohe und gegarte Lebensmittel nutzen. Benutzte Arbeitsflächen und Gegenstände heiß abwaschen.
  • Küchenhandtücher, Schwämme und Spülbürsten regelmäßig wechseln und bei mindestens 60 Grad Celsius waschen.
  • Rohmilch vor dem Verzehr

 

Bei Erkrankung viel trinken

Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit liegen in der Regel zwei bis fünf Tage. Die Erkrankung beginnt meist mit Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, gefolgt von heftigen Bauchschmerzen und -krämpfen, Übelkeit und Durchfall. Die Durchfälle können breiig, sehr wässrig und manchmal auch blutig sein. Sind sie sehr stark, ist der Ausgleich des Flüssigkeits- und Salzverlustes wichtig: Das bedeutet, viel zu trinken. Vor allem für Kleinkinder, ältere oder immungeschwächte Menschen ist ein starker Flüssigkeitsverlust gefährlich. Sie sollten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, insbesondere, wenn Durchfälle länger als zwei bis drei Tage anhalten.

Ob es sich um eine Campylobacter-Infektion handelt, wird mittels einer Stuhlprobe festgestellt. Ist der Erreger nachgewiesen, besteht laut Infektionsschutzgesetz Meldepflicht. Wer beruflich mit Lebensmitteln zu tun hat, darf dann - in Absprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt - vorübergehend auch nicht arbeiten. Eltern müssen Gemeinschaftseinrichtungen über die Erkrankung ihres Kindes informieren. Den Zeitpunkt, wann das Kind die Einrichtung wieder besuchen darf, bestimmt ebenfalls das Gesundheitsamt.

"In der Regel dauert eine Campylobacter-Erkrankung bis zu einer Woche, die Beschwerden klingen dann meist von selbst ab", so Debrodt. Die Betroffenen sind jedoch auch danach noch ansteckend: Über den Stuhl werden bis zu vier Wochen nach der Ansteckung Erreger ausgeschieden. Erkrankte sollten daher keine Speisen für andere zubereiten. In seltenen Fällen kann es infolge der Infektion zu rheumatischen Gelenk- oder Hirnhautentzündungen kommen, sehr selten auch zu neurologischen Erkrankungen.

Gründliches Händewaschen

Campylobacter-Bakterien vermehren sich zwar - anders als Salmonellen - nicht in Lebensmitteln, sie können aber längere Zeit in der Umwelt überleben, zum Beispiel auf Schneidebrettern oder Messern. Auch auf tiefgefrorenen Produkten halten sie sich teilweise mehrere Monate. Eine gute Hände- und Küchenhygiene ist daher unerlässlich: "Es ist wichtig, sich die Hände nach jedem Toilettengang gründlich mit Wasser und Seife zu waschen sowie immer vor der Zubereitung von Lebensmitteln und vor dem Essen - und das nicht nur in Zeiten von Corona", rät Medizinerin Debrodt. Vor allem nach dem Kontakt mit rohen Lebensmitteln müssen immer die Hände und die Arbeitsflächen und Geräte gereinigt und abgetrocknet werden.