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Krebs: Wie sich das Erkrankungsrisiko senken lässt

Prävention durch Lebensstil

26.05.21 (ams). Verringert grüner Tee das Risiko, Krebs zu bekommen? Hat Kurkuma eine schützende Wirkung und sollte man Kartoffeln und Tomaten meiden? Es gibt immer wieder bestimmte Lebensmittel, die als krebsvorbeugend angepriesen werden. Doch was ist dran an solchen Tipps? Und was kann man eigentlich am besten tun, um nicht zu erkranken? Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband, erklärt, was helfen kann, das Krebsrisiko zu reduzieren und wo die Grenzen sind.

Nicht für alle Krebsarten lässt sich das Erkrankungsrisiko aktiv verringern, denn häufig ist Krebs ein Zufallsereignis. „Je älter der Mensch wird, desto mehr Fehler sammeln sich in seiner Erbinformation an; eine Krebserkrankung wird daher wahrscheinlicher“, sagt  Medizinerin Debrodt. Von rund 500.000 Menschen, die pro Jahr in Deutschland eine Krebsdiagnose erhalten, fällt der größte Anteil laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten auf die Gruppe der über 65-Jährigen. Obwohl man seine Risiken nie auf Null senken kann, lassen sie sich beispielsweise für Lungen-, Darm-, Haut-, Leber-, Nieren-  und Brustkrebs nach den Wechseljahren durch einen gesunden Lebensstil positiv beeinflussen. Etwa 40 Prozent aller Krebserkrankungen ließen sich laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit vermeiden. Das heißt, jeder und jede kann das persönliche Risiko, an Krebs zu erkranken, reduzieren. Zu den persönlich beeinflussbaren Ursachen von Krebs gehören: Mangelnde Bewegung, ungesunde Ernährung und Übergewicht, Rauchen, Alkohol und UV-Strahlung.


Radio-O-Töne von Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband

Lässt sich das Erkrankungsrisiko reduzieren?

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Tipps zur Vorsorge

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Um der Entstehung von Krebs vorzubeugen, sind folgende Maßnahmen und Verhaltensweisen wichtig:

Rauchverzicht

Tabakrauch enthält nachweislich krebserregende Substanzen und ist das größte vermeidbare Krebsrisiko - und das nicht nur für Lungenkrebs. Es lohnt sich in jedem Alter, Nichtraucher zu werden - jedes Jahr zählt. "Wer dennoch nicht darauf verzichten kann, sollte es zum Schutz anderer, vor allem von Kindern, unbedingt in Innenräumen oder im Auto unterlassen. Auch Passivraucher haben ein erhöhtes Krebsrisiko", so Debrodt

Gesunde Ernährung

Sich gesund und ausgewogen zu ernähren heißt, häufig Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse zu essen. Auf kalorienreiche Lebensmittel, die viel Zucker und Fett enthalten oder industriell verarbeitet sind, sollte möglichst verzichtet werden. Zudem sollte rotes Fleisch, Wurst und Schinken oder salzreiche Kost nur selten auf dem Speiseplan stehen. Ganz wichtig: Normalgewicht halten.  Zwischen Übergewicht und dem Risiko für mindestens 13 Krebsarten ist ein Zusammenhang nachgewiesen worden, so die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC). Dazu gehören die in Deutschland so häufigen Krebserkrankungen des Dick- und Enddarms sowie Brustkrebs nach den Wechseljahren.

Ernährungsmythen?

Um den positiven oder negativen Effekt bestimmter Lebensmittel auf die Vermeidung oder Entstehung von Krebs ranken sich regelrecht Mythen, etwa um Kurkuma, grünen Tee oder Tomaten. "Die Studienergebnisse zur Wirkung von grünem Tee zum Schutz vor Krebs sind zur Zeit sehr widersprüchlich und lassen keine eindeutige Beantwortung dieser Frage zu", so Ärztin Debrodt. Über Wirkungen in Zellkultur oder Tierversuchen hinaus, konnte bisher kein Nutzen von Kurkuma bei der Behandlung von Krebs beim Menschen gezeigt werden.

Dass die Nachtschattengewächse Kartoffeln und Tomaten dagegen das Krebsrisiko steigern, stimmt nicht. Sie beinhalten zwar Solanin, ein schwach giftiges Alkaloid. Dieses verschwindet aber bei Tomaten während des Reifungsprozesses. Moderne Kartoffelsorten enthalten weniger Solanin als früher und bei der Zubereitung verlieren diese einen großen Teil des Alkaloids. Und was ist mit Kaffee? Studien zeigen: Kaffee ist kein Risikofaktor für Krebs. Nur zu heiß sollte man ihn nicht trinken, um die Schleimhäute in Mund und Speiseröhre zu schonen.

Bewegung

Schätzungsweise etwa sechs Prozent der Krebsneuerkrankungen der 35- bis 84-Jährigen gingen 2018 in Deutschland auf geringe körperliche Aktivität zurück. Menschen, die sich regelmäßig bewegen, senken ihr Risiko für einige der häufigsten Krebsarten. So konnte in Studien belegt werden, dass Bewegung beziehungsweise Sport das Risiko für Dickdarmkrebs und wahrscheinlich für Brust- und Gebärmutterkörperkrebs, senkt. Auch bei anderen Krebsarten wird vermutet, dass Bewegung einen präventiven Einfluss hat und zwar schon ab täglich mindestens 30 Minuten, dabei sollten sitzende Tätigkeiten so oft wie möglich unterbrochen werden.

Schutz vor UV-Strahlung

Die UV-Strahlung der Sonne ist nachgewiesenermaßen krebserregend. Sonnencreme mit ausreichenden Lichtschutzfaktor je nach Hauttyp, abdeckende Kleidung und der überwiegende Aufenthalt im Schatten sind der beste Weg, um Hautkrebs zu vermeiden. Das gilt insbesondere für Kinder. Auch der Gang ins Solarium sollte unterbleiben.

Impfungen gegen Hepatitis B und Humane Papillomviren (HPV)

Werden bereits Neugeborene gegen Hepatitis B geimpft, senkt man das Risiko für Leberkrebs. Die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) reduziert bei Mädchen und Jungen das Krebsrisiko für Gebärmutterhalskrebs,  Penis- und Analkrebs, Vulva- und Scheidenkrebs sowie sogenannte Kopf-Hals-Tumoren.

Früherkennungsuntersuchungen

Wird Krebs im Frühstadium entdeckt, so kann er oft gut behandelt werden und es besteht Aussicht auf Heilung. Durch die Früherkennungsuntersuchungen lassen sich Vorstufen oder Tumore in einem frühen Stadium entdecken. Bei der Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs können die krebsverdächtigen Vorstufen gleich im Zuge der Untersuchung entfernt werden. So kann die Entstehung von Krebs sogar verhindert werden.

Wenig oder keinen Alkohol trinken

Alkoholkonsum steht in Verbindung mit zahlreichen Krebsarten. Darunter Mund-, Rachen-, Kehlkopf-, Speiseröhren-, Brust-, Darm-, und Leberkrebs. Der beste Schutz ist der Verzicht auf Alkohol. Männer sollten nicht mehr als 20 Gramm Alkohol und Frauen nicht mehr als zehn Gramm Alkohol pro Tag aufnehmen, darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hin. Zehn Gramm Alkohol stecken zum Beispiel in einem Glas Bier (280 bis 330 ml), Wein (150 bis 180ml) oder Schnaps (30 bis 40ml). Die Angaben heißen aber nicht, dass man täglich so viel trinken sollte. An mindestens zwei bis drei Tagen pro Woche, sollte ganz auf Alkohol verzichtet werden.