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Zahnpflege plastikfrei? Eine Anleitung

Nachhaltigkeit

29.04.21 (ams). Daran denken die wenigsten Menschen: Auch bei der Zahnpflege lässt sich Müll einsparen. Schließlich bestehen Zahnbürste und Zahnseide in der Regel komplett aus Plastik. Doch gibt es ökologische Alternativen? Müssen wir zu einem Holzzweig greifen, so wie sich schon die alten Babylonier die Zähne geputzt haben? Wie sich Zahnbeläge möglichst umweltschonend und wirksam entfernen lassen, erklärt Katja Kühler, Zahnärztin bei der AOK.

Nachhaltige und umweltfreundliche Zahnpflege? Für Zahnbürsten mit einem Plastikgriff und Nylonborsten trifft das nicht zu. Gleiches gilt für die kleinen Bürstchen für die Zahn-Zwischenräume. Zahnpasta ist in einer Plastiktube abgefüllt, Zahnseide besteht aus Kunststoff und ist in Plastik verpackt. Da fällt jede Menge Müll an, der nur teilweise recycelt werden kann. Die Menschen in Deutschland verbrauchen - laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) - knapp 170 Millionen Zahnbürsten und über 400 Millionen Tuben Zahnpasta im Jahr. Das ist Plastikmüll, der oftmals in den Meeren landet und über die Nahrungskette wieder auf unseren Tellern. Wer sich klimafreundlich die Zähne putzen möchte, für den gibt es durchaus Möglichkeiten.

Griff und Borsten

Zahnbürsten bestehen in der Regel komplett aus Plastik. Doch inzwischen sind auch Zahnbürsten erhältlich, deren Griffe aus Holz oder Bambus bestehen. Bambus gilt als besonders nachhaltig, da es sich um eine schnell wachsende Pflanze handelt. Und die Borsten der Bürste? "Die sollten nicht aus Tierhaaren bestehen, denn darauf können sich Pilze und Bakterien einfacher ansiedeln", so Zahnärztin Kühler. Alternativ gibt es Zahnbürsten mit Borsten aus Nylon ohne die Chemikalie Bisphenol A (BPA) oder gar aus Bio-Nylon, das in der Herstellung ohne Erdöl auskommt. Auch die Interdentalbürstchen für die Zahnzwischenräume sind in der Öko-Variante mit Bambusgriff und BPA-freiem Nylon erhältlich. Oder man steigt gleich auf die kleinen Zahnhölzer um, mit denen ebenfalls der Zahnbelag in den Zwischenräumen entfernt werden kann.

Zahnseide aus echter Seide

Zahnseide ist und bleibt ein wichtiges Hilfsmittel, um die Zahnzwischenräume zu reinigen. Und auch Zahnseide gibt es in plastikfreien Varianten - und zwar aus echter Seide und mit Bienenwachs versehen. Die vegane Variante besteht aus Maisseide und Wachs, das aus den Blättern und Stängeln des Candelilla-Buschs gewonnen wird. Die Alternativen zur Kunststoff-Zahnseide sind oft verpackt in einem Glasflakon, wobei das Glas als nachfüllbarer Zahnseidenhalter dient. Alle diese ökologischen Varianten von Zahnbürste und Co. kann man im Internet kaufen und inzwischen auch in Drogerien.

Zahnpflege - das Gesamtpaket

Mit der Zahnbürste lassen sich nur etwa 70 Prozent der Zahnoberfläche reinigen. Um Karies und Parodontitis vorzubeugen, müssen deshalb auch die Zahnzwischenräume von Speiseresten und Zahnbelag befreit werden. Dafür dienen die Hilfsmittel Zahnseide, die eher bei engen Zwischenräumen, und Interdentalbürsten, die bei offenen Zwischenräumen besonders geeignet sind. Eine ausreichende Menge an Fluorid vorausgesetzt, können Mundspüllösungen als Ergänzung sinnvoll sein, unter anderem für Träger einer fest sitzenden Zahnspange. Zahnärztinnen und Zahnärzte empfehlen zusätzlich eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis. Dabei entfernt eine Prophylaxeassistentin oder ein Dentalhygieniker Zahnbelag und Verfärbungen mit speziellen Geräten, die Zähne werden poliert und fluoridiert, Patientinnen und Patienten zur Mundhygiene angeleitet. Weil der Nutzen jedoch bisher nicht durch Studien belegt ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht die Kosten - einige gewähren jedoch einen Zuschuss. Dagegen sind zwei Kontrolluntersuchungen im Jahr sowie einmal im Jahr die Entfernung von Zahnstein durchaus Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen.

Und was ist eigentlich mit selbstgemachter Zahnpasta?

Eine gute Nachricht vorweg: Im Gegensatz zu vielen anderen Kosmetikprodukten wie Gesichtscreme, Shampoo oder Duschgel sind Zahncremes seit 2014 frei von Mikroplastik. Doch es bleibt die Plastiktube. Wäre es da nicht angeraten, Zahnpasta zu Hause einfach selbst herzustellen? Rezepte mit Kokosöl, Natron und Schlammkreide beispielsweise kursieren im Internet. Doch Zahnmediziner raten von solchen Do-it-Yourself-Produkten ab: "Selbstgemachte Rezepturen enthalten kein Fluorid und können deshalb auch nicht wirksam vor Karies schützen", sagt Kühler. "Denn Fluorid ist das A und O im Kampf gegen Karies." Dabei sollte der Fluoridgehalt dem Alter angepasst sein. Zahncremes für Kinder ab dem Schulalter, Jugendliche und Erwachsene enthalten 1.000 bis 1.500 ppm Fluorid. Nach den neuen Empfehlungen sollen Kinder vom zweiten bis sechsten Geburtstag zweimal täglich ihre Zähne mit einer erbsengroßen Menge einer Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid putzen und nicht mehr wie bisher nur mit 500 ppm Fluorid, so Zahnärztin Kühler weiter.

Eine weitere Gefahr der selbst produzierten Creme ist, so Kühler: "Sie kann schnell zu viel an abschleifenden oder abreibenden Stoffen enthalten, also zu viel an sogenannten Abrasivstoffen. Die sind zwar für die Reinigung der Zähne wichtig, können aber auch dazu führen, dass zu viel Zahnsubstanz abgeschliffen wird.“ Auch die Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin hält von selbstgemachten Pasten nicht viel und weist darauf hin, dass die Zusammensetzung der herkömmlichen Zahnpasten wissenschaftlich begründet und deren Wirksamkeit in vielen internationalen Studien geprüft ist. So kann die aufeinander abgestimmte Mischung der Inhaltsstoffe auch bakteriellem Zahnbelag, Zahnfleischbluten, empfindlichen Zahnhälsen, Zahnstein und Mundgeruch vorbeugen.

Zahnputztabletten statt Zahnpasta?

Könnten Zahnputztabletten eine nachhaltigere Alternative zur klassischen Zahnpasta sein? Schließlich werden sie als plastikfrei und ökologisch beworben. Die Stiftung Warentest warnt allerdings davor, dass eine Tablette lediglich ein Fünftel bis ein Drittel der Fluoridmenge enthält, die beim Putzen mit einer Zahnpasta in die Mundhöhle gelangt. Auch Mundspülungen allein können Karies oder eine chronische Entzündung des Zahnfleisches (Parodontitis) nicht verhindern, zumal ihnen ebenfalls häufig die nötige Konzentration an Fluorid fehlt.