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Kinder im Fadenkreuz der Werbung

Ungesunde Lebensmittel

23.03.21 (ams). Ein mediennutzendes Kind sieht in Deutschland durchschnittlich pro Tag 15,48 Werbespots oder -anzeigen für ungesunde Lebensmittel. Davon entfallen 5,14 auf das Internet und 10,34 auf das Fernsehen. Zugleich ist die Zahl der TV-Spots pro Stunde um 29 Prozent gestiegen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Hamburg, die jetzt vorgestellt wurde. Sie basiert auf Daten noch vor der Corona-Krise. Durchschnittlich 92 Prozent der Lebensmittelwerbung, die Kinder in Internet und TV wahrnehmen, beziehen sich auf ungesunde Produkte wie Fast Food, Snacks oder Süßigkeiten (Fernsehen 89 Prozent, Internet 98 Prozent).

Ein Bündnis aus Wissenschaftlern, Kinderärzten und dem AOK-Bundesverband erneuert angesichts dieser Zahlen die Forderung, Kindermarketing für ungesunde Produkte in allen Medienarten gesetzlich zu untersagen - wie es in vielen Ländern bereits Standard ist. Bisherige Versuche, dies über freiwillige Selbstverpflichtungen zu regeln, blieben bisher erfolglos. Dazu erklärt Dr. Kai Kolpatzik, Leiter der Abteilung Prävention im AOK-Bundesverband:

"Die Studie zeigt erneut, dass seitens der Lebensmittelindustrie offenkundig keine Übernahme von Verantwortung oder Unterstützung zu erwarten ist. Es wird daher höchste Zeit, diese Branche in die Pflicht zu nehmen. Denn freiwillige Selbstverpflichtungen, ganz egal ob im Rahmen der Nationalen Reduktionsstrategie oder beim Werbeverbot für Kinderlebensmittel, liefen bisher ins Leere."

Die Kindermarketing-Studie wurde von der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), dem AOK-Bundesverband sowie sechs medizinischen Fachgesellschaften und Organisationen finanziert.

Digitales Unterrichtsprogramm der AOK

Das angestrebte Werbeverbot ist eine von vielen Maßnahmen gegen den zu hohen Zuckerkonsum, die von der AOK unterstützt werden. Kinder und Jugendliche zu weniger Zucker und einer gesünderen Ernährung zu motivieren, ist eine weitere. Die AOK engagiert sich seit Jahren auf vielen Ebenen für den Auf- und Ausbau von Prävention und Gesundheitsförderung in der Bevölkerung und gibt hierzu entsprechende Impulse in die unterschiedlichen Lebenswelten. Mit dem "AOK-Zuckerkompass - Ihr Programm für den digitalen und praktischen Unterricht" steht Lehrerinnen und Lehrern ab sofort ein neues Programm zur Prävention und Gesundheitsförderung im Setting Schule zur Verfügung. Es wurde speziell für die Klassen 5 bis 8 an weiterführenden Schulen entwickelt und setzt auf einen Mix aus verschiedenen interaktiven Methoden der Wissens- und Kompetenzvermittlung rund um das Thema Zucker. Ziel ist es, das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler hinsichtlich ihres täglichen Zuckerkonsums zu schärfen und so ihre Ernährungskompetenz zu stärken. Das AOK-Programm "Zuckerkompass" ist kostenfrei und die Materialien für Schülerinnen und Schüler beinhalten keinerlei Werbung. Auf der Website kann die Lehrkraft nach einer Anmeldung direkt loslegen. Für den Einsatz im Unterricht wird nur ein Beamer oder ein Whiteboard im Klassenzimmer benötigt.