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Hib-Impfung: Zuverlässiger Schutz vor Hirnhaut- und Kehldeckelentzündung

ams-Serie: "Achtung ansteckend!" (4)

29.04.21 (ams). Bis vor 30 Jahren war das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) der häufigste Erreger der gefürchteten eitrigen Hirnhautentzündung (Meningitis) und der Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) bei Säuglingen und Kleinkindern - in Deutschland gab es mehrere hundert Todesfälle pro Jahr. Seit der Einführung der Hib-Impfung in Deutschland im Jahr 1990 ist die Zahl der Erkrankungen um bis zu 90 Prozent zurückgegangen.

Das Bakterium wird über Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen - zum Beispiel beim Husten oder Niesen - und siedelt sich im Nasen-Rachen-Raum an. 80 bis 95 Prozent der Hib-Erkrankungen treten vor dem vollendeten fünften Lebensjahr auf. Nur sehr selten kommt es in den ersten drei Monaten nach der Geburt zu einer Ansteckung. Eine Hib-Meningitis kann schwere Schäden wie beispielsweise Hör­ oder Sprachstörungen, Blindheit bis hin zu geistiger Behinderung verursachen. "Die Sterblichkeit bei einer Hirnhautentzündung ist sehr hoch: Wird nicht rechtzeitig behandelt, liegt sie bei bis zu 80 Prozent, und auch bei frühzeitiger Therapie sterben noch bis zu fünf Prozent der Erkrankten", sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband. Kehldeckelentzündungen können ebenfalls hohes Fieber und eine massive Schwellung verursachen, sodass es zu starken Schluckbeschwerden und ausgeprägter Atemnot bis hin zum Erstickung führen kann. Da sich die Kehldeckelentzündung innerhalb kürzester Zeit entwickeln kann, ist sie immer ein Notfall. Unbehandelt besteht ebenfalls eine hohe Sterblichkeitsrate. Behandelt werden die Erkrankungen mit Antibiotika.


Radio-O-Töne mit Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband

Symptome einer Infektion

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Impfungen sind gut verträglich

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Meist wird Sechsfachimpfstoff gespritzt

Damit es gar nicht erst zu einer Erkrankung durch den Hib-Erreger kommt, ist eine Schutzimpfung unbedingt empfehlenswert. Da Kinder schon ab sechs Monaten gefährdet sind, sollte die Impfung möglichst frühzeitig begonnen und vollständig abgeschlossen werden. In der Regel wird dafür ein Sechsfachimpfstoff gegen Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), Tetanus (Wundstarrkrampf), Poliomyelitis (Kinderlähmung), Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B eingesetzt - es handelt sich dabei um einen Impfstoff mit abgetöteten Erregern, einen sogenannten Totimpfstoff.

Neue STIKO-Empfehlung: Impfung in drei Teilen

Bis zum Jahr 2020 wurde die Impfung in vier Teilen verabreicht. Seit Sommer 2020 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Grundimmunisierung in drei Teilen - damit entfällt eine Impfstoffdosis. Die erste Impfung erfolgt im Alter von etwa zwei Monaten, die folgenden Impfungen dann mit vier und elf Monaten. Frühgeborene, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren sind, sollen die sechsfach-Impfung weiterhin mit vier Impfstoffdosen im Alter von zwei, drei, vier und elf Monaten erhalten.  Wurden die empfohlenen Impftermine nicht wahrgenommen, kann dies im Alter von einem bis vier Jahren nachgeholt werden - dann reicht eine einmalige Impfung aus. Nach dem sechsten Lebensjahr ist eine Impfung in der Regel nicht mehr notwendig - in seltenen Fällen, zum Beispiel bei fehlender Milzfunktion, wird sie jedoch auch dann noch empfohlen.

Impfreaktionen und Nebenwirkungen

Die Impfung ist in der Regel gut verträglich. "Wie bei allen Impfungen kann es zu Impfreaktionen kommen, wie Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Seltener kommen Fieber, Fieberkrämpfen oder Magen-Darm-Beschwerden dazu", so Medizinerin Eymers. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. In Einzelfällen kann es bei Säuglingen und jungen Kleinkindern zu auch einem kurzzeitigen schockähnlichen Zustand kommen - dies bleibt jedoch in der Regel ohne Folgen.